Marquesas – Teil 2

Auf Nuku Hiva haben wir noch einen Zwischenstopp in der Baie du Controleur eingelegt, um in das schöne Tal zu wandern. Am Tag darauf segeln wir nach Ua Pou, unser letztes Ziel der Iles Marquises.

Baie du Controleur auf Nuku Hiva

Baie du Controleur auf Nuku Hiva

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Der Tag der Überfahrt bringt mehr Wind und Welle als angesagt und es ist recht diesig, sodass wir die Insel erst spät vor uns sehen. Ein ergreifender Moment, wie nach und nach immer mehr Details von Ua Pou zu erkennen sind. Die Insel wird von 12 riesigen Felsnadeln überragt. Die bis zu 1.200 Meter hohen Felstürme, die Überreste von früheren Vulkanen, prägen das Landschaftsbild. Hinzu kommt, dass die Gipfel durch die hohe Luftfeuchtigkeit fast ständig in den Wolken verborgen liegen und nur ab und zu für kurze Momente zu erblicken sind.

Ua Pou liegt vor uns

Ua Pou liegt vor uns

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Vorbereitungen für ein Rennen mit Auslegerbooten

Vorbereitungen für ein Rennen mit Auslegerbooten

Die Baie Hakahau von oben

Die Baie Hakahau von oben

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Wir finden hinter dem Wellenbrecher einen geschützten Platz in der gemütlichen Bucht, die ansonsten auf der Nordostseite der Insel dem Schwell des Pazifiks ausgesetzt ist. Meist liegen hier lediglich zwei oder drei Boote. Jeden Morgen kommt Xavier durch die Bucht geschwommen. Er ist vor 18 Jahren von Frankreich hierher ausgewandert. Er spricht als Englischlehrer neben Englisch auch fließend Deutsch, was uns zunächst sehr erstaunt hat, denn es gibt nicht viele Franzosen, die drei Sprachen beherrschen. Er bietet uns mit seinem Geländewagen eine Tour über die Insel entlang der wilden Ostküste an. Chris und Alena, aus Österreich bzw. den USA, von der Segelyacht Green Panther begleiten uns auf der Fahrt über holprige Pisten zu entlegenen Buchten und auf Bergkämme.  Wir sind begeistert von den wunderbaren Ausblicken. Die vielen Felsspitzen zeigen sich ab und zu, um alsbald wieder in den Wolken zu verschwinden.

Die Felstürme sind meistens in den Wolken

Die Felstürme sind meistens in den Wolken

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Wir verbringen zusammen einen schönen Tag und nutzen ihn nebenbei, um uns Früchte und Gemüse bei unterschiedlichen Leuten zu besorgen. Am Straßenrand entdecken wir einen wild wachsenden Busch mit Chilifrüchten. Leider konnten wir in den Geschäften nur wenig frische Lebensmittel kaufen, sodass wir sehr froh sind, dass Xavier weiß, wo wir unterwegs das Auto bei Einheimischen mit frisch gepflückten Bohnen, Kohl  und Mangos füllen können. Ich frage Xavier, was ich schon immer fragen wollte: Warum gibt es hier, wo alles doch so fruchtbar ist, kein Gemüse zu kaufen. Er antwortet lakonisch: weil es niedrig wächst und man sich bücken müsste. Dann gehe der Marquese lieber in den Supermarkt und kaufe sich Fertigprodukte. Dies wird uns leider durch das Gewicht und den Körperumfang der meisten Bewohner aufs Deutlichste betätigt.

und wieder die Felstürme vom Strand aus gesehen

und wieder die Felstürme vom Strand aus gesehen

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Der „dreibeinige“ Tiki

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Je mehr wir uns unterhalten, umso deutlicher bildet sich durch seine Erzählungen ein Gegenbild zu unserem Paradies. Wir haben als Segler bisher überwiegend die freundlichen Seiten der Inseln kennengelernt. Die Bewohner sind uns gegenüber fast ausnahmslos sehr freundlich gesonnen. Oft wurden wir beim Wandern von Autofahrern gefragt, ob sie uns ein Stück fahren dürfen. Jedes Mal, wenn wir ein Stück trampen wollten, hat uns jemand umgehend mitgenommen. Überall ist man hilfsbereit. Nun lernen wir eine andere Seite über Xavier kennen. Er hatte einen sehr schweren Motorradunfall, da ein Betrunkener ihm auf der falschen Seite entgegenkam. Er verbrachte zwei Jahre in Krankenhäusern und Reha während der Unfallverursacher lediglich ein privates Fahrverbot bekam, das Auto aber beruflich weiter nutzen durfte. Natürlich waren daraufhin alle Fahrten beruflich, selbst wenn dieser vollkommen trunken war. Er erzählt uns, dass aus Neid sein neues Haus, das er vermieten wollte, niedergebrannt wurde. Der Gendarm glaubt, dass er es selbst angezündet habe, da er ja bei der Nachricht nicht geweint habe. Das Haus war nicht versichert, warum sollte er es selbst anzünden?

Es folgen viele weitere Beispiele, die uns zeigen, dass die Welt auch hier nicht so heil zu sein scheint, wie wir sie von außen sehen. Mich wunderte die letzten Wochen schon oft, woher das viele Geld kommt, denn  wir sehen sehr viele teure vierradgetriebene Fahrzeuge, überall neue Baumaschinen und Häuser sowie gute betonierte Straßen. Die Leute geben alle Geld aus und scheinen keine Probleme mit den hohen Preisen zu haben. Die Inseln können doch nicht von den paar Kokosnüssen so reich werden? Xavier erklärt uns, dass Frankreich mit Subventionen stark unterstützt. Häuser sollen außer einem 20-prozentigen Eigenkapital staatlich gefördert werden, ebenso Dienstwagen. Natürlich seien alle neuen Autos Dienstwagen, denn jeder, der einen Beruf hat, brauche auf den wenigen befahrbaren Kilometern der Insel natürlich einen Wagen. So zeigt sich das Paradies in neuen Farben, wir sind um erweiterte Blickwinkel bereichert. Es scheint sehr schwer zu sein, hier von außen kommend wirklich heimisch zu werden.

Xavier und Annette sammeln Kieselsteine mit  fossilen Einschlüssen

Xavier und Annette sammeln Kieselsteine mit fossilen Einschlüssen

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Wir könnten Tikis kaufen, aber wohin damit an Bord die nächsten zwei Jahre?

Wir könnten Tikis kaufen, aber wohin damit an Bord die nächsten zwei Jahre?

Der Künstler Norbert

Der Künstler Norbert

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Xavier fährt uns zu einem Brunnen, wo wir gefiltertes Wasser bunkern können, und wir beenden den Tag mit dem Transport unserer fünf mit Trinkwasser befüllten Kanister mit Auto und Dinghi zu unserer Anke-Sophie. Auch die Lebensmittel werden in die Netze gefüllt und das Boot vorbereitet für die Überfahrt zu den Tuamotus. Aber halt, zuvor müssen wir noch an Land, um diesen Bericht ins Internet zu stellen.

3 Antworten zu “Marquesas – Teil 2

  1. Lieber Thomas, liebe Anette,
    Ds sind ja wirklich Bilder wie aus einer Märchenwelt! Was für ein Anblick! Aber offenbar gibt es auch da Probleme und unverantwortliches Verhalten!
    Geniesst eure Reise! Wir geniessen durch eure Bilder und Berichte mit!
    Liebe Grüsse, Maya

    • Liebe Maya,

      wir freuen uns immer über Rückmeldungen, bitte richte liebe Grüße an Barbara aus oder besser, ich kopiere sie mit ein und richte die liebsten Grüße direkt an sie.

      Mit herzlichen Grüßen von den Tuamotu Inseln

      Thomas

      Thomas Herter

      http://www.ankesophie.wordpress.com

      Mobil Französisch Polynesien: +689 87 299964 (gilt ab 23.06.14)

  2. Ihr Lieben,
    vielen Dank für den neuen Bericht von den Marquesas und vor allem nochmal für den langen, ausführlichen Bericht von Annette, den ich mit etwas mehr Muße beantworten möchte.
    Sehr schön sind die Landschaftsaufnahmen wieder.
    Die Frage, die sich mir stellte: was hält Xavier auf den Inseln, nach diesen unerfreulichen Erlebnissen?
    Liebe Grüße auch von Andreas und eurer Lisa

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