Marquesas Inseln

Nach der Überfahrt von Galapagos zu den Marquesas haben wir uns zunächst sechs Tage auf Fatu-Hiva ausgeruht. Sie ist die ursprünglichste Insel, da es hier keinen Flugplatz gibt und keine regelmäßige Fährverbindung und nur von Segelyachten besucht wird. Sie ist so ursprünglich, dass die Einheimischen eigentlich kein Geld wollen, sondern lieber handeln, um Früchte gegen T-Shirts oder ein Stück Seil etc. zu tauschen. Eine ganz neue Erfahrung und leider haben wir uns nicht in Panama mit Tauschobjekten eingedeckt, sodass wir nun kaum etwas haben, was wir entbehren können.

Am 5. Juni sind wir die 45 sm nach Atuona auf Hiva-Oa gesegelt, wo wir in der Hanavave Bucht vor Bug- und Heckanker für sechs Tage liegen. Wir freuen uns, endlich nach vier Wochen wieder einkaufen zu können. Wir besorgen uns -nun mal wieder in Frankreich- Baguette, Camembert, frisches Gemüse und stocken unsere Bordbestände auf. Leider ist das Preisniveau viel höher als in Europa, wir bezahlen in Französisch-Polynesischen Franc und sind froh, dass wir uns so gut in Panama eingedeckt haben, vor allem Alkohol ist hier unerschwinglich (1l Wein im Tetra Pack für umgerechnet 10 €, eine Flasche Wein ca. 20 € ), im Vergleich zu hier ist es in Norwegen billig. Wir sind so froh, dass der Weinkeller in der Bilge noch gut gefüllt ist.

Atuona auf Hiva-Oa

Atuona auf Hiva-Oa

Die Deamon mit Jill und Bruce aus Neuseeland

Die Deamon mit Jill und Bruce aus Neuseeland

Die Déesse mit Monique und Pieter aus Holland

Die Déesse mit Monique und Pieter aus Holland

Wir besuchen die Gräber von Paul Gauguin und Jacques Brel, die beide auf Hiva-Oa begraben sind. Gauguin entschied sich 1890 nach Tahiti auszuwandern, um dort „das Primitive und Wilde“ zu suchen. Er segelte 1893 für eine große Ausstellung in Paris zurück nach Europa. Wieder in Tahiti flüchtete er nach einem Selbstmordversuch nach Hiva-Oa, wo er seine letzten Jahre verbrachte. Neben dem Schreiben und Zeichnen fertigte er weiterhin Skulpturen und Gemälde und half den Einheimischen sich gegen die französische Administration und die katholische Kirche zu verteidigen. Jacques Brel, er flüchtete vor der Presse,  segelte 1975 mit seiner Ketch Askoy nach Atuona. Er kehrte bis zu seinem frühen Tod 1978 nie wieder zurück. Sein Flugzeug Jojo, mit dem er von Insel zu Insel flog, ist im Museum auf Hiva-Oa ausgestellt.

Das Grab von Jacques Brel

Das Grab von Jacques Brel

und das Grab von Paul Gauguin

und das Grab von Paul Gauguin

Marquesen auf einem polynesischen Fest auf Oa Hiva

Marquesen auf einem polynesischem Fest auf Oa Hiva

Marquesas 023 Marquesas 030

Wir verbringen viel Zeit mit Crews befreundeter Segelyachten: Bei einem gemeinsamen Abendessen mit Monique und Pieter von Déesse aus den Niederlanden, Jill und Bruce von Deamon aus Neuseeland, Christina und Werner von Windance III aus Südafrika/Österreich gab es Sashimi, in Limone marinierten Fisch und kurz gebratenen Fisch mit Pakchoi und Reis. Jeder steuert immer etwas bei.

John, ein lokaler Fahrer, fährt uns acht mit seinem Geländewagen über die Bergkette von Hiva-Oa zu den archäologischen polynesischen Kultstätten. Zunächst besichtigen wir den „lächelnden Tiki“, der mitten im Wald gefunden wurde. Die Kultstätte (200 v.C.) war verschüttet und zugewachsen und wurde erst 1965 von französischen Archäologen wieder entdeckt. Es handelt sich um eine lächelnde Frau, die in ihrer Formgebung einmalig ist. Unterwegs halten wir immer wieder, um die weitläufigen Blicke über die wilde Insel zu genießen oder wir sammeln Taschen voll Mangos.

Wir fahren zu acht über Oa Hiva

Wir fahren zu acht über Oa Hiva

Der lachende Tiki

Der lachende Tiki

Die Nordküste von Oa Hiva

Die Nordküste von Oa Hiva

Die bedeutendste polynesische Kultstätte Iipona

Die bedeutendste polynesische Kultstätte Iipona

Tiki der gebärenden Frau

Tiki der gebärenden Frau

Hobbyarchäologen

Hobbyarchäologen

Bruce probiert den alten Kultplatz aus, wo früher tätowiert wurde

Bruce probiert den alten Kultplatz aus, wo früher tätowiert wurde

Am Tag zuvor hatte er sich dieses Tattoo mit alten marquesischen Motiven machen  lassen

Am Tag zuvor hatte es sich dieses Tattoo mit alten marquesischen Motiven machen lassen

In einer Lichtung im Regenwald bei Puamau am anderen Ende der Insel Hiva Oa wurde auf einer Terrasse die bedeutendste polynesische Kultstätte Iipona entdeckt und restauriert. Die  fünf Tiki waren von damaligen Mönchen umgestoßen worden. Alleine die Namen sprechen von alten Sagen: Takaii war ein Kriegerhäuptling und ist mit 2,67 m der größte Tiki überhaupt. Daneben Fau Poe, seine sitzende Frau, kennzeichnet sie als auf dem Feld arbeitend. Te Tovae E Noho hat sechs Finger an jeder Hand, leider fehlt der Kopf. Maki Taua Pepe symbolisiert eine auf dem Bauch liegende Frau, die gerade ein Kind gebärt.  Mamuiotaa wurde geköpft, aber den Kopf haben Archäologen leider mitgenommen.

Ein kurzer Törn bringt uns in die gut geschützte Hanamoenoa Bucht auf der Nordwestseite von Tahuata, einer kleinen Insel südlich von Hiva Oa, wo wir einen schönen Blick auf den weißen Strand unter Palmen haben und eine schöne Zeit ohne Schwell genießen. Wir schnorcheln und freuen uns an den vielen bunten Fischen an den Felsküsten.

Hanamoenoa Bucht auf der Nordwestseite von Tahuata

Hanamoenoa Bucht auf der Nordwestseite von Tahuata

Wir schwimmen zusammen mit riesigen Mantas,  die bis zu vier Meter Spannweite haben. Ich konnte mich nicht satt sehen an den herrlichen und traumhaften Bewegungen. Sie wirken wie aus einer anderen Welt und erinnern eher an Vögel, die mit ihren riesigen Flügeln gleiten durch die Bucht. Die Mantas kommen in die Bucht, um kleine Quallen zu fressen. Dann entdecken wir eine Familie Rochen. Eine Mutter mit zwei Jungen schwebt direkt über dem Meeresgrund. Eines der Kleinen schwimmt synchron mit der Mutter 10 Zentimeter über deren Rücken. Zuletzt finden wir noch einen gepunkteten einzelnen Rochen. Bruce meint, es sei ein Adlerrochen. Leider kann ich dem Leser keine Bilder zeigen, denn ich hatte keine Kamera dabei. Hatte ich sie dabei, dann gab es nach dem Prinzip der größten Gemeinheit keine Mantas oder Rochen.

 

Wir segeln über Nacht nach Nuku Hiva

Wir segeln über Nacht nach Nuku Hiva

Die Bucht Taiohae

Die Bucht Taiohae

Nach drei Tagen segeln wir über Nacht nach Nuku Hiva, die Hauptinsel der Marquesas. In Taiohae angekommen, ankern wir in einem Krater. Die Bucht wird fast rundherum von einer Bergkette umgeben. In der Hauptstadt mit  immerhin 1.700 Einwohnern haben wir wieder immerhin Internetzugang und können einkaufen. Annette und ich sitzen an Land in der Mittagshitze in einem kleinen Restaurant und laden neben dem Essen unsere Emails herunter, freuen uns über all die Nachrichten und beantworten sie gleich später an Bord.

Mit anderen Seglern unternehmen wir eine Wanderung in die Berge. Wir suchen das Piki Vehine Pae Pae, einen alten Kultplatz, der 1989 für ein Festival renoviert worden war. Ein Marquese, alle sind extrem nett und hilfsbereit,  zeigt ihn uns mitten im Wald. Ein großes Gelände mit Hütten und einigen Tiki ist umgeben von riesigen Bäumen mit gewaltigen Luftwurzeln. Wir betrachten alles mit Ehrfurcht und wollen mehr darüber wissen.

Kultstätte Piki Vehine Pae Pae

Kultstätte Piki Vehine Pae Pae

Marquesas 181

Die Luftwurzeln eines riesigen Baumens

Die Luftwurzeln eines riesigen Baumens

Marquesas 184

Ein anderes Ereignis rückt näher. Ein Jubiläum ist zu feiern. Wir laden unsere Segelfreunde dazu ein und verabreden uns in Taioa (auch Hakatea oder Daniel´s Bucht genannt), um den ersten Jahrestag unserer Abfahrt von Stralsund am 20.06.13 zu feiern. Wir sind etwas betrübt, da uns die Nachricht erreichte, dass Monique und Pieter nach einem Meeresfrüchte-Essen erkrankt sind. Sie hatten mit sieben anderen Seglern Meerestiere (shellfish) gegessen. Kurz danach zeigten sich bei allen starke Symptome, wie sie bei der Krankheit Ciguetera auftreten. Es handelt sich dabei um Vergiftungen, die über Fische weiter gegeben werden. Kleine Fische fressen giftige Korallen, nehmen dabei deren Gifte auf, größere Fische fressen die Kleinen, bis der unglückliche Mensch am Ende diesen fischt und dann erkrankt. Folgen sind starke Übelkeit und Erbrechen, Lähmungserscheinungen und Muskelschmerzen, Taubheitsgefühle in Mund und Lippen sowie starke Nadelstiche über die ganze Haut verteilt, sowie überstarkes Temperarturempfinden. Alle wissen darum, deshalb essen wir nur Fische, die im offenen Meer geangelt wurden und nicht aus den Buchten. Pieter und Monique waren überzeugt, dass die Schalentiere nicht betroffen sind. Dem war wohl nicht so. Umso froher sind wir, als sie doch noch mit ihrem Boot Déesse in der Bucht eintreffen. Es gibt viel zu erzählen, die Italiener sind noch im Krankenhaus, aber die beiden wollten lieber auf ihrem Boot bleiben und zu uns kommen. Annette und ich hatten frischen Salat, Hühnchen in Erdnusssoße und Gemüse mit Ingwer und Reis vorbereitet. Den Höhepunkt aber bildet der Passionsfruchtkuchen, den Bruce uns zum ersten Geburtstag auf See gebacken hat.

Wir denken über unsere Auszeit nach. Wir führen ein Vagabundenleben auf Zeit in fernen Ländern an den entlegensten und wunderbarsten Plätzen. Nun bin ich seit einem Jahr unterwegs, Annette weniger, denn ihr Sabbatjahr hatte erst im Februar angefangen. Ein Jahr auf der Anke-Sophie. Sie war in diesem Jahr an genau 200 Tagen unterwegs und ist dabei 13.500 Seemeilen gesegelt.

Es hatte lange gebraucht, bis ich auf unserer Reise wirklich angekommen war. Ich genieße es nun -und das ist mir in der Vergangenheit fast nie gelungen -, einfach die Zeit verstreichen zu lassen. In einer schönen Bucht zu liegen, nicht viel mehr zu machen, als ein wenig zu schnorcheln, mit anderen Seglern zu quatschen, vielleicht ein gemeinsames Abendessen zuzubereiten, zu lesen, zu wandern, zu faulenzen, nichts tun. Mal eine Stunde auf der Bank auf der „Terrasse“ sitzen und Löcher in die Luft gucken. Ohne den inneren Druck, weiter zu müssen. Sich einfach treiben zu lassen.
Natürlich bewegen uns diese Gedanken an diesem Jubiläum. Eine anderer ist folgender: Die erste Ozeanüberquerung gibt es nur einmal. Die Spannung, die sich in jedem Segler davor aufbaut, ist beim zweiten Mal nicht mehr die gleiche.  Es gibt eben nur einmal das erste Mal. Dann kommt beinahe Normalität auf. Keine Heldentaten; das Segeln wird nahezu alltäglich und die Passagen werden fast zur Gewohnheit. Es sind so viele Passagen und Klippen, vor denen man am Beginn gehörige Ehrfurcht hat und wenn sie genommen sind, dann sind es Erlebnisse. Unsere Reise ergibt nach und nach ein Bild, das aus vielen Facetten zusammengesetzt ist, die Annette und ich in uns tragen. Viele davon teilen wir mit anderen Mitseglern und darüber sind wir sehr froh.

Geburtstagsfest - seit einem Jahr unterwegs

Geburtstagsfest – seit einem Jahr unterwegs

Am nächsten Tag folgen wir mit dem Dinghi einem kleinen Bach ins Landesinnere zum Dorf  Hakaui. Von dort unternehmen wir eine fantastische Wanderung in eine Schlucht, um den dritthöchsten Wasserfall der Erde zu finden. Der Weg schlängelt sich durch Steinmännchen gekennzeichnet durch eine Märchenlandschaft, wir durchqueren das Bachbett mehrfach, treffen auf ein vor langer Zeit aufgegebenes Dorf, von dem nur noch Ruinen zu sehen sind. Wir sind fasziniert, wie der Wald die Ruinen überwuchert hat. Dann erreichen wir das Ende des Tales.  Auf dem Rückweg bunkern wir 100 Liter Wasser in unseren Kanistern und helfen einem Marquesen, mit unseren Dinghies Früchte in die benachbarte Bucht zu bringen. Wir werden dafür reichlich belohnt und nun sind die Netze der Anke-Sophie mit tropischen Früchten gefüllt.

Taioa (auch Hakatea oder Daniel's Bucht genannt)

Taioa (auch Hakatea oder Daniel’s Bucht genannt)

Nuku Hiva 042 Nuku Hiva 058Marquesas kl 048

Der dritthöchste Wasserfall der Welt

Der dritthöchste Wasserfall der Welt

Zurück in Taiohae wollen wir am Abend ein polynesisches Fest besuchen und dann zur Nachbarinsel Ua Pou segeln, von wo wir die Marquesas verlassen und das Tuamotu Archipel ansteuern wollen.

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