Egersund – Kloster

Bis Werner und Christian in Egersund ankommen, klarieren Till und ich das Schiff und wandern über die vorgelagerte Insel Eigerøy, um dem Leuchtturm einen Besuch abzustatten. Wir können uns an der norwegischen Landschaft nicht sattsehen. Für eine Nacht sind wir zu viert und da wir in Norwegen keine speziell norwegische Küche finden essen wir beim Inder.

Ab Sonntag weht uns ein kräftiger Wind entgegen. Aus drei Tiefdruckgebieten westlich von Irland entwickelt sich ein kräftiges Tief, das nur langsam Richtung Niederlande wandern wird. Zusammen mit dem Hoch über Südnorwegen stellen sich entlang der Südküste Norwegens Winde aus Ost bis Südost mit 20 bis 45 kn in Böen. Das sind bis 9 Bft und gegenan. Wir werden also unser Ziel für diese Etappe bis Skagen nicht erreichen. Für Sonntag sind Winde aus SE bis 21 kn angesagt und wir wollen versuchen, ein gutes Stück zu schaffen, denn wir wissen, bald wird es nicht mehr möglich sein. Sobald wir den Egersund verlassen haben, weht uns ein kräftiger Wind entgegen und eine starke See steht ebenfalls aus südlichen Richtungen entgegen. Nach sieben Stunden Stampfen haben wir keine Lust mehr, vor allem, da der Wind auf 26 kn zugenommen hat. Wir laufen den kleinen Hafen Kirkehamn an, wo wir am Pier vor einem Restaurant festmachen können. Die Prognose sagt für Montag stärkeren Wind voraus und für Dienstag etwas weniger, also entschließen wir uns, einen Tag in dieser herrlichen Fjordlandschaft zu verbringen. Wir wandern auf den Hausberg und besichtigen Kunst in Form von Berghütten und kommen an alten Befestigungsanlagen aus dem zweiten Weltkrieg vorbei. Die gesamte Insel war von den Deutschen befestigt worden.

Am Abend segeln bzw. motoren wir durch den geschützten Fjord bis Flekkefjord, eine nette Stadt am Ende des Fjords, und freuen uns, so geschützt zu liegen. Wir gönnen uns eine Fischsuppe im Restaurant.

Leider stimmte die Prognose nicht ganz, denn tatsächlich ist am Dienstag stärkerer Wind als am Montag, wir stehen deshalb um 6 Uhr auf und frühstücken unterwegs im Fjord, solange keine Welle steht. Wir kommen flott voran, bis wir um das Kap bei Lista kommen. Zunächst kreuzen wir noch unter angenehmer Welle und gemäßigtem Wind die Küste entlang, aber leider nimmt er ab 10 Uhr so stark zu, dass wir uns entscheiden umzudrehen. Bei Böen von 32 kn von vorne hört der Spaß auf. Wir erreichen das gesteckte Ziel Farsund nicht und laufen 4 sm ab nach Lista bzw. Borshavn, wo wir geschützt die nächsten Tage verbringen werden.

Ab jetzt unternehmen wir Landausflüge, denn der Wind nimmt jeden Tag zu, sodass an ein Auslaufen nicht zu denken ist. Mittwoch wandern wir zum Lista fyr und besichtigen das Gebiet um den Leuchtturm und freuen uns an den dort gezeigten Kunstinstallationen. Und es gibt wie immer etwas zum Lernen. Wir erfahren, dass nördlich von Lista ein amphidromischer Punkt liegt. Also, ich kannte den Begriff bisher nicht. Es handelt sich um einen Nullpunkt für den Gezeitenstrom, bei dem sich hier die Gezeitenwellen aus dem Ärmelkanal und aus Nordschottland treffen und ausgleichen. Mir war in den letzten Tagen schon aufgefallen, dass die Gezeiten immer schwächer werden und der Unterschied zwischen Ebbe und Flut nur noch einige Zentimeter beträgt. Nun also die Erklärung. Wir wandern weiter in das Vogelschutzgebiet Steinodden. Wir finden viele Steine, aber kaum Vögel, die Zeit des Brütens ist nun längst vorbei.

Am nächsten Morgen nehmen wir den Bus nach Vanse, um von dort an die Küste zu wandern und  durch die Vogelschutzgebiete zu streifen. Wir bekommen ein Strandgefühl, die Düfte von Sand, Tang und Salzwasser mischen sich mit denen von Gräsern und Nadelbäumen. Wir finden Meer-Mannstreu, auch Stranddistel genannt (Eryngium maritimum) und lernen, dass sie sehr selten in Norwegen ist und 90% davon genau hier zu finden sind. Dazu weht ein sehr starker Wind mit über 8 Bft aus Ost, dem wir uns teilweise regelrecht entgegenwerfen müssen. Wir wandern bis Farsund und sind nach den 13 km wandern durch Sand und gegen den Wind so müde, als ob wir 20 km gewandert wären. Wir erfrischen uns mit Kaffee und Kuchen, kaufen einen neuen Wasserkocher und fahren mit dem Bus zurück, um in unserer gemütlichen Runde ein Abendessen zu kochen und den importierten Rotwein zu trinken.

Nachdem wir vier Tage wegen des Starkwindes aus Ost nicht haben auslaufen können, ist für Werner leider die Zeit vorbei und wir verabschieden ihn am Samstag um 7 Uhr am Bus und legen direkt danach ab mit Ziel Hirtshals an der Nordostküste von Dänemark. Den ursprünglichen Plan, der norwegischen Küste zu folgen und von dort den Skagerrak nach Skagen zu queren, geben wir auf, denn wir hätten weiter gegen den Nordost kreuzen müssen, wozu wir nun wirklich langsam keine Lust mehr haben und die Zeit läuft uns weg. Wir hatten dieses Wetterfenster lange kommen sehen, in dem der Wind einen Tag aus östlichen Richtungen wehen soll, anfangs aus ENE auf NE drehend und die Stärke wurde mit 20 kn prognostiziert, was machbar erscheint. Falls wir Hirtshals nicht anliegen können, wollen wir nach Hanstholm an der Nordwestecke Dänemarks ablaufen.

Anfänglich läuft es besser als gedacht, wir haben eine ruhige Fahrt leewärts der Küste und können sogar unseren Kurs anliegen. Später, auf offener See sind wir für einige Zeit enttäuscht, denn eine Kreuzsee macht uns zu schaffen und wir kämpfen mit einem Gegenstrom von 3 kn, was die Überfahrt viel länger zu machen droht. Aber das gibt sich nach einer Weile, dafür frischt der Wind auf 23 kn in Böen auf, 6 Bft. und das hoch am Wind, kein wirklicher Lustgewinn. Aber es gab keine andere Chance, die nächsten Tage versprechen keinen geeigneten Wind für die Überfahrt. Insgesamt haben wir Glück, denn der Wind wird gegen Ende wie angesagt zwar leichter, flaut aber kurz vor der Hafeneinfahrt ab. Wir sind nach der 23-stündigen Überfahrt hoch am Wind erschöpft, aber froh in Dänemark angekommen zu sein.

Am Sonntag ruhen wir uns aus, klarieren das Boot, dann kommt Birgit von Göteborg mit Fähre und Zug zu uns. Wir kaufen gemeinsam ein und haben einen gemütlichen ersten Abend. Am nächsten Morgen nutzen wir den südlichen Wind, um in Lee der Küste bei gemäßigten Winden bis an die Nordspitze Dänemarks zu segeln. 2019 war ich hier mit Freunden und wir standen auf der Sandbank mit einem Bein in der Nord- und dem anderen in der Ostsee. Wir sind erstaunt, wie leer der Yachthafen von Skagen ist. Das letzte Mal hatten wir mit Mühe einen Platz mit Buganker und Heckleine bekommen, dieses Mal können wir uns einen Platz an einem Pier frei auswählen, da nur sehr wenige Yachten hier liegen, die Saison scheint vorbei zu sein. Wie wandern von Skagen bis zum Leuchtturm am Strand entlang und die Bunker regen zum Nachdenklichwerden an. Wir legen einen zusätzlichen Tag ein, da der Wind zwar aus der richtigen Richtung kommt, aber wir wollen nicht bei 8 Bft. den Hafen verlassen, wir nehmen uns die Zeit für einen weiteren Landgang zur Nordseeseite. Leider müssen wir zwei Mal ein Industriegebiet queren und finden keinen guten Weg durch die Dünenlandschaft.

Am Mittwoch ist immer noch viel Wind angesagt, sodass wir uns entschließen früh aufzustehen, um die stärksten Böen am Nachmittag zu vermeiden. Wir legen um 07:15 ab und segeln die 30 sm bis Østerby auf Læsø bis 12:15 und schaffen die enge auflandige Hafeneinfahrt noch vor dem Starkwind. Wir haben noch Zeit für eine schöne Wanderung durch die Dünen- und Heidelandschaft an der Nordostküste. Wir sind wieder nur mit wenigen Seglern im Hafen und im Restaurant sind wir fast alleine zwischen all den leeren Stühlen.

Am nächsten Tag wollten wir eigentlich nach Anholt segeln. Der Hafen ist nach Westen geöffnet und nur 3,7 m tief. Nachts habe ich gegrübelt und beim Pfeifen in der Takelage reiften die Argumente dafür, dass dies keine gute Idee ist bei Windböen bis 32 kn aus West. Also habe ich um 4:30 Uhr den für 5 Uhr gestellten Wecker ausgeschaltet und ausgeschlafen. Beim Frühstück entscheiden wir uns für Falkenburg an der schwedischen Küste und schaukeln mit über 8 kn bis 16:15 vor dem Wind durch eine schon mächtige See die 58 sm hoch und runter… Die Einfahrt in den Industriehafen ist unter Genua gut segelbar und wir finden einen gemütlichen Platz im Yachthafen, leider mit Wind von achtern, sodass die Wellen gegen die achterlichen Kojen klatschen.

Der frische Westwind weht weiter und nun aus NW und wir laufen zügig gegen Süden auf unser Tagesziel Helsingør zu. Wie viel Energie im Wettergeschehen steckt, sehen wir an einem kräftigen Schauer und an einer Windhose. Es ist schon die zweite, denn auch am Tag zuvor hatten wir eine am Horizont beobachtet. Wir spazieren um das schöne Schloss, ich denke dabei an unseren letzten Besuch 2020, und wir finden das nette englische Restaurant Jellyfish Elsinore und speisen Fisch, wirklich zu empfehlen.

Der Wind lässt nach und weht gemäßigt aus Nord und wir segeln den Sund mit ausgebaumter Genua flott nach Süden, teilweise von einer Strömung mit 1 bis 2,5 kn unterstützt an der kleinen Insel Ven vorbei und dann unter der Öresundbrücke durch. Eigentlich wollten wir nur bis Skanør segeln, aber da es unter ausgebaumter Genua und Groß so gut läuft, entscheiden wir uns, bis Klintholm auf Møn weiter zu segeln. Wir sind nun wieder in heimischen Gewässern, denn dies ist ein Ziel, das wir uns schon oft an verlängerten Wochenenden gesteckt haben. Ein langer Segeltag geht mit 74 sm nach 11,5 Stunden zu Ende.

Am Sonntag segeln wir nach Hiddensee. Wir brechen früh auf, da für den Tagesverlauf abflauende Winde angesagt sind. Eine große schwarze Wolke hindert uns nicht am Auslaufen. Wieder haben wir Vorwindkurs. Wir werden mehrmals kräftig geduscht und sind froh, um 14 Uhr in Kloster den Heizlüfter zu starten und warmen Tee zu trinken. Die letzte Etappe wollen wir in Kloster, unserem Lieblingsort, verbringen und wie gewohnt zum Leuchtturm wandern, bevor es am Montag nach Stralsund geht und dieser – in Etappen – zweijährige Törn zu Ende geht.

Hier die Skizze für die letzten zwei Wochen:

Hier noch zusammenfassend die wichtigsten Daten:

Wir haben zehn Länder bereist: Deutschland, Niederlande, Belgien, Frankreich, Jersey, Irland, Schottland, Norwegen, Dänemark und Schweden.

23 Crewmitglieder haben mich in den zwei Jahren begleitet, davon 8 zwei Mal.

Fahrt 2022:                     2.670 Seemeilen ü. Grund, 113 Tage, 78 Häfen / Buchten

Fahrt 2021 + 2022:          4.761 Seemeilen ü. Grund, 183 Tage, 126 Häfen / Buchten

Der Routenverlauf für die Gesamtstrecke:

Etappen für das Jahr 2022:

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