Bergen – Egersund

Wir entscheiden uns, schon am Samstag abzulegen, da für die nächsten zwei Tage ein kräftiger Nordwind wehen wird und uns helfen wird, eine möglichst große Strecke nach Süden zu segeln, bevor uns eine Schwachwindperiode erreicht. Olaf muss dieses Jahr leider schon nach einer Woche von Bord gehen, aber Till bleibt und Fernando kommt aus Berlin dazu. Morgens schlendern wir noch einmal durch Bergen, damit auch Fernando die schöne Stadt bewundern kann.

Dann segeln wir mit ausgebaumter Genua und Groß zwischen den Inseln im geschützten Fahrwasser ohne Wellen nach Süden und steuern am Abend nach 39 sm den kleinen Naturhafen Kaihandel auf Huglo an. Trotz starkem Seitenwind liegen wir hier gut geschützt als einzige Yacht.

Am nächsten Morgen geht es weiter, zunächst bei schwachem Wind mit etwas Motorunterstützung, aber bald setzt sich ein leichter Wind aus Norden durch und wir können den Spi setzen. Später wechseln wir auf die Genua und als wir auf die offene See kommen, nimmt der Wind kräftig zu und wir reffen das Groß. Spannend wird es, als wir dann wieder in das enge Fahrwasser zwischen den Inseln abbiegen und wegen Kursänderungen einige Halsen bei NNW 7 Bft. angesagt sind. Am Nachmittag wollten wir den Leuchtturm Geitungen fyr ansteuern, um dort zu übernachten. Aber heftige Böen lassen uns den Plan ändern und wir übernachten nach 50 sm im nahen Skudeneshavn am südlichen Ende von Karmøy. Wir finden einen guten Liegeplatz inmitten des renovierten ehemaligen Fischerdorfes mit alten Speicherhäusern.

Am nächsten Tag fahren wir unter Maschine zum nahen Inselarchipel Kritsøy und schlängeln uns durch extrem enge Fahrwasser, die aber wie üblich in Norwegen sehr gut durch Stangen markiert sind. In Ystabøhamn machen wir wieder zwischen sehr schön renovierten Speicherhäusern fest und unternehmen eine kleine Wanderung durch die wunderschöne Schärenlandschaft. Wir genießen die „freie“ Zeit bei bestem Wetter. Wir haben nun schon den vierten Tag mit Sonne, das gab es in Norwegen für uns noch nie.

Wir segeln 12 sm bis Stavanger und machen im Gästehafen Børevigå um 14 Uhr fest und haben genug Zeit, durch die Altstadt zu streifen, Cappuccino zu trinken und abends pakistanisch essen zu gehen. Stavanger ist die Stadt des Erdöls und wir kommen gerade zur Energiemesse, die Stadt ist voller Anzug tragender Manager. Mich erinnert es an die Immobilienmesse in Cannes, an der ich in meiner Zeit bei Arup nur ungern teilgenommen habe. Die Aussteller nutzen die Motoryachten im Stadthafen als Messestand. Bei mir erzeugt das äußerste Abneigung.

Am nächsten Morgen fahren wir mit dem Bus zum nahen Lysefjord und wandern auf den Preikestolen (Predigerstuhl). Die Wanderung führt über 4 km und 400 Höhenmeter auf eine Felsplattform auf Klippen, die 600 m senkrecht zum Fjord abfallen, ein fantastisches Fotomotiv, dass natürlich nicht nur wir suchen, sondern Hunderte andere Touristen ebenfalls, so wird die Wanderung eher zu einer Pilgerung. Da der Weg landschaftlich wunderschön ist, verdrängen wir das…


Um 17 Uhr sind wir zurück beim Schiff und legen gleich ab, denn wir wollen die leichte Abendbrise nutzen, um noch 14 sm nach Süden zu segeln, damit die Strecke am Donnerstag nicht zu lang wird. Um 21 Uhr machen wir dann tatsächlich in der kleinen Marina von Tananger fest und ich brate uns Lachs zu dem bereits auf See vorbereiteten Gemüse und Reis. Ein intensiver erlebnisreicher Tag geht zu Ende.

Der nächste Tag soll uns einen günstigen NW-Wind bescheren, wir wollen den Tag nutzen, um so weit wie möglich nach SE zu kommen. Nach dem Ablegen weht der Wind aus SE, wir müssen die ersten Meilen kreuzen, dann schläft er ein und die Maschine muss uns ein Stück schieben, bis sich dann tatsächlich eine Brise aus NE aufbaut und wir Groß und Spi setzen. Wir gleiten die Küste entlang, sehen weite Sandstrände und freuen uns, dass der Wind auffrischt und wir gut vorankommen. Wir entschließen uns bis Egersund, dem Etappenziel, zu segeln. Fernando will Freitag von Bord, Samstag kommt die neue Crew und Till wird uns am Sonntag verlassen. Wieder stehen Abschiede und Begrüßungen an. Dazwischen klarieren wir das Schiff und proviantieren uns neu. Aber wir haben auch Zeit für Wanderungen. Als Ziel suchen wir uns den Leuchtturm auf der nahen Insel Eigerøy,wo sich uns eine märchenhafte Landschaft eröffnet.

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Eine Antwort zu “Bergen – Egersund

  1. Ihr lieben Weltumsegler, egal ob Wind viel oder wenig oder gar nicht, diese Bilder sind einfach umwerfend. Wirklich beneidenswert! Und dass ihr bei diesem Törn tatsächlich auch noch die Möglichkeit hattet, auf Pilgertour zu gehen, das ist ja wie ein Geschenk: da übt ihr schon mal für eine Pilgerfahrt, falls Anke Sophie keine Lust hat mit euch durch die Welt zu segeln: ihr seid nicht müde, immer was Neues auszuprobieren, sei es noch so merkwürdig. Gratulation Ihr Lieben, eure Läster- Hilli

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