Svællingan – Brekstad

Annette und ich finden nach einer wunderschönen Fahrt zwischen den Hunderten von Inseln einen verwunschenen Naturhafen bei der Insel Store Svællingan mit einem kleinen Bootsanleger, an dem ein norwegisches Paar mit ihrem Motorboot festgemacht hat, um auf der unbewohnten Insel eine Woche Urlaub zu machen. Wir verbringen eine Nacht im Nirgendwo. Es ist sehr eng und flach, da wir bei Ebbe einlaufen, aber wir liegen hier sehr sicher. Die Norweger erzählen uns, dass der Platz früher von den Fischern als Nothafen bei Sturm genutzt wurde. Die Insel ist vom Anleger nur bei Ebbe erreichbar, da die Felsen während der Flut unter Wasser stehen. Wir verbringen einen gemütlichen Abend mit der Dieselheizung.

Nach einem weiteren schönen Segeltag bei leichten raumen Winden unter ausgebaumter Genua erreichen wir den angenehmen Hafen Lødingen auf der Insel Hinnøya und wir gönnen uns einen Pausentag, um den Proviant aufzufrischen und die Wäsche zu waschen. Die Sanitärräume sind super ausgestattet. Wir wandern 8 km über Stock und Stein auf den Bufjellet (469 m), um die entwöhnten Seglerbeine zu nutzen.

Am Samstagmorgen stehen wir früh auf, denn wir wollen nach Liland, einem Hafen in der Nähe des Flughafens bei Evenes, um am Sonntag Göran zu empfangen. Wir sind gewarnt, die Wetterdaten versprechen nur sehr schwache Winde genau entgegen. Anfangs sind wir enttäuscht, denn wir haben totale Flaute und wie wollen nicht die 22 Seemeilen motoren und suchen nach Alternativen, aber dann kommt doch eine leichte Brise und wir kreuzen bei Idealbedingungen in den Ofotfjord und die Winddrehungen helfen uns bei einigen Schlägen, bis in der letzten Stunde dann doch der Wind einschläft. Links und rechts zieht die Bergwelt der Ofoten an uns vorbei, ein Voralpenidyll an der See. Wir sind die einzigen Segler im Fjord. Im kleinen Hafen von Liland haben wir unseren nördlichsten Punkt der Reise erreicht: 68°28,6’N 16°53,3’E und feiern das Bergfest. Wir verbringen hier einen Pausentag und wandern auf den Lilandsveten 351 m und begrüßen am Abend Göran, der uns zwei Wochen begleiten wird; wir haben uns viel zu erzählen.

Wir starten bei Sonnenschein und nutzen den Rückenwind mit Spi und Groß, um den Ofotfjord nach Südwesten hinauszufahren. Wir wollen möglichst viel Strecke machen, denn die Wetterprognosen zeigen ab Donnerstag stärkere Winde genau gegenan und wir wollen Eva-Maria und Harald auf der Höhe von Nesna treffen. Wir folgen der zerklüfteten erhabenen Festlandsküste mit ihren vielen Fjordeinschnitten und wissen, dass am Nachmittag der Wind auf SW drehen wird und haben uns zuvor schon alternative Häfen überlegt. Wir wollten bis Nordskot kommen, aber dann zieht die Front über uns hinweg und plötzlich weht es mit 32 kn von vorne und wir entscheiden uns für Skutvik zum Abwettern, es fängt auch an zu regnen. Unter Deck sind wir bei gutem Abendessen froh, nicht draußen sein zu müssen.

Am nächsten Tag ist es umgekehrt, wir starten bei Nieselregen und freuen uns über die Sonne, die sich am Nachmittag durchsetzt. Unter Spi gleiten wir an den pittoresken Bergmassiven vorbei, der Wind wird schwächer, aber wir segeln einfach weiter, während Annette unter Deck einen Lauchkartoffeltopf nach Siebeck zaubert. Wir machen gegen 22:30 Uhr in Bodø fest, denn wir wollen duschen und Proviant bunkern. Bodø ist eine moderne Kleinstadt, von der wir leider nur wenig sehen, denn es geht gleich weiter nach Süden.

Nach anfänglichem schönem Segeln mit SE 3 Bft schläft der Wind ein und wir müssen leider das Eisensegel für 4 Stunden nutzen, um bis Støtt zu kommen. Göran, Annette und ich verlieben uns sofort in den alten Hafen mit seinen historischen Häusern und entdecken ein feines Restaurant in einem alten Kontorgebäude, dessen ehemalige Einrichtung erhalten geblieben ist. Wir speisen sehr gut.

Es fällt schwer, am nächsten Morgen bei 13° und Schauerregen früh morgens ins Ölzeug zu steigen, um bei über 20 Knoten Wind in die Richtung zu segeln, aus der der Wind pfeift. Anfangs bei 5-6 Bft binden wir das zweite Reff ins Groß und setzen die Fock, später können wir ausreffen, das Wetter wird freundlicher, auch wenn die Berge in Wolken gehüllt bleiben. Die gesamte Strecke bis Nesna schaffen wir nicht, denn wir müssen in den Sunden zwischen den vielen Inseln kreuzen und sind am Abend froh, in Tonnes einen gemütlichen Hafen zu finden, in dem wir erst einmal Schutz finden, denn morgen soll es mit 31 kn aus Süd blasen, genau von dort, wohin wir eigentlich wollen. Kurz vor Tonnes queren wir zum zweiten Mal den Polarkreis und sehen auf der vorgelagerten Insel Vikinggrunnen das Arctic Circle Monument. Wir haben es in den letzten Tagen schon bemerkt, je südlicher wir kommen, desto früher wird es dunkel, die Zeiten, in denen es überhaupt nicht Nacht wurde, sind vorbei…

Wir begrüßen Eva-Maria und Harald an Bord, sie begleiten uns die nächste Woche, wir sind also nun zu fünft an Bord. Die nächsten Tage weht der Wind oft aus SW, also gegenan, und für Mittwoch ist Sturm angesagt, weshalb wir mindestens einen Pausentag einlegen müssen, also planen wir unsere Etappen entsprechend meinem Motto, dass wir dann segeln, wenn es möglich ist. Wir lassen morgens die stärksten Böen noch durchziehen, bevor wir um 11 Uhr ablegen, leider treffen wir genau einen starken Schauer, also ein kerniger Beginn der Etappe. Wir können dann bald unseren Kurs anliegen und kommen gut vorwärts und steuern am Abend nach 48 sm Tjøtta an.

Am nächsten Tag legen wir früh um 8 Uhr ab, um den Tag zu nutzen, denn wir wissen, dass der Wind am Abend abflauen wird. Wir haben das Glück, dass wir die meiste Stecke anliegen können, wir kommen sehr gut voran und haben um 21:15 sogar 68 sm auf der Uhr, als wir in Rørvik festmachen. Diesen Hafen kennen wir ja bereits, ein tolles Abendessen, morgens bunkern wir erneut Proviant und legen um 9:45 Uhr wieder ab.

Der Wind weht nun wieder genau gegen uns und wir müssen den ganzen Tag kreuzen, so dass wir am Abend in Småværet zwar 47 sm durchs Wasser gesegelt sind, aber über Grund nur 32 sm bei leichten Winden vorangekommen sind. Wir haben wieder einen wunderbaren kleinen Ort zum Übernachten gefunden und genießen einen gemütlichen Abend.

Da am Mittwoch ein Sturm vorhergesagt wird, wollen wir unbedingt weiter, also legen wir um 9 Uhr trotz Schauerböen ab, um bei Wind aus SW mit 5 Bft. gegenan zu kreuzen. Zunächst wollten wir außerhalb der Inseln auf offener See längere Schläge segeln, stellten dann aber nach der ersten Wende fest, dass wir in der Welle einen ganz schlechten Winkel zum Wind fahren und entscheiden uns dann lieber, im Schutz der Inseln weiter nach Südwesten zu segeln, dies bedeutet aber viele Wenden unter Fock und erstem Reff im Groß. Wir steuern den Naturhafen Kuringvågen in Stoksund an, wo wir gut geschützt die vorhergesagten 50 kn, immerhin 10 Bft., abwettern wollen. Das kräftige Tief hat sein Zentrum östlich von Jan Mayen und wirkt bis nach Norwegen und bewegt sich nach Norden. Auch am Donnerstagmorgen pfeift der Wind kräftig in der Takelage, wir studieren viele Wetterberichte, um den richtigen Zeitpunkt zum Ablegen zu finden. Um 12 Uhr sind immer noch 32 kn Wind in Böen vorhergesagt. Wir legen um 12:30 ab, um die Situation auf See zu testen, leider sagen die Prognosen den Wind genau aus Südwest voraus, wieder genau von dort, wohin wir wollen. Wir haben viel Glück, dass der Wind deutlich schwächer und sogar aus West weht, sodass wir fast die gesamte Strecke den Kurs anliegen können.

Wir erreichen Brekstad, die letzte Etappe dieser Woche, um 20:30 Uhr und schaffen es gerade noch, unseren bestellten Tisch im Restaurant zu erreichen. Annette, Harald und Eva-Maria verlassen nun die Anke-Sophie und mich, Göran bleibt noch eine Nacht und dann will ich die neue Crew in Trondheim treffen.

Hier der erste Teil der Route von Svællingan bis Tonnes:

Und der zweite Teil von Tonnes bis Brekstad bei Trondheim

Eine Antwort zu “Svællingan – Brekstad

  1. Ist ja wirklich spannend! Danke für die interessante Beschreibung der letzten Zeit. Ich bin fast ein bisschen “mitgesegelt”, vor allem auch weil Eva-Maria und Harald mal wieder dabei waren.
    Liebe Grüße und gutes Weitersegeln!

    Gudrun

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s