Trondheim – Brønnøysund

Ich liege in Trondheim in der Koje und kuriere meine Covid-Erkrankung aus. Ich bin sehr schlapp und der Weg zu Toiletten und Duschen ist eine Strapaze, wobei es maximal 100 m sind. Es regnet dauernd, Weltuntergangstimmung, und dann die Frage, soll Annette wirklich kommen? Die Aussicht auf Schlafen in getrennten Kabinen und Tragen von Masken im Salon bei Dauerregen ist alles andere als erbauend, aber ich freue mich auf Annette, als sie sagt, sie kommt dennoch. Wir machen es uns trotzdem gemütlich, Annette besichtigt Trondheim bei Dauerregen, einziger Höhepunkt ist ein Konzert in der  Nidaros-Domkirche: Die Bauarbeiten wurden 1070 begonnen. In der größten Kirche Skandinaviens werden die norwegischen Könige gekrönt und neun sind hier begraben.

Nach fünf Tagen hält uns am Sonntag nichts mehr in Trondheim, ich kenne immer noch nur den Weg zur Dusche.

Obwohl immer noch schlapp, gelingt uns der erste Segeltag sehr gut, wir können den Trondheimfjord in ganzen zwei Schlägen herauskreuzen, da die jeweiligen Winddrehungen uns sehr helfen. Den Abend verbringen wir in Hasselvika, einem kleinen Hafen am Fjordausgang.

Der nächste Tag beginnt mit Sonnenschein, welch ein Ereignis, dann aber auch wieder Nieselregen, bis sich das Hochdruckgebiet durchsetzt und wir in den Sommer segeln. Als wir in Stokkøy ankommen, können wir unseren Sundowner (es bleibt bei uns um 18 Uhr wie auf der Weltumsegelung, auch wenn hier die Sonne erst nach Mitternacht untergeht) auf einer Parkbank genießen. Abends noch ein kleiner Spaziergang.

Am Dienstagmorgen testet sich Annette, da sie seit gestern Symptome hat, und leider hat es sie auch erwischt, aber wohl nur leicht, denn der T-Strich ist kaum zu sehen. Wir starten dennoch bei frischem Wind aus SSE und kommen gut voran, bis der Wind einschläft, es wird heiß, Sonne auf freiem Oberkörper für eine halbe Stunde, das hat es auf diesem Segeltörn noch nicht gegeben. Ein kurzes Vergnügen, bis schwarze Wolken aufziehen. Nach der Mittagspause in Bessaker wollen wir doch noch weiter und lassen uns von der schwarzen Wolke und dem auffrischenden Wind nicht einschüchtern. Wir schaffen es bis Vingsand, einem idyllischen Fischerort, wo wir als einziges Segelboot festmachen. An Land auf der Fiskebrygge werfen wir einen Blick in die Fischhalle und bekommen von freundlichen Norwegern zwei Makrelen geschenkt. Der nette Fischer bindet mir eine schützende Schürze um, als ich die Fische ausnehme. Das Arbeiten mit den Fischen weckt alte Erinnerungen an unser Angelglück während der Weltumsegelung. Ein herrliches Abendessen.

Am nächsten Tag erwartet uns eine gewaltige Dünung, als wir die geschützte Inselwelt verlassen müssen, da der Weg auf der offenen Nordsee weiterverläuft. Der achterliche Wind, SW 3-4 Bft, ist für die starke Welle zu schwach und das Großsegel schlägt fürchterlich, sodass wir uns entscheiden, das Groß zu bergen und nur unter Spi zu segeln. Das funktioniert besser als gedacht und wir schaffen die 47 sm bis Rørvik bis 16 Uhr und bergen den Spi erst unter der Brücke. Der Ort gefällt uns nicht, lediglich die moderne Kirche aus Glas und Holz ist eine Augenweide, die alte Kirche ist abgebrannt.

Weiter geht es den Sund hinaus, heute zunächst bei halbem Wind zwischen Hunderten von kleinen Inseln hindurch, denn der Wind hat auf NW 5 Bft. gedreht. Später segeln wir hoch am Wind bei angenehmem Wind durch eine wolkenverhangene Landschaft, welch eine angenehme Ruhe, in der wir diese Landschaft genießen dürfen und die schwarzen Wolken verschonen uns sogar vom Regen, bis wir zur Kaffeezeit in Brønnøysund ankommen. Nette Segler bieten uns an, bei ihnen im Päckchen zu liegen, denn der Hafen ist voll. Es gibt hier ein Festival. Wir nutzen die tolle Marina, um unsere Wäsche zu machen. Für alle, die keinen Fisch geschenkt bekommen, haben wir eine der vielen Fischfarmen fotografiert, von denen die ganze Welt mit norwegischem Lachs versorgt wird.

Die erste Woche mit Annette hat uns 180 Seemeilen durch diese wunderbare Inselwelt gebracht, wir sind zufrieden, wenn es nur etwas wärmer wäre als 9° C; draußen hat es jetzt angefangen zu regnen, man schickt da keinen Hund raus…

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4 Antworten zu “Trondheim – Brønnøysund

  1. Hallo Thomas, die Bilder sehen ja immer ganz toll aus und man kann sich gar nicht so recht vorstellen, dass euer Wetter so schlecht ist! Schön finde ich, dass du die Route auch immer ein zeichnest, dann weiß man doch viel besser, wo man gerade segelt! Dann wünsche ich euch beiden einfach ganz viele Sonnenstrahlen und blauen Himmel, wird schon noch alles besser werden, auch in Skandinavien ist die globale Erwärmung doch angekommen! Wir feiern morgen das Matz Straßenfest, Christian kommt extra morgen angeflogen und fährt dann einen Tag später schon wieder zurück nach München …. Und bei mir geht es dann ja nächste Woche gegen Süden, nach Oberammergau, dann Bregenz, dann Füssing dann Geschwister Treffen in Aalen.… Oh dieses anstrengende Rentner Leben ganz viele Grüße an euch beide von Martin

    Mit freundlichen Grüßen

    Dr. Martin Kübler-Hiersemann Crellestr. 22B 10827 Berlin

    >

  2. Lieber Thomas, liebe Annette!
    Ihr seid ja wirklich unkaputtbar!
    Klar, zwischendurch ist es ungemütlich mit dem Wetter – nervt auch verständlicherweise.
    Besonders wegen Corona ist die Situation aber sehr verunsichernd. Da weiß man ja nie wie es sich entwickelt.
    Aber als perfektes Team seid Ihr trotzdem segelfähig!
    Wie ist eigentlich die ärztliche Versorgung auf Eurer Tour, wenn es mal ernst wird?
    Das ist mir natürlich als erstes eingefallen.
    Anke Sophie scheint ja gut zu funktionieren. So ist das mit den Kindern, wenn die “Alten“ mal nicht so top fit sind.
    Habt Ihr gut erzogen!😊 Grüßt sie schön von mir, sie soll sich weiterhin von Ihrer Schokoladenseite zeigen!
    Werdet Ihr auf dieser Nordtour noch mit Freunden weiterreisen? Als ich auf die Karte schaute, erinnerte ich mich an Heiners Norwegenreise in den sechziger Jahren: Tromsö, Hammerfest, Kautokeino, Kirkeness……Eure Bilder passen genau dazu. Und ich erinnere mich an seine Geschichte von einem riesig großen Steinpilz, gefunden in Kautokeino. Dagegen sind unsere Superexemplare in Hetseryd nur nette Winzlinge. Ich habe oft gefragt, ob da die Erinnerung mit ihm durchgegangen ist…….Egal, es war immer erfrischend, ihm bei diesen Erinnerungserzählungen zuzuhören…….Nun macht es gut und kommt wieder richtig gut auf die Beine, damit Ihr die Weiterreise – Wetterreise genießen könnt. Eure Hilli

  3. Liebe Annette, lieber Thomas, heute habe ich erst diesen tollen Bericht gelesen. Ihr seid echt tough, habt jetzt aber wirklich besseres und vor allem auch wärmeres Wetter verdient. Tolle Fotos! Genießt die Zeit und ich hoffe sehr, dass Ihr beide wieder ganz gesund seid! Viele liebe Grüße, auch von Hans-Heinrich, Annette*

    • Liebe Annette*,
      Annette und mir geht es sehr gut, wir haben die Lofoten sehr genossen, traumhafte Landschaften, naja und über das Wetter reden wir lieber nicht, aber es soll nun für drei Tage der Sommer kommen mit bis zu 19° und es soll erst Sonntagnachmittag wieder regnen. Du wirst bald den Bericht über die Lofoten lesen können, ich arbeite gleich daran.
      Liebe Grüße von Thomas und Annette

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