Ålesund – Trondheim

Ich hatte für die Wochen, in denen ich ohne Annette und Freunde segle, auf der Webseite HandGegenKoje angezeigt und Yvonne hat sich kurzfristig entschlossen, mich auf dieser Etappe zu begleiten. Die Hochdruckwetterlage bleibt bestehen, wir haben Sonnenschein, Wärme und die Prognose auf Flaute. Wir starten am späten Vormittag und freuen uns, dass doch eine leichte Brise aus Norden aufkommt. Zwar kommt der Wind entgegen, aber Anke-Sophie gibt ihr Bestes auf der Leichtwindkreuz und wir kommen zwischen den Inseln gut voran. Am Abend passieren wir die Brücke bei Midsund sehr vorsichtig, denn deren lichte Höhe wird mit 18 m angegeben und der Mast der Anke-Sophie hat 16,90 m. Darauf steckt noch die Antenne, also sehr viel Platz bleibt da nicht, wobei wir kurz nach Niedrigwasser noch einen Meter mehr Spielraum hatten. Wir liegen geschützt zwischen riesigen Felswänden.

Der nächste Tag bringt wieder Sonne, aber trotz schwacher Windprognose schöne 3-4 Bft. Obwohl er genau von vorne kommt, haben wir ein angenehmes Kreuzen, aber wir müssen uns sehr konzentrieren, um unseren Weg zwischen den Hunderten von kleinen Inseln und Untiefen zu suchen. Im Bild unten sehen wir in Schwarz die geplante Route und in Gelb den Track der gesegelten Strecke.

Als am Abend der Wind einschläft, finden wir den traumhaften Naturhafen Storholmvågen mit einem Steg für uns alleine vor einem Restaurant. Wir werden herzlich empfangen und gönnen uns ein Menü, wenn wir schon ihren Steg nutzen. Es gibt Lachs zur Vorspeise, Ochsenbäckchen als Hauptspeise und feinsten Schokoladenkuchen mit Eis als Nachspeise. Den Preis vergessen wir lieber gleich wieder… Wir bekommen von der Wirtin die Geschichte der Bucht erzählt. Zuerst kamen die Holländer und holzten vor 200 Jahren den gesamten Wald ab, bis es keine Bäume mehr gab. Dann lebten 300 Fischerfamilien hier, bis 1901 eine Sturmflut das Dorf vernichtete, woraufhin in Handarbeit eine riesige Hafenmole errichtet wurde, um die Bucht in Zukunft zu schützen. Die Fischer verfolgten ihr Handwerk so erfolgreich, bis es keine Fische mehr gab. Daraufhin suchte man sein Glück im Abbau von Seetang, der für die Glasverarbeitung gebraucht wurde. Heute gibt es hier nur noch Ferienwohnungen und das Restaurant. Wir lassen uns erzählen, dass nun die Seeadler zur Plage geworden sind und alles abjagen, was es an kleinen Lebewesen gibt. Also gibt es keine Fische, keine Kaninchen mehr und die Seeadler machen deshalb Jagd auf Katzen und kleine Hunde. Wir beobachten das Spektakel, wie die Möwen ihr Revier gegen die Seeadler versuchen mit viel Geschrei zu verteidigen.

Der nächste Tag wird sehr nass, welch ein Kontrast, es regnet unentwegt, der heute achterliche SW-Wind hält sich anfangs, flacht aber dann gegen Mittag ab, sodass wegen der starken Dünung die Segel schlagen und nur der Motor bleibt, um uns bis Kristiansund (das nördliche) zu bringen. Der Heizlüfter ist mein bester Freund geworden und trocknet die Klamotten und wir erholen uns in der Koje, bis gegen Abend der Regen doch nachlässt und wir durch den Ort wandern und die steilen Straßen bergauf und -ab die Blicke auf alte Holzhäuser freigeben. Wir sind froh, den Küstensteifen Hustadvika gut durchquert zu haben, denn was ich in der Literatur gelesen habe, bestätigt uns ein Norweger, der diesen Abschnitt als den gefährlichsten von ganz Norwegen bezeichnet und der bei ihnen als riesiger Schiffsfriedhof bezeichnet wird, da hier unglaublich viele Schiffe zwischen den Inseln und Untiefen gesunken sind, bei Sturm sind hier extreme Dünungen zu erwarten. Aber auch bei Schwachwind gibt es die Gefahr, dass man Riffe knapp unter der Wasserlinie nicht sieht, da sich keine Brandung bricht.

Wir verlassen Kristiansund in nordöstlicher Richtung und schlängeln uns zunächst durch einen Irrgarten aus Hunderten von kleinen Inseln und Felsen. Der Weg ist zum Teil extrem eng, aber gut mit Stangen gekennzeichnet. Da der Wind kurz vor dem Einlaufen in das Archipel böig zunimmt, entscheide ich mich für ein Reff, denn mit über 8 kn in diese unbekannte Inselwelt hineinzuschießen, ist dann doch gewagt. Eine wunderbare Landschaft nimmt uns auf. Keine Wellen zwischen den Felsen und doch schöner halber Wind. Wir kommen gut voran, bis der Wind schwächer und raumer wird. Als Gegenmittel setzen wie den Spi und lassen uns Zeit beim Dahingleiten zwischen den vorgelagerten Inseln. Irgendwann, wir fahren unter 2 kn, überholt uns die deutsche SY Orion unter Motor, wir quatschen kurz, denn wir sind beide TO-Mittglieder. Zwischendurch nimmt der Wind zu und wir machen gute Strecke. Dann dreht er plötzlich ohne Vorwarnung und kommt von vorne. Hektik an Bord, denn nun hängt der Spi im Rigg. Nach einem unglücklichen Bergen kreuzen wir den Sund in gleicher Richtung weiter, den wir zuvor unter Spi gesegelt sind. Ein herrlicher Segeltag geht in Hemnskjela nach 11 Stunden und 45 sm zu Ende, wir kochen und sind zufrieden über das Tagwerk. 

und noch ein paar Bilder:

Wir wachen bei bestem Wetter auf und nach dem Frühstück kommt auch schon ein leichter Nordostwind auf, wir kreuzen den Sund entlang, können dann schließlich ein längeres Stück den Kurs direkt anliegen und biegen nach einer Flaute nach Süden in den Trondheimfjord ein, der Wind frischt wie angekündigt auf und wir fliegen unter Spi den Fjord hinein. Als der Wind zu stark wird, schwarze Wolken ziehen auf, bergen wir den Spi rechtzeitig und steuern für eine Nacht 10 Seemeilen vor Trondheim den kleinen Sportboothafen Sandbakken an, wo wir ein alten Glockenturm besichtigen, der früher die Schifffahrt bei Nebel im Fjord von Trondheim lenkte.

Am nächsten Morgen stelle ich fest, dass die Gezeiten hier im Fjord eine stärkere Rolle spielen als bisher. Vor dem Hafen ist es flach und da wir um 8 h halbe fallende Tide haben, entscheide ich, dass wir bis 14:30 bleiben, um mit guter noch steigender Tide auszulaufen. Am Dienstagabend kommen wir in Trondheim im Yachthafen Skansen an. Ich fühle mich seit Montagabend sehr angeschlagen und ich messe: 39° Fieber und zwei positive Covid-Tests. So ein Mist, wir haben die Pest an Bord.

Yvonne fliegt zurück nach Hamburg und ich freue mich sehr, dass Annette am Donnerstag gekommen ist. Wir schlafen in getrennten Kabinen und im Salon tragen wir Maske. Ich liege nur in der Koje, um mich zu schonen, deshalb vorerst keine Bilder aus Trondheim.

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4 Antworten zu “Ålesund – Trondheim

  1. Gute Besserung, lieber Thomas, und bleib schön gesund, liebe Annette! Und dann eine schöne Zeit wünschen wir Euch, Annette* und Hans-Heinrich 🍀🌞‼️

  2. Danke an alle, die mir Besserungswünsche schicken, es hilft, das Fieber ist fast runter, aber ich bin noch schlapp. Liebe Grüße aus dem heute leider verregneten Trondheim
    Thomas + Annette

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