Lerwick – Ålesund 

Wegen des Starkwindes bleiben wir -Thomas und MacTom- vier Tage in Lerwick. Die Zeit geht schnell um mit Wäschewaschen, Einkaufen und Ausflügen. Gut, dass wir Zeit haben, denn ich nutze sie auch, um eine Erkältung auszukurieren. Da wir so kurzfristig keinen Mietwagen bekommen, nehmen wir den Bus nach Sumburgh Head ganz im Süden der Hauptinsel, um uns die Ausgrabungen von Jarlshof anzusehen. Die Anlage wurde 1905 nach einer Sturmflut entdeckt und später ausgegraben. Die ältesten Häuser reichen bis ins Jahr 2500 v. Chr. zurück. Es war schon ein Erlebnis, bei dem starken Wind durch die Steinhäuser zu streifen und dabei die Unterschiede in den Jahrhunderten bzw. -Jahrtausenden zu erkunden.

Einen anderen Ausflug unternehmen wir mit unseren Segelnachbarn Mary-Clare und Dave von der Segelyacht La Contenta zur St. Ninian’s Isle. Die Insel ist über einen Dünenstreifen, Tombolo genannt, mit dem Land verbunden. Bei Ebbe erreichen wir über den tollen Strand- bzw. Dammweg die von Klippen gesäumte Insel und unternehmen eine wunderschöne Wanderung und genießen die wechselnden Aussichten.

Das Wetter für die nächsten Tage ist kompliziert. Starkwindphasen wechseln in der Prognose mit Flauten, beides wollen wir meiden. Als sich ein gutes Wetterfenster zeigt, ergreifen wir die  Chance und starten früh um 5 Uhr zur Überfahrt nach Norwegen. Wir wären gerne noch der Küste von Shetland nach Norden gefolgt bis zur Insel Unst, aber uns war es wichtiger, ohne Druck den Sprung über die Nordsee zu schaffen. Nach dem Ablegen haben wir bald die angesagten 25 Knoten Wind aus WSW und es baut sich eine anständige Welle auf. In den Böen wird es auch mal mehr und wir fliegen über die Nordsee Norwegen entgegen. Wir binden ein Reff ins Groß und drehen die ausgebaumte Genua um 1/3 ein und haben immer noch genügend Kraft im Schiff. Wir hatten für die Überfahrt von 180 Seemeilen mit 36 Stunden gerechnet, da gegen Ende der Wind abflauen sollte. Da wir aber so schnell sind, erreichen wir die Insel Fedje schon um 06:30 Uhr am nächsten Morgen noch bei frischem Wind. Auf der Überfahrt mussten wir drei Ölfelder passieren. Dies war neu für mich. Überall in der Nordsee gibt es Plattformen, die mit Sicherheitszonen umgeben sind, die nicht durchfahren werden dürfen. Ab der Hälfte der Überfahrt zieht eine Warmfront über uns hinweg und bringt Dauerregen und extrem schlechte Sicht. Sonderbar, wie aus dem Dunst die riesigen Bohrplattformen auftauchen. Teilweise werden wir über Funk angesprochen und gefragt, welchen Weg wir durch die Ölfelder wählen. Werden hier in zwanzig Jahren Windparks stehen?

Spannend ist auch die Einfahrt in das Inselarchipel von Fedje. Im Inneren erwarten uns verzweigte ruhige Buchten ohne Wellen und wir finden einen Schwimmsteg mit Steckdose. Bei den Temperaturen um 10°, Regen und Wind läuft der Heizlüfter am Tage dauernd, wenn wir an Bord sind. Welch ein Kontrast zu Deutschland, wo zurzeit die Temperaturen in Richtung 40° gehen. Da nach kurzer Flaute schon wieder Starkwind kommt, bleiben wir noch einen Tag länger und unternehmen eine ausgedehnte Wanderung durch die sagenhafte Moor- und Heidelandschaft und genießen wieder die Blicke aufs Meer und die Einsamkeit, wie treffen unterwegs niemanden.

Wir segeln von Fedje nach Florø. Es geht durch hunderte von Inseln, wir haben guten Wind von achtern, 25 Knoten, aber wir sehen kaum etwas. Der Tag ist extrem diesig, die Wolkenuntergrenze liegt bei ca. 100 Metern, dann setzt Nieselregen ein und hört nicht mehr auf. Zum Glück haben wir gutes Ölzeug und starke Nerven. In Florø erzählt uns die Hafenmeisterin, wo wir ein Sommerwendenfest am Strand besuchen können. Hauptsächlich für Kinder wurde ein großes Feuer entzündet und wir bekommen Würste, Waffeln und Kaffee für eine kleine Spende.

Wir gönnen uns einen Mietwagen, einen Polo, für einen astronomischen Preis von 170 €/Tag (nach mehreren Anläufen, denn alles ist wieder ausgebucht), um damit das Landesinnnere zu erkunden. Wir wollen die Gletscher sehen und fahren deshalb nach Fjæland, um von dort Ausblicke auf den Jostedalsbreen, den Supphellebreen und den Bøyabreen zu genießen. Und was ist das für ein Tag. Eine Hitzewelle überrascht uns, wir haben Sonne und 26°, nach Wochen bei 10 – 12°C unglaublich heiß und keine Wolke am Himmel. Wir schwitzen im Auto, welch ein Kontrast zu den letzten Tagen und fahren entlang dem Lusterfjord und dem Sorgnefjord zurück nach Florø. Wir gleiten mit unserem Auto hunderte Kilometer zwischen Fjorden, Bergen und Gletschern und sind am Abend erschöpft, von dem was wir gesehen haben und sitzen am späten Abend am Hafen und essen Fish and Chips.

Die nächste Etappe führt uns durch einen Schärengarten, aber bevor es wirklich losgeht, müssen wir noch einmal zurück, denn wieder macht der Keilriemen Schwierigkeiten. Wir hatten ihn schon zwei Mal gespannt und nun rutscht er wieder, das wird nicht gut gehen. Zum Glück hatte ich einen Ersatz aus Deutschland mitgebracht und damit geht es dann weiter. Es ist warm, wir brauchen kein Ölzeug, wir schlängeln uns durch eine fantastische Schärenwelt bis wir auf’s offene Meer kommen. Dort schlagen mal wieder die Segel auf die Nerven, weil die Wellen stärker als der Wind sind. Dann frischt der Wind aber auf und wir sind überglücklich, an dieser Berg- und Fjordkulisse entlang nach Norden zu segeln, um dann in dem  romantischen Naturhafen Honningsvågen den Anker zu werfen. Wir kochen uns ein Menü und können den ganzen Abend bei einem wunderschönen Bergpanorama draußen sitzen, das hat es noch nie gegeben.

Nächstes Ziel ist die Insel Runde, wo in den Steilküsten Hunderttausende Vögel nisten. Wir finden wieder einige Papageientaucher und einen Skua. Am Himmel und in den Felsen sehen wir Eissturmvögel, Basstölpel und Dreizehenmöwen. Von unserem Aussichtpunkt auf den Klippen beobachten wir, wie ein kleiner Vogel einen riesigen Seeadler angreift, weil er ihn vertreiben will, um seine Brut zu schützen. Auf dem Rückweg bekommen wir auf dem Festival, das einmal im Jahr hier stattfindet, jeder noch einen Teller Fischsuppe für 100 NOK.

Weiter geht es mit einer Kreuz bei leichten Winden nach Ålesund, wo leider die drei Wochen mit MacTom zu Ende gehen und ein Crewwechsel geplant ist. Da in Ålesund 1904 ca. 800 Holzhäuser abgebrannt waren, wurden sie danach aus Stein im Jugendstil wieder aufgebaut. Kaiser Wilhelm II unterstützte den Wiederaufbau und die Stadt bedankte sich mit einer Büste und benannte eine Straße nach ihm.


Hier die Route der dritten Etappe:

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