Stornoway – Lerwick

Ich bin sehr froh, dass mein Freund Thomas K. (zur Unterscheidung MacTom genannt) mich die ersten drei Wochen begleiten wird. Es ist ein gutes Gefühl, wieder zum Boot zu kommen. Wir haben einen Flug von Berlin über Amsterdam und Glasgow nach Stornoway auf den Äußeren Hebriden gebucht. Als wir am Abend ankommen, fehlt unser Gepäck. Das Flughafenpersonal lächelt gequält und erzählt uns, dass das mit KLM leider oft passieren würde. Wir lassen keine schlechte Laune aufkommen, fahren mit dem Taxi zum Hafen und entscheiden uns, im nahen Hotel essen zu gehen. Den ersten Tag an Bord nutzen wir für Reparaturen, z.B. installiere ich den Windmesser wieder auf der Mastspitze, nachdem ich ihn habe reparieren lassen. Am nächsten Morgen fahren wir zum Flughafen, um nach unserem Gepäck zu forschen. Wir erfahren, dass meines angekommen war und bereits zum Hafen geliefert wurde, aber das von Thomas fehlt immer noch. Wir vereinbaren, dass es uns hinterherfliegen soll auf unserer Route über die Orkneys zu den Shetland Inseln und MacTom kauft sich erst einmal neue Klamotten.

Ein mächtiges Tief kommt mit Wind >50 Knoten in den Böen  auf uns zu. Wir legen am Donnerstag 09.06.2022 ab, um in Richtung Stromness auf den Orkneys zu segeln. Leider wird der Wind vor Cape Wrath, der Nordwestecke von Schottland, so schwach, dass die Wellen die Segel laut schlagen lassen, und die Aussichten für die Nacht sind ebenfalls schwachwindig. Die Ruhe vor dem Sturm lässt uns den Fischereihafen Kinlochbervie als Unterschlupf für die nächsten drei Tage wählen.

Pleiten, Pech und Pannen: Als wir ankommen, riechen wir es bereits; aus dem Tank sind literweise Diesel ausgelaufen und schwimmen nun in der Bilge. MacTom hatte aus Versehen beim Bilgereinigen den Dieselschlauch am Tank gelöst, sodass durch die extreme Welle Diesel herausschwappen konnte. Es folgt eine tagelange Reinigungsaktion, um den Gestank wieder aus dem Schiff zu bekommen. Zwischendurch Spaziergänge in der wunderschönen baumlosen Landschaft. Zum Abschied schenken uns Fischer noch zwei große Krabben und einen Hummer, die sofort verarbeitet werden.

Trotz noch sehr starker alter Dünung und angekündigten Böen bis 25 kn (6 Bft) legen wir um 04:50 ab, um am Abend den optimalen Zeitpunkt für das Einlaufen in den Sound of Moy um 16:20 (start east-going stream) zu treffen.

Auf See erwartet uns eine mächtige Welle, die ich am besten mit der folgenden Serie vom Cape Warth aufzeige. Auf der Welle sieht man die Cape Wrath, in der Welle nur die Spitze vom Leuchtturm.

Wir kommen dann so gut voran, dass wir sogar die Geschwindigkeit reduzieren, um nicht zu früh anzukommen, denn es gilt die Situation Wind gegen Strom im Sund zu vermeiden. Dann erreichen wir die Orkney-Inseln am Sound zwischen Mainland und Moy. Vor Moy steht der eine Felsnadel „Old man of Moy“.

Da wir nun drei Tage mit ruhigem Wetter vor uns haben, entscheiden wir uns, das Kulturprogramm über die Orkney Inseln in Stromness zu streichen und lieber stattdessen das Zeitfenster zu nutzen, um über Fair Isle zu den Shetlands überzusetzen. Also verlassen wir gleich wieder am nächsten Morgen Stromness, um dem Küstenverlauf der Orkney Inseln zu folgen. Für die Ausfahrt haben wir das Kentern der Strömung für 10:30 Uhr ermittelt. Aber wir müssen noch einkaufen und sind eine halbe Stunde zu spät im Sound of Moy, was wir sofort zu spüren bekommen. Wir müssen durch eine extrem kurze steile stehende Welle mit Maschine gegenan kämpfen. Das Boot knallt von Welle zu Welle, bis wir endlich frei sind. Leider ist der Wind schwächer als vorhergesagt und die Dünung viel stärker als erwartet, sodass wir die Segel gleich wieder bergen müssen. Uns bleibt nur, neun Stunden bis Westray zu motoren, was wir hassen. Im kleinen Hafen Pierowall können wir längsseits einer großen niederländischen Yacht liegen und legen gemeinsam am nächsten Morgen um 6 Uhr ab.

Nach einer sehr schönen Überfahrt bei leichtem Wind und mäßiger Welle -auch das gibt es also hier oben- segeln wir einem von mir lange ersehntem Ziel entgegen: Fair Isle. Durch Berichte anderer Segler ist mir die Insel allgegenwärtig und ich freue mich auf Fridarey (die friedvolle Insel) oder Fara (die entlegene Insel), wie ihr nordischer Name lautet. Sie liegt zwischen den Orkney und den Shetland-Inseln. Im natürlichen Nordhafen haben schon viele Yachten schwere Stürme abgewettert. Wir wandern über die Südinsel bis zum Leuchtturm, haben nette Gespräche mit einem der 60 Inselbewohner und erhalten von einem britischen Vogelkundler Tipps, wo wir die ersehnten Papageientaucher bzw. Puffins finden können. Insgesamt wurden von Vogelkundlern 335 Arten im Bird Observatorium registriert.

Da der Wind für den nächsten Tag droht ganz einzuschlafen, entscheiden wir uns noch am Nachmittag, die Leinen zu lösen und zusammen mit Marie-Claire und Dave von der Segelyacht La Contenta zu den Shetlands zu segeln. Leider müssen wir das letzte Stück bei Nieselregen motoren und entscheiden uns in der kleinen Bucht Voe zu ankern. Am nächsten Morgen segeln wir bei herrlichem Wetter – die Entscheidung war also richtig – das letzte Stück der wunderschönen Küste bei teilweise lachender Sonne bis Lewrick. Im Mousa Sound sehen wir den alten Broch of Mousa, einen der besterhaltenen Schutztürme Schottlands. Nun haben wir wegen des heranziehenden Sturmtiefs wieder eine Pause von drei Tagen.  

Hier noch Bilder, die mir nachträglich von anderen Seglern gegeben wurden, denn sich selbst zu fotografieren ist schwierig.

Es folgt die Route dieser Etappe 09 -16.06.22 – 265 sm:

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Eine Antwort zu “Stornoway – Lerwick

  1. Ich wäre trotzdem gerne dabei… Danke für den schönen Bericht und die eindrucksvollen Fotos. Die Orte sind ja Grau in Grau… Liebe Grüße Annette

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