Tory Island / Irland – Castlebay / Barra, Äußere Hebriden

Am nächsten Morgen trennen sich unsere Wege auf Tory Island, Peter und seine irische Crew fährt weiter entlang der irischen Nordküste und für uns heißt es um 5 Uhr aufstehen, denn die Überfahrt nach Schottland steht an. Es weht ein kräftiger NW 5-6, der uns hilft, die 78 Seemeilen in 12,5 Stunden zu meistern. Eine starke Atlantikdünung begleitet uns auf unserem Weg, sodass wir am Abend, nachdem mehrere Schauer über uns hinweggezogen sind, doch sehr froh waren, die geschützte Bucht am Nordende von Islay zu erreichen. Wir ankern südöstlich der vorgelagerten kleinen Insel Nave und liegen in einer traumhaften Bucht nahe einer verfallenen Kapelle an Land. Wir verbringen einen gemütlichen Abend unter Deck, während sich draußen Regen, Nebelschwaden und Böen abwechseln. Wir beobachten die Robben, die neugierig zu uns Eindringlinge in die Einsamkeit geschwommen kommen.

Uns wurde die kleine Insel Lunga als Vogelparadies empfohlen und wir nehmen uns diese Insel als Ziel vor. Leider müssen wir gegen den NW-Wind ankreuzen und kommen nicht schnell genug voran, um das Ziel vor dem Abend zu erreichen. So suchen wir uns die kleine Bucht Tinkers Hole als Zwischenziel aus. Wir erreichen die Insel Erraid auch und schlüpfen durch die sehr enge spannende Einfahrt an der Südostecke hinein in die kleine Passage zur Insel En Dubh, um dann leider festzustellen, dass der Abstand zwischen den Felswänden so eng ist, dass der Kreis zum Schwojen nicht ausreichen würde. Schweren Herzens treten wir den Rückzug an und müssen weitersegeln, obwohl ich keine Lust mehr habe, dieser Tag ist nicht mein Tag.

Also weiter geht es nach Norden und wir finden eine herrliche, gut geschützte Bucht zwischen den Inseln Gometra und Ulva, die östlich von Mull liegen. Das waren 45 lange Seemeilen und wir brauchen erst mal ein Bier, als der Anker kurz vor Dunkelheit fällt. Wir sind nicht alleine, denn vier weitere Segler teilen die Bucht mit uns, so viele Segler haben wir in den letzten zwei Wochen insgesamt nicht gesehen.

Tags darauf suchen wir uns die schmale Einfahrt an der Nordseite von Lunga und machen an einem Ponton fest, der für Touristenboote verankert ist, um die Vogelinsel zu erkunden. Sophia und Till rudern an Land. Ich bleibe lieber an Bord, denn der Wind und die Strömung sind kräftig. Wenn die beiden abtreiben, kann ich sie auf See auffischen. Leider ist die Brutzeit der Puffin (Lunde, Papageitaucher) vorbei und sie finden keine mehr auf der Insel. Unsere irischen Segelfreunde hatten davon geschwärmt und vom Treiben und dem Lärm der zahmen Vögel berichtet, die nur zur Brutzeit auf die Insel kommen, um dort direkt auf dem Boden zu brüten. Vielleicht kann ich sie im nächsten Jahr sehen, es gibt auch Kolonien z.B. auf den Orkneys oder in Norwegen.

Wir legen nachmittags wieder ab, um das kleine Stück bis zur Insel Coll zu segeln, die zu den Inneren Hebriden gehört. Bei frischem NW-Wind können wir den Kurs bis zum Loch Eatharna fast anliegen und brauchen nur einen kurzen Holeschlag, um uns an eine Mooringtonne vor dem kleinen urigen Fischerort Arinagour zu bringen. Da am nächsten Tag ein Flautentag ist, beschließen wir hier eine Pause einzulegen. Es gibt ein nettes Hotel, wo wir einen Kaffee und Internet bekommen, aber leider kein Abendessen, denn das hätten wir Tage zuvor schon buchen müssen. Wir kennen ja das Spiel, heute wird wieder an Bord gekocht. Der Ort steht für ein Naturschauspiel. Man kann vor der Küste mit Basking sharks (Riesenhaie) schnorcheln. Die besonderen seltenen Tiere leben vom Plankton. Auch Minkwale wurden heute gesehen. Leider haben wir keine Zeit, eine Tour zu organisieren, denn wir müssen weiter zu den Äußeren Hebriden.

Da wieder ein Starkwind auf uns zukommt, dieses Mal zum Glück aus Südosten, müssen wir zeitig aufbrechen, um unser Ziel Castlebay auf Barra zu erreichen, die zu den Äußeren Hebriden zählt. Ich übernehme die erste Wache und lege um 3 Uhr ab, Till hilft mir um 4:30 die Segel zu setzen, der erste Wind kommt auf und nimmt jede Stunde um mehr als 2 Knoten zu und soll ab 13 Uhr bis 30 Knoten und mehr erreichen, je nach Wettermodell. Leider steht die Strömung entlang von Coll gegen uns und in der Passage zwischen Coll und Tiree mit bis zu 2 Knoten. Dann können wir mit achterlichem Wind unser Ziel direkt anliegen. Um schneller zu werden, setzen wir zunächst den Spi und wechseln auf die Genua, als der Wind auf über 4 Bft. aufgefrischt hat. Der Himmel wird immer dunkler und wir freuen uns über einen guten Liegeplatz am Ponton der Castlebay Marina. Ich schaffe es gerade noch zur Dusche und zurück, da pfeift auch schon der Wind und die Schauer ziehen über uns hinweg. Eine warme Dusche ist schon ein sagenhaftes Erlebnis nach drei Wochen ohne diesen Luxus. Diese Inselwelt ist so abgelegen, dass wir uns in dieser Zeit mit einer kalten Dusche am Heck begnügen durften.

Ich treffe den Hafenmeister und frage ihn, wie das Einklarieren funktioniere, denn ich komme  aus Irland. Er sieht mich mit verständnislosem Blick an und meint, das brauche  ich hier nicht. Wie unterschiedlich doch die Häfen sind. Ich hatte in Storoway wegen eines Platzes zum Überwintern gefragt und hatte sofort 4 Formblätter u.a. zum Thema Covid geschickt bekommen, die ich vorab auszufüllen hätte. Hier bekam ich gar keine Antwort auf Email und Anruf, dafür aber schottische Lässigkeit.

Neben den täglichen Segeletappen musste ich einen geeigneten Winterplatz für ANKE-SOPHIE finden. Das ursprüngliche Ziel Orkney Inseln musste ich aufgeben, da es in der zur Verfügung stehenden Zeit nicht möglich erschien, schade, denn ich hatte sehr netten Emailkontakt mit der dortigen Seglervereinigung, die sehr bemüht war, für unser Boot eine Lösung zu finden. Eine weitere Idee war die Marina von Storoway, jedoch wäre ich dort sehr auf mich alleine angewiesen gewesen. Viele lassen die Boote über den Winter im Wasser, was ich mir aber nicht vorstellen kann, wenn ich 8 Monate nicht an Bord bin. An Land gab es nur die Möglichkeit, das Schiff alleine mit Hilfe einer Kranfirma ohne Unterstützung der Marina aufzupallen und zu verkeilen, was ich mir bei dem Tiefgang von 2,30m nicht zutraue. Mir blieb die Möglichkeit, das Schiff in der letzten Woche nach Oban zu segeln. Dort habe ich ein Angebot bekommen, ANKE-SOPHIE mit stehendem Mast durch den hafeneigenen Kran wie zuhause auf einem „cradle“ (Bock) zu lagern, die Kosten liegen beim Doppelten im Vergleich zur Ostsee, aber so ist das Leben, wenn man in die Ferne schweift ist das vermeintlich „einfach Leben“ dann doch von Zeit zu Zeit etwas teurer. Stefan und Fernando mussten ihre Flüge umbuchen und für ANKE-SOPHIE bedeutet es, einen Umweg wieder südlicher anstatt nördlicher zu segeln.

Ich nutze den Tag, um den Proviant aufzustocken. Der kleine Inselladen hat nur das Nötigste, ich nehme gerne, was es gibt: 3 Stangen Lauch, 5 Möhren, 3 Paprika und ein paar Zwiebeln… Als die Leute hören, dass ich mein Boot in der Marina liegen habe, nimmt mich sofort jemand mit, damit ich den Einkauf nicht schleppen muss. Nebenbei bekomme ich jede Menge Tipps über schöne Buchten für die nächsten Tage. Da der Wind schwach sein wird, frage ich im Laden, wie es mit dem Tanken funktioniert, natürlich kann ich auch Diesel bei ihm kaufen, er leiht mir auch einen 20-Liter-Kanister und fragt einen Autofahrer, ob er diesen nicht bis zum Tor der Marina bringen könne. So funktioniert das Zusammenleben auf kleinen Inseln, man sehe dies im Kontrast zum Leben in Berlin…

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