Galway – Tory Island / Nordirland

Till und Sophia kommen in Galway an Bord und bringen das neue Ladegerät mit, das ich in Deutschland bestellt habe. Wir machen uns gleich an die Arbeit und sind nach vielen Versuchen verzweifelt, denn die Lichtmaschine ist doch defekt und liefert nicht die notwendigen 30 bis 60 Ampere. Also bestelle ich in Cork eine neue, die mir nach Killybegs geliefert werden soll und wir fahren weiterhin ohne funktionierende Lichtmaschine. Aber da der Wind kräftig weht, können wir unterwegs mit dem Windgenerator laden.

Olaf begleitet uns noch einen Tag; wir laufen um 05:15 Uhr, zwei Stunden vor Hochwasser aus Galway Harbour aus. Leider weht der Wind mit bis zu 25 Knoten aus Westen und wir müssen den gesamten Fjord von Galway gegenan kreuzen. Unter Fock und Reff 2 stampfen wir uns Schlag auf Schlag bis zur Kiggaul Bay, einer wunderschönen geschützten Bucht und ankern dort um 13:30 Uhr zufrieden aber erschöpft von der Schaukelei. Wir grüßen einen vorbeifahrenden Fischer, der uns auf seinem Rückweg besucht. Wir kommen ins Gespräch und am Ende haben wir 8 Hummer für vier Personen. Wir verwöhnen uns mit einem Festessen.

Der Fischer kommt am nächsten Morgen um 8 Uhr vorbei und holt Olaf ab, um ihn zum Bus zu bringen, denn er macht sich nun über Dublin auf den Heimweg. Vor uns liegt ein weites Stück von 135 Seemeilen bis Killybegs, das wir bis Mittwochabend geschafft haben müssen, denn ein weiteres starkes Tief mit über 50 Knoten Wind (d.h. 10 Bft., im Bild an der grauen Farbe erkennbar) zieht auf uns zu. Das wollen wir unbedingt auf See vermeiden. Da nur 36 Stunden bleiben, wollten wir über Nacht durchsegeln. Ein kräftiger Südwind hilft uns dabei schnell nach Norden zu kommen. Wir passieren Slyne Head und ich freue mich, nun Connemara von der Seeseite bewundern zu können. Auf der Höhe von Inisbofin erkenne ich den Mount Diamant, den wir vor wenigen Tagen bestiegen hatten. Ich liebe diese Perspektivwechsel.

Als wir Achill Head passieren, prüfe ich noch einmal die Wetterinformationen und sehe mit Schrecken auf Windy, dass um 3 Uhr morgens die gewaltige Front, die über uns hinwegziehen wird, nun mit bis zu 45 Knoten Wind angezeigt wird; ich war bisher von 30 Knoten ausgegangen. Ich entscheide, dass es vernünftiger ist, den Durchgang der Front besser im Schutz einer guten Ankerbucht abzuwettern, als auf offener See zu bleiben. In der Broad Haven Bay sind wir bei Ballyglass vor dem Südwind und nach der Drehung auch vor dem zu erwartenden Westwind sicher. Wir sind alle sehr froh über die ruhige, wenn auch kurze Nacht, denn draußen zieht ein Schauer nach dem nächsten durch und der Wind pfeift in der Takelage.

Morgens reißt der Himmel auf und wir fahren unter Schmetterling beim frischen Westwind bis zum Abend die verbleibenden 58 Seemeilen bis nach Killybegs, wo uns der nette Hafenmeister die Lichtmaschine persönlich überreicht. Wir binden alle Falle ab, denn über Nacht wird das Tief über uns hinwegziehen. Die Frage nach den Duschen, wird uns lachend beantwortet, ja bald, denn das neue Gebäude wird nächstes Jahr gebaut. Das ist für uns zu spät, so bleibt wieder mal eine kalte Dusche an Deck.

Wir nutzen den freien Tag mit Wäschewaschen und Einkaufen und für einen Ausflug mit Derek Vial, einem Taxifahrer und lokalem Führer, den wir abends im Pub kennengelernt hatten. Er fährt uns zum Bunglass-Point, von wo aus uns der One Man’s Path bis zum 601 m hohen Slieve League entlang der Klippen führt. Bei der Wanderung haben wir einen der schönsten Ausblicke auf die irische Szenerie von Klippen, die man sich vorstellen kann. Leider wird es immer diesiger je weiter wir in die Wolken vordringen, die den Gipfel ständig umziehen. Wir fühlen uns wohl in Killybegs, ein großer Fischereihafen, in dem die Hälfte des gesamten Fischbedarf von Irland angelandet wird. Die großen Trawler liegen hier den gesamten Sommer, bis sie im Winter weit hinaus in den Atlantik fahren.

In Killybegs hatte ich als Stegnachbarn Pieter kennengelernt, als er mich zu sich an Bord auf einen Whiskey einlädt, einen Jameson Black Barrel, triple distilled. Er ist ebenfalls auf dem Weg nach Norden ist und wir verabreden uns beim Frühstück bei uns, die nächsten zwei Tage gemeinsam zu segeln. Das erste Ziel ist eine Bucht an der Ostseite der Insel Arranmore. Wir haben anfänglich noch eine schöne Kreuz bis zum Marlin More Head, aber dann ist der gewaltige Schwell von den letzten windreichen Tagen doch für den schwächer werdenden Wind zu stark, wir kennen das Spiel: Die Segel schlagen zu sehr und wir müssen wieder auf das eiserne Segel zurückgreifen, wieder 7 Stunden motoren. Wir erkunden mit unserem Beiboot die Insel und verbringen den Abend an Bord der Terra Nova und lernen Pieters Frau Anne-Marie sowie Marina und Frank kennen und bekommen jede Menge Tipps für die weitere Fahrt.

Am nächsten Tag haben wir eine kurze Kreuz und dann einen Anlieger bis zur kleinen vorgelagerten Tory Island vor der Nordwestküste von Irland, wo wir in dem winzigen urigen Hafen im Päckchen an der Mole festmachen können. Wieder ein sicherer Liegeplatz und die Möglichkeit zu einem ausgiebigen Landgang. Wir erkunden mit Frank die Insel bis zur Nordostecke, die von einem alten Leuchtturm dominiert wird. Auf dem Rückweg lässt sich Frank ein Bad im kalten irischen Atlantik nicht nehmen. Die Iren haben ein anderes Temperaturempfinden, für sie ist Kurzes-Hosen-Wetter und wir sind eingemummt, wir sind und bleiben eben Warmduscher…

Zum Abschied schenkt mir Pieter eine ganze Flasche von seinem Whiskey, seiner Bordmarke, er habe genügend an Bord, wir sollten uns keine Sorgen machen.

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