Fenit – Galway / West-Irland

Als wir die Hafengebühren und den Diesel in Fenit bezahlten und der Hafenmeister uns fragte, wie uns die Duschen fanden, lächelten wir und antworteten höflich, ja sie waren warm und gingen nicht darauf ein, dass wir zuvor über sie lästerten, denn es kam so wenig Wasser aus ihnen, dass wir zwischen den Wassertropfen hin und her sprangen, um etwas davon abzubekommen. Wir werden später davon berichten, dass wir uns nach ihr sehnen werden. Auf Empfehlung eines lokalen Seglers haben wir am Abend Terry, einen Mechaniker, an Bord, der uns hinsichtlich der elektrischen Ladeprobleme mit Tipps und Kontakten versorgt und empfiehlt, als nächstes Galway anzulaufen, die einzige größere Stadt im Westen, wo wir Möglichkeiten einer Reparatur finden sollten.

Jacques, Mathilde und Nicola kommen für eine Woche an Bord, ab jetzt wird es enger. Mein lieber Studienfreund Jacques war schon öfter mit mir segeln, Nicola auch schon, für Mathilde ist es neu. Am ersten Abend lassen wir es uns gut gehen und speisen bestens im Restaurant in Fenit. Am nächsten Morgen legen wir ab, passieren Little Samphire Island und nehmen Kurs Nord, natürlich kommt der Wind (wie so oft) fast gegen an aus NNW mit zunächst 2-3 Bft. und dann etwas mehr, die Sonne begleitet uns oft. Es wird eine schöne Kreuz vorbei an Kerry Head bis in die Kilbaha Bay östlich von Loop Head. Die Ankerbucht ist gut gegen Norden und Westen geschützt und wir ankern mit einer wunderschönen Aussicht auf Ruinen und weidenden Rindern. Das Übersetzen mit dem Dinghie lassen wir lieber, denn der Wind weht inzwischen recht frisch und ablandig, und wir kochen an Bord.

Am nächsten Morgen motoren wir zum Kap und wollen der Küste nach Norden folgen. Leider setzt sich der für den Tag angesagte Westwind nicht durch. Die Wellen sind zu stark, um segeln zu können. So bleibt leider ein weiteres Mal nur der Motor. Zudem setzt für ein paar Stunden der Regen ein. Wir haben starke Nerven und lassen uns keine schlechte Laune machen, nach sieben Stunden setzen wir doch noch die Segel und navigieren um die Riffs von Mutton Island herum. Auf der Nordseite finden wir einen weiteren schönen Ankerplatz, der uns vor dem leichten Südwind schützt.

Nach einer weiteren Nacht vor Anker, diesmal mit etwas Schwell, setzen wir gleich morgens den Spi und segeln weiter nach Norden. Wir freuen uns auf die  Cliffs of Moher, die als landschaftliches Highlight bekannt sind. Wir sind beeindruckt von der Szenerie, aber leider können wir kaum gute Bilder im dunstigen Gegenlicht machen. Wir diskutieren, ob wir noch eine Zwischenstation auf den Aran Islands machen sollen. Aber ich dränge darauf, nach Galway zu kommen, um eine Lösung für die Lademaschine zu finden. Ich telefoniere mit der Marina und wir klären den Ablauf. Das Schleusentor des Hafens öffnet nur für 2 Stunden vor dem Hochwasser, das für 3 Uhr in der Früh angesagt ist. Aber wir können provisorisch an einem überfüllten Schwimmsteg außerhalb des Hafens festmachen und über mehrere Schlauchboote an Land kommen. Spannend wird es, als auch noch eine späte Fähre direkt vor uns festmacht. Welch ein Kontrast: Wir kommen aus der Abgeschiedenheit der Ankerplätze und hier tobt das Studentenleben in der mittelalterlichen Kulisse von Galway. Die Crew organisiert mit Mühe einen Platz in einem der guten Restaurants, wo wir köstlich essen dürfen. Wieder an Bord, sind wir total erschöpft und fallen in die Kojen; eine Stunde später, so gegen 1 Uhr dürfen wir wieder aufstehen, um in den Hafen einzulaufen.

Dabei versperren zwei Fährschiffe beinahe die Einfahrt zum Schleusentor, aber wir haben zuvor abgeschätzt, dass wir ganz knapp daran vorbei kommen, bis wir endlich ruhig im Hafen liegen. Hier werden wir bleiben, um die technischen Probleme zu klären, das schlechte Wetter abzuwettern und den nächsten Crewwechsel vorzubereiten.

An Ausschlafen können wir leider nicht denken, denn Jacques und ich bauen schon vor 8 Uhr die Lichtmaschine aus. Patrick, ein netter Nachbar, hilft uns mit Ratschlägen und ich lasse zunächst die Lichtmaschine in einer elektrischen Werkstatt für Autoreparaturen überprüfen. Dabei wird mir zugesagt, dass mit der Lichtmaschine alles in Ordnung sei. Auf dem Rückweg treffe ich zufällig am Hafentor einen Mann mit einem Meßgerät in der Hand und frage ihn „are you an electrician?“und er antwortete „ unfortunately: yes“ und diskutiert mit mir an Bord die Möglichkeiten. Wir sind uns schnell einig, dass es das Ladegerät von Sterling sein muss, welches ich zwischen der Lademaschine und der Batteriebank vor unserer Weltumsegelung installiert hatte. Ich demontiere das Gerät und prüfe die Innereien und finde tatsächlich einen Kurzschluss an einer Lötstelle auf einer Platine, an der sich die Isolierung eines Kabels durchgescheuert hatte. Das Gerät wird wohl nicht mehr zu reparieren sein und ich hoffe auf ein neues Ladegerät, das ich bereits bestellt hatte und  Till am Wochenende mitbringen will.

Das Wetter wird in den nächsten Tagen ungemütlich werden, denn ein kräftiges Tief wandert mit seinem Kern direkt auf uns zu, wie in dem Auszug aus dem Wettermodell gut zu sehen ist.

Wir machen aus der Situation das Beste und mieten uns spontan ein kleines Auto für die sündhaft teure Summe von 200 Euro für eine Tag, so ist das eben hier, wenn man zur Hauptsaison zusammen mit den Einheimischen reist. Wir fahren in den traumhaften Connemara Nationalpark und sind glücklich, dass sich auf dem Weg dorthin das Wetter bessert. In dem touristischen Clifden genießen wir im Sonnenschein ein spätes Mittagessen und wandern danach bei trockenem Wetter auf einen der Twelve Pins, den Diamant Hill. Wir schießen Dutzende von Bildern aus allen Perspektiven, die uns die Wanderung über 350 Höhenmeter bietet und staunen über den Belichtungswechsel zwischen Sonne und Wolken. Den Abend runden wir in einem Pub aus dem Jahre 1840 ab, der uns an einer Weggabelung anlacht und wir löschen den Durst unserer trockenen Kehlen. Olaf, der an Bord blieb, freundet sich mit unseren netten trinkfesten Bootsnachbarn an, die aus Schottland und Wales kommen und kräftig über die Engländer lästerten.

Am Freitagmorgen stehen wir zur Abwechslung mal wieder früh auf, um das Auto mit einer weiteren Fahrt entlang der Küste der Galway Bay auszunutzen und unternehmen zwei kurze Spaziergänge bei Regen, einer davon im Bogs-Moor bei Moycullen

Dann ist auch diese Etappe vorbei, Jacques, Mathilde und Nicolas verlassen uns und werden eine weitere Woche in Irland verbringen; Olaf entscheidet sich, noch ein paar Tage länger an Bord zu bleiben und wir bereiten alles dafür vor, um Till und Sophia für die nächste Etappe begrüßen zu können.

Eine Dusche werden sie in dieser Marina vergeblich suchen, offensichtlich kommt da Covid raus und könnte uns sturmerprobte Segler gefährden…

Wie überall auf der Welt darf Covid auch hier als Ausrede für alles Nichtfunktionierende herhalten.

Und wenn schon in der größten Hafenstand an Irlands Westküste keine Duschen mehr tröpfeln: die kommende Woche „Into the wild“ dann garantiert erst recht nicht.

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