Kinsale Harbour – Fenit / Südwest-Irland

Für den Crewwechsel in Kinsale verlegen wir uns für eine halbe Stunde von der Mooring an einen Schwimmsteg in der Marina, was dem unfreundlichen Hafenmanager nicht gefällt. Er hätte erwartet, dass wir zuvor um Erlaubnis fragen. Annette, Dorothé und Thomas verlassen das Boot, um den Bus nach Cork zu erwischen, während ich mit Olaf zum Hafenmeister soll, um ihn anzumelden, natürlich wieder wegen Covid. Für einen langen Abschied bleibt keine Zeit, also kurz und schmerzvoll.

An der Mooringtonne hatte sich der Festmacher so vertüddelt, dass wir ihn zurücklassen mussten. Olaf rettet ihn schwimmend und dann geht es wieder hinaus auf die See, nun mit kleiner Crew zu zweit. Wir nutzen den angenehmen Ostwind und setzen Spi, den wir aber später, als es frisch wird, lieber wieder bergen. Wir kommen zügig voran, und wir überspringen mehrere Ankermöglichkeiten, um den letzten Tag mit Ostwind möglichst weit zu nutzen, passieren am Nachmittag Galley Head und laufen erst am Abend in die friedliche Bucht von Baltimore ein, wo wir uns wieder eine Mooring suchen. Wir müssen dabei auf die Wassertiefe achten, denn die gesamte Bucht ist äußerst flach und wir wollen bei Ebbe keine Überraschung erleben. Wir entscheiden uns wieder für ein Abendessen an Bord und lassen den Abend gemütlich ohne Schlauchbootaktionen ausklingen.

Der nächste Tag verspricht nur leichte Winde, also schlafen wir aus und tuckern beim Verlassen von Baltimore durch die engen Fahrwasser um die Sherkin Island herum und legen Kurs West. Bei Clear Island entscheiden wir uns für die offene See, da uns dort ein leichtes Kräuseln den Wind verrät, den wir suchen.

Wir gleiten unter Genua und Groß so dahin, als die Frage aufkommt: was ist das denn da für ein Frachter am Horizont? Nein, kein Frachter, es ist Fastnet Rock. Wir wenden sofort und nehmen den Umweg in Kauf, wir müssen diesen weltberühmten Felsen unbedingt umrunden. Der Felsen steht als Inbegriff für die Regatta, die jedes Jahr von Cowes zum Fastnet Rock und zurück südlich der Scilly Islands nach Plymouth führt. Ich kann mich noch gut an die Berichterstattung der Katastrophe von 1979 erinnern, in welche die 303 beteiligten Yachten liefen, da der drohende Trog nicht rechtzeitig erkannt wurde und der Sturm mit 11 Bft. wesentlich schlimmer ausfiel als erwartet; der tiefste Luftdruck lag bei 979 hPa. Er kostete 19 Menschen das Leben und bei der Rettungsaktion waren mehr als 4.000 Personen beteiligt.

Als wir den Felsen runden, beobachten wir eine kleine Segelyacht, die einen Schwimmer begleitet, der den Fastnet Rock umschwimmt. Unser Kurs führt uns weiter nach Nordwest, wir runden den Mizen Head, das erste Kap der Südwestküste, und  wir segeln weiter bei zunehmendem WNW 4 Bft nach Norden in die Bantry Bay, wo wir nahe Castletownbere wieder an einer Mooringtonne festmachen, wir sind zu müde, um das Dinghi klarzumachen und im Pub ein Bier zu trinken, wir kochen an Bord und sind glücklich.

Wecken um 6 Uhr, wir wollen früh los, denn die Wettermodelle sagen übereinstimmend den Durchzug einer Kaltfront für 15 Uhr voraus. Als Ziel haben wir die Ballinskelligs Bay gesucht, wo wir uns hinter Horse Island vor den NW-Windböen verstecken können. Wir kommen gut voran, runden Dursey Head schon um 09:30, passieren die Inseln The Calf, The Cow und The Bull und können auf unserem Nordkurs immer mehr luven. Auch zeigen die aktualisierten Wetterdaten, dass die Böen nicht mehr mit 32 kn sondern nur noch 22 kn angesagt sind und der Wetterbericht meldet „No gale warnings“, sodass wir uns entscheiden, weiterzusegeln um Bolus Head herum bis Valentia Island, an dessen Westende ein zurzeit nicht betriebene Marina uns guten Schutz verspricht. Kurz vor dem Einlaufen in die Passage zwischen den Inseln erwischt uns dann doch noch die Kaltfront und wir bekommen eine ordentliche Dusche und 6 Bft. auf die Mütze. Dafür werden wir aber belohnt mit einem Fischessen im Royal Hotel Valentia, ein ehrwürdiges altes Hotel in Knight’s Town. Dazu trinken wir ein Guinness und fallen früh in die Kojen, die ganztägige Anspannung beim Segeln der 43 Seemeilen-Etappe fällt von uns ab. Den ganzen Tag haben wir uns gefragt, ob wir das letzte Kap vor dem Durchzug der Front schaffen. Wir sind müde aber zufrieden hier sicher zu liegen.

Die Etappe nach Dingle Harbour ist nur ein kurzes Stück, aber landschaftlich wunderschön. Wir queren bei mäßigem NW-Wind die Dingle Bay bei irischen Wetterbedingungen. Überall Wolken, teilweise bis auf das Meer hinab, dazwischen Wolkenlöcher aus denen die Sonne Teile der Szenerie belichtet bis sich wieder ein kleiner Schauer auf uns ergießt. Langsam gleiten wir an den Klippen unter grünen Wiesen entlang und Olaf kann nicht mehr aufhören zu filmen, wir dürfen auf den Film gespannt sein, vielleicht sehen wir ihn in sieben Jahren. Wir freuen uns auf die Marina, Landgänge sind so leichter möglich, auch wird es die nächsten Tage windiger und wir gönnen uns einen Hafentag, waschen Wäsche und reparieren den Genuaholepunkt, bei dem uns ein Teil des Rutschers abgebrochen ist, sodass die ganzen Kugeln herausrollten. Zum Glück konnten wir die meisten einsammeln und hoffen, dass dieses Mal die Reparatur hält, denn ein einfaches Kleben funktionierte nicht. Nachts wird eine große irische Segelyacht in den Hafen geschleppt und legte neben uns an. Sie wurden von Böen der Stärke 30-50 Knoten erwischt, bargen das Großsegel und konnten dann den Motor nicht starten und mussten eine PAN-PAN-Meldung abgeben, um Hilfe zu bekommen.

Dingle ist bekannt für seinen Delphin „Fungie“, der hier über 30 Jahre in der Hafeneinfahrt lebte und immer wieder mit Touristen und Einheimischen spielte. Eine ganze Tourismusindustrie wurde darum aufgebaut und jeden Tag fahren viele Boote hinaus, um den Delphin zu besuchen. Leider ist er seit letztem Jahr nicht mehr gesehen worden. Die Iren vermuten, dass es ihm wegen der Covid-Zwangspause zu langweilig wurde und er weitergezogen ist.

Wir starten wieder mal früh, denn vor uns liegt ein weites Stück bis nach Kilrush. Leider ist die See durch die starken Winde der letzten Tage so aufgewühlt, dass wir bei dem schwachen Wind von ca. 6 Knoten keine Segel setzen können. So bleibt uns nichts weiteres übrig, als unter Maschine zu fahren. Als wir zwischen Slea Head und Great Blasket Island Kurs Nord legen, wird es mit der Welle noch schlimmer, denn die ca. 2 m hohe See ist kabbelig und läuft aus verschiedenen Richtungen auf uns zu, es wird ein 10 Stunde dauernder Tanz auf den Wellen. Wir schaffen unser Ziel nicht und laufen den von uns gewählten Ausweichhafen Fenit an und sind wiedermal froh in seinem Schutz die nächsten Tage zu verbringen, denn es ist ein Starkwind angesagt. Leider haben wir technische Probleme. Den Wagen des Genua-Holepunktes müssen wir noch einmal reparieren, diesmal mit notdürftigen Schrauben. Das andere Problem lässt sich nicht so schnell lösen, aber ein netter irischer Bootsnachbar hilft uns und wir vermuten, dass die Lichtmaschine defekt ist, denn trotz der 10-stündigen Motorfahrt, war die Batterie nur 2/3 voll. . Es muss nun viel organisiert werden, um Ersatzteile zu beschaffen.

Aber dann kündigen sich unsere irischen Segelfreunde Myra und Paraic an. Wir hatten die beiden in Madagaskar kennengelernt und sind mit ihnen bis Südafrika zusammen gesegelt. Sie nehmen den weiten Weg von Kilkenny bis nach Fenit, jeweils 3-4 Stunden Fahrt, auf sich, um uns an Bord zu besuchen. Wir haben einen tollen, intensiven und lustigen Nachmittag zusammen und wir sind von der Freundlichkeit der beiden und dem Humor überwältigt. Wir bleiben insgesamt drei Nächte in Fenit und werden meinen Freund Jacques sowie Mathilde und Nicola an Bord begrüßen, sie kommen für die nächste Etappe.

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