Überfahrt nach Irland

In Roscoff haben wir das Wetter für die Überfahrt von 239 Seemeilen ausgiebig studiert. Das stationäre Hoch über Großbritannien beschert uns zwar einen frischen Wind für die Querung des Ärmelkanals, aber für die weitere Überfahrt des Bristol Channel sind sehr schwache Winde aus östlichen Richtungen angesagt. Wir haben wenig Wahlmöglichkeiten. Wir wollen unsere Freunde Dorothé und Thomas in Irland treffen, deren Flug vom 17. auf den 21.07. verschoben wurde, und Irland wird voraussichtlich am 19.07. die Restriktionen lockern. Bis dahin besteht auf jeden Fall Quarantänepflicht. Wir versuchen noch vor der Abfahrt die geforderten PCR-Tests für uns zu organisieren, leider scheitern alle Versuche. Es gibt nur eine Teststelle im Umkreis und keine freien Termine, also fahren wir mit dem Taxi direkt zum Labor und versuchen es unangemeldet, wir blitzen ab und entscheiden uns zu einer Überfahrt ohne Tests mit der Folge, dass ich oft bei der Passage darüber grüble, was passiert, wenn wir nicht einlaufen dürfen oder wir eine Quarantäne aufgebrummt bekommen. Marlies` Flug hatte sie auf den 21.07. umgebucht, wie erreicht sie den, wenn wir in Quarantäne müssen…?

Wir verlassen Roscoff um 12:00 Uhr und erreichen Land’s End besser als vorhergesagt bei gutem Wind und ohne Schwierigkeiten, auch wenn wir wegen des starken Schiffsverkehrs und der Klippen vorsichtig sein müssen. Um 03:40 passieren wir die Südtonne „Runnel Stone“ und müssen leider den Motor starten, da der Wind unter 3 kn sinkt. Später lassen wir die Untiefen Tal-y-Maen, Meynek, Shark’s Fin und Kettle’s Bottom an Steuerbord liegen und legen Kurs auf Kilmore Quay an der Südost-Ecke von Irland. Unterwegs besuchen uns immer wieder verschiedene Schulen von Schweinswalen, wir sind wieder fasziniert von ihrem eleganten Spiel um unseren Bug herum und erschrecken ein paarmal, wenn nachts direkt neben uns im Meer ein lautes Schnaufen zu hören ist. Wir erreichen unser Ziel nach 50 Stunden, leider 16 davon unter Maschine, und haben wieder Glück, denn das anstehende Hochwasser erlaubt uns ein direktes Einlaufen und wir müssen nicht auf die Flut warten, um die 80 cm tiefe Flachstelle vor der Hafeneinfahrt mit unserem Tiefgang von 2,30 m zu überwinden.

Dann sind wir von der Lockerheit der Iren überrascht. Die Coastguard erklärt mir bei meinem Anruf, dass sie nicht zuständig sei. Der Hafenmeister Nick will nur unsere Mobiltelefonnummern haben (über die wir später das Tor zum Steg öffnen können) und ansonsten möchte er weder Impfnachweise oder Bestätigungen über die digitale Anmeldung sehen. Wieder eine Premiere in der Pandemie, denn wir sind sicherlich die erste Yacht aus Festlandeuropa, die am ersten Tag der Lockerungen Irland erreicht.

Und dann die große Freude, dass nach so vielen Schwierigkeiten mein Paket mit den Irlandkarten und Handbüchern letztlich in Kilmore Quay angekommen ist. Ich hatte sie direkt in England bestellt, aber wegen des Brexit ist das Paket auf dem Weg nach Berlin in den Niederlanden hängengeblieben. Weil niemand informiert worden war, dass Zoll zu zahlen gewesen wäre, wurden die Karten wieder zurück nach England geschickt. Dann hatte ich vereinbart, dass ich sie mir in England abhole. Das klappte nun nicht, da die Delta-Variante uns nicht erlaubte GB anzulaufen. Nachdem es auch mit Jersey nicht funktionierte, wurden sie nach Irland geschickt.

Wir staunen über den Trubel von ein- und auslaufenden Fischerbooten und freuen uns über das gute Wetter, eine angenehme Begleiterscheinung des ausgedehnten Hochdruckgebietes, wenn wir schon kaum Wind bei der Überfahrt des Bristol Channel hatten. Wir wollen im Restaurant essen gehen, aber leider sind alle Tische reserviert, so bleibt lediglich Asian Food auf der Parkbank, trotzdem genießen wir das Essen bei tollem Blick über das Meer und auf die Little and Great Saltee Islands.

Am nächsten Morgen verlässt uns Marlies, sie war über drei Wochen dabei. Annette und ich bunkern Lebensmittel, Diesel und Wasser und legen ab, als etwas Wind aus Osten aufkommt, um ein kleines Stück bis Dunmore East zu segeln. Dort liegen wir mit mehreren irischen Seglern im Päckchen, was viel Gelegenheit zum Austausch gibt. Am nächsten Morgen besuchen wir den Hafenmeister und sind erstaunt, wie ernst er unsere Ankunft nimmt. Er holt sich seine Vorschriften, fragt uns nach vielen Details und kopiert sich die Impfbescheinigungen. Es gibt also auch in Irland die verschiedenen Mentalitäten, mit den Einreisevorschriften umzugehen. Wir beschließen hierzu-bleiben, denn es weht überhaupt kein Wind. In glühender Hitze wandern wir entlang den Klippen. Am Abend begrüßen wir unsere Freunde Dorothé und Thomas an Bord, das bewährte ANKE-SOPHIE-Quartett ist wieder zusammen. Wir kochen an Bord, denn ganz Irland macht Urlaub an der Küste, wie bei uns zuhause, alle Restaurants sind deshalb ausgebucht und wir wollen nicht schon wieder Fish and Chips vom Imbiss essen.

Am nächsten Morgen starten wir früh, um die Etappe nach Youghal so zeitig zu schaffen, dass wir dort genug Wasserstand haben werden, um die Flachstellen in der Flussmündung zu überwinden. Wir können anfangs mit Spi fahren, dann kommt aber eine unangenehme seitliche Welle auf, die das Großsegel immer wieder schlagen lässt. Wir müssen anluven und kreuzen dann vor dem Wind. Wir erreichen Youghal rechtzeitig mit auflaufendem Wasser. Es ist ein kleines Kunststück, die Mooring-Tonne bei ca. zwei Knoten Strömung zu treffen. Wir haben einen gemütlichen Leseabend an Bord, der Landgang fällt wegen der Strömung aus.

Am nächsten Morgen lösen wir die Leinen um 6 Uhr, denn die Strömung kentert gerade wieder und wir segeln mit ablaufendem Wasser unserem Etappenziel Kinsale entgegen. Dort bekommen wir leider in beiden Marinas keinen Liegeplatz. Es ist alles ausgebucht. Man muss hier wohl einen Liegeplatz im Vorhinein buchen, sonst geht man leer aus. Mit viel Überredungskünsten bekommen wir eine Mooringtonne und blasen das Schlauchboot auf.

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