Deauville/Normandie – Roscoff/Bretagne

Wir haben uns noch einen Tag in Deauville gegönnt, Marlies war tatsächlich bei 16° in der Nordsee baden, Annette und ich haben lieber im legendären Hotel Le Normandy einen „café gourmand“ getrunken.

Am Abend haben wir ein Abschiedsessen mit Göran am Hafen, denn er verlässt uns leider hier.

Am Morgen heißt es wieder ablegen, diesmal bei Hochwasser und so können so wir den Unterschied zur Ebbe feststellen. Es lässt sich gut vergleichen, wenn man die Bilder von der Hafeneinfahrt beider Gezeiten vergleicht. Wir segeln weiter nach Westen die Küste des Departements Calvados endlich einmal unter Spi entlang; wie man sieht mit guter Laune und vielen Gesprächen.

Gegen Abend segeln wir entlang des „Ohama Beach“ und wieder vergegenwärtigen wir uns die historischen Dramen, die sich hier abgespielt haben, als die US-amerikanischen Truppen am 6. Juni 1944 am D-Day landeten. Wir waren erschrocken zu lesen, wie viele Pannen passierten und wie viele Soldaten schon beim Angriff ihr Leben im Meer verloren. So trieben die einzelnen Einheiten bei der starken Strömung ab und erreichten nicht ihre geplanten Positionen oder die meisten Schwimmpanzer sanken in den starken Wellen.

Wir erreichen bei schwachem Wind im letzten Büchsenlicht und passendem Hochwasser den Hafen Grandcamp. Nach einer Nacht, wieder hinter Schleusentoren, decken wir uns auf dem herrlichen Hafenmarkt am Sonntagmorgen mit leckersten französischen Lebensmitteln ein, wie frischem Ziegenkäse und luftgetrockneten Würsten und einer Flasche Calvados, wir testen immer gern die lokalen Produkte.  

Nach 12 Stunden, wieder bei Hochwasser, geht es um das Kap „Pointe De Barfleur“ mit dem großen Leuchtturm herum, die Strudel sind beeindruckend, dann unter Spi weiter nach Cherbourg, dessen Hafen wir ausnahmsweise bei jedem Tidenstand anlaufen können. Die Strömungen im Ärmelkanal sind besonders am „Cap de la Hague“ deutlich zu spüren, weshalb das Timing der Passagen genau geplant sein muss. Wir wollen nicht am Cap de la Hague zu einem Zeitpunkt ankommen, wo 8 kn Strömung gegen uns stehen, dann würden wir rückwärts segeln. Nach dem Tanken verlassen wir Cherbourg so rechtzeitig, dass wir am Kap die Tide kurz nach „slack“ antreffen, also wenn die Strömung gekentert ist und mit uns geht. Das Kap sehen wir kaum, denn der Nebel verschlingt alle Konturen.

Wir hatten im Netz erfahren, dass die Covid-Regeln für Jersey sich am 13.07. ändern sollten und keine Quarantänemaßnahmen für uns erforderlich werden. So haben wir uns spontan dazu entschieden, Saint Helier anzulaufen. Kurz vor Jersey werden wir auf Kanal 16 von der Coastguard angefunkt und nach unserer „intention“ gefragt. Es folgt eine längere freundliche, aber bestimmte Ansage, denn unser Argument, dass sich um Mitternacht die Regeln ändern, wurde nicht akzeptiert, noch gelten die bisherigen Regeln und wir dürfen den Hafen nicht anlaufen. Das Ankern in der Bucht wäre aber erlaubt. Ich finde aber eine Lösung, indem ich mit der Marina telefoniere und so eine Buchung erreiche. Marlies setzt die gelbe Flagge Q, die in diesen Zeiten ihre alte Bedeutung „Quarantäne“ leider wiedergefunden hat. Wir dürfen direkt vor der Hafeneinfahrt am „sill“ am Quarantäneponton festmachen, das für „unautorisierte Ankünfte“, also für uns spontan ohne Voranmeldung Reisende, vorgesehen ist. Von hier können wir bestens den mächtigen Tidenhub von unglaublichen 8 Metern und das Sperrwerk beobachten, auch wenn wir uns wie Aussätzige fühlen. Wir müssen uns umgehend online registrieren und unsere Ankunft anmelden und am nächsten Morgen dürfen wir dann in den Hafen einlaufen und einklarieren, da die gesamte Crew voll geimpft ist, aber wir müssen trotzdem noch einen PCR-Test machen.

Wir schlendern durch die Stadt, genießen das Sitzen in einer der Bars auf den kleinen Plätzen mit einem Bier in der Hand. Ein Spaziergang um die Burg herum beschert uns schöne Aussichten über die Insel. Wir studieren im alten Hafenbecken, der trocken fällt, die sonderbaren Konstruktionen, mit denen die Boote aufrecht gehalten werden.

Am nächsten Morgen haben wir noch etwas Zeit, denn das Auslaufen planen wir erst für 11 Uhr, um möglichst gute und lange Strömungsverhältnisse in Richtung Bretagne zu haben. Unser Soll-Kurs liegt bei 245°, aber tatsächlich steuern wir bei gutem WNW 4 möglichst viel Höhe und halten vor, um eine erwartete Winddrehung auf West und eine entgegenkommende Strömung am Abend ausgleichen zu können. Wir kommen aber so gut voran, dass wir schon um 18:30 in Lézardrieux ankommen. Wir können hoch am Wind den Fluss Trieux 6 sm hinauf segeln bis zum Hafen und sind fasziniert von der schönen Landschaft beidseitig des Ufers. Nach dem Anleger lädt uns Harald an Land zu einem Bier ein, wegen der vielen Gäste im Restaurant kochen wir dann doch an Bord, was wir genießen und schöne Ausblicke ganz für uns haben. Am Abend sehen wir, wie ein Ponton auf den Fluss hinausgefahren wird, später feiern wir mit den Franzosen den Nationalfeiertag mit einem wunderschönen „feux d’artifice“, wie hier das Feuerwerk genannt wird.

Am nächsten Morgen segeln wir den Kanal wieder hinaus und dann entlang der Cote d’Arcor weiter nach Westen und können die „Les Sept Iles“ bei leichtem Nordwind anlaufen. Wir ankern südlich zwischen den Inseln „Iles aux Moines“ und „Ile Bono“. Alle Inseln bis auf die Hauptinsel mit dem Leuchtturm sind ein Naturreservat für Vögel. Wir lauschen in eine ruhige Nacht den Vogelstimmen und sind fast ganz allein für uns, nur am anderen Ende der Bucht ankern zwei weitere Yachten. Hier in Lee über Nacht zu liegen, weckt Erinnerungen an viele Abende vor Anker auf unserer großen Reise. Der Leuchtturm spricht seine Sprache „Blitz (3) 20 Sekunden“, lange verfolgen wir die drei über uns drehenden Lichtstreifen am sternenklaren Himmel.

Eigentlich müssten wir am nächsten Morgen auf die Westströmung bis 13 Uhr warten, lichten den Anker jedoch schon um 11 Uhr für den letzten Schlag dieser Etappe, wieder bei leichtem raumen Wind aus NE unter Spi, bis nach Roscoff, wo Harald uns verlässt (Schluchz) und von wo aus Annette, Marlies und Thomas nach Irland übersetzen wollen.

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