Stralsund – Borkum

Wir haben ANKE-SOPHIE wieder für eine größere Fahrt fit gemacht. Sie hat neue Batterien bekommen. Ich hatte den Ehrgeiz, Lithium-Batterien mit 2 x 150 Ah einzubauen, was nicht so einfach war. Die Kennlinien der Ladegeräte mussten angepasst werden. Und zwar das Netzladegerät, das Ladegerät für die Lichtmaschinen und für den Windgenerator bzw. die Photovoltaik. Zudem habe ich eine neue Hauptverteilung aufgebaut. Die Persenning für das Großsegel war zerschlissen und wir freuen uns nun an einem neuen Lazybag. Und dann wechselten wir die Rollreffeinrichtung für die Genua. Dann musste das Kühlaggregat für den Kühlschrank erneuert werden und die Wasserpumpe vom Wassertank. Nebenbei bekam ANKE-SOPHIE noch jede Menge neuer dimmbarer LED. Insgesamt war ich im Frühjahr 5-mal für je 4 Tage an Bord zum Werkeln. Annette, Thomas und Till haben mir dabei geholfen. Das Schiff ist wieder für eine Langfahrt ausgerüstet mit Windgenerator, Windfahnensteuerung und Dingi mit Außenborder. Dann ist der große Moment da, auf den wir schon mehr als ein Jahr gewartet haben. Es sollte ja letztes Jahr schon nach England, Irland und Schottland gehen und dann traf uns alle die Corona-Pandemie. Auch jetzt sind Länder wie die Niederlande und England noch schwierig, da noch Quarantänemaßnahmen bestehen, wir halten aber an unserem Plan fest und hoffen auf rechtzeitige Erleichterungen bei den Regeln.

Stefan kommt mit Tochter Eira und Freund Artur in Stralsund an Bord, um mit mir die erste Etappe Richtung West zu segeln und das Boot in eine gute Ausgangsposition in der Nordsee zu bringen. Wir legen Freitagnachmittag sofort nach ihrer Ankunft ab, denn der Wetterbericht zeigt einen aufkommenden Starkwind, und zwar nach dem Prinzip der größten Gemeinheit genau aus West, also gegen an mit bis zu 28 kn in Böen. Wir entscheiden uns in die Nacht zu fahren und kreuzen bei noch mäßigem Wind und herrlichem Sonnenuntergang Richtung Darßer Ort. Morgens um 2 Uhr machen wir als einziges Segelboot im Nothafen fest. Müde, aber zufrieden, das erste Stück geschafft zu haben. Wir bleiben für anderthalb Tage hier und machen Spaziergänge durch das Naturschutzgebiet zum Leuchtturm Darßer Ort und entlang dem Strand nach Prerow.

Als der Wind erwartungsgemäß auf 5 Bft abgeflaut ist, trauen wir uns wieder aus unserem heimeligen Nothafen und können nach Rundung des Kaps Warnemünde anliegen.

Die See ist noch ungemütlich rau, aber wir kommen gut und zügig voran und finden den gleichen Platz beim Segelclub Warnemünde im alten Strom, den Stefan und ich vor zwei Jahren schon einmal hatten.

Am nächsten Tag haben wir wieder Glück und können Fehmarn mit direktem Kurs und herrlich leichter Brise ansteuern. Pia kommt uns von Lübeck aus besuchen, um Eira und Artur abzuholen. Es war schön, die beiden dabei zu haben, für sie war es das erste Mal an Bord. Sie konnten so das Schiff und mich kennenlernen und freuen sich auf die nächste Etappe im August in Schottland. Stefan kocht uns allen noch ein köstliches Risotto und dann sind wir alleine. Müde legen wir uns früh ins Bett, denn wir wollen morgen früh starten; bis Kiel ist es ein weites Stück und der Wind soll mittags ganz abflauen.

Wir starten mit einer schönen Brise, passieren die Fehmarn-Belt-Brücke und an der westlichen Ansteuerungstonne höre ich einen Anruf „ANKE-SOPHIE, bitte kommen“. Man klärt uns freundlich aber bestimmt auf, dass wir das vor uns liegende Schieß- und Übungsgebiet der Marine Todendorf nicht queren dürfen, sondern komplett umfahren müssen. So ein Mist, denn das bedeutet, dass wir ca. zwei Stunden nach Nord und dann Nordwest aufkreuzen müssen und dann schläft der Wind auch noch ein. Wir lassen uns aber nicht ärgern und starten den Motor, wir sehen es als Eingewöhnung zum Nordostseekanal (NOK) an, wo ja auch viele Motorstunden auf uns warten.

Dann kommt doch der erwartete Ostwind und wir setzen den Spi. Was für eine Entschädigung! Wir gleiten auf ruhiger See hinein in die Kieler Förde am Leuchtturm Kiel-Friedrichsort vorbei. Wir steuern den Yachthafen Wik an, Stefan will seinen ehemaligen Segelverein SVK besuchen, die Segelvereinigung Kiel. Dort finden wir tatsächlich einen freien Platz für ANKE-SOPHIE und ein netter Nachbar leiht uns seine Zugangskarte, damit wir Toiletten und Duschen nutzen können. Davor zieht es uns aber in den Biergarten „Forstbaumschule“, ein weiterer toller Tipp von Stefan für einen guten Tagesausklang, auch wenn es morgen wieder früh losgehen soll.

Wecken 04:30 Uhr, wir wollen so früh wie möglich die Schleuse Kiel-Holtenau nehmen, um die 52 Seemeilen durch den NOK in einem Rutsch motoren zu können. Es sind immer wieder schöne Momente, wenn man sich aufrafft, früh aufzustehen, wie man am leichten Frühnebel erkennt.

Uns brummen die Ohren nach 12 Stunden Dauerfahrt. Wir haben uns entschlossen, keine Zeit zu verlieren, denn es setzt sich eine schöne Ostwindlage durch, die ideal für uns ist, um die lange Strecke von Cuxhaven bis Borkum zu meistern. Auch wenn wir beide übermüdet sind und uns eine weitere schlafarme Nacht droht, wollen wir ohne Zwischenstopp die Schleuse Brunsbüttel nehmen und gleich die Passage nach Borkum angehen, es sind immerhin zusätzliche 111 sm. Ja, und dann hat die ANKE-SOPHIE nach fünf  Jahren wieder Nordseewasser unterm Kiel und unser Timing ist perfekt. Wir haben noch anderthalb Stunden Strömung gegen uns, aber dann schiebt uns das ablaufende Wasser aus der Elbe in die Nordsee. Als dann auch noch der Wind auffrischt, haben wir 12 Knoten auf der Uhr, welch Freude!

Wir passieren Cuxhaven, den Hauptsitz des TransOcean, dieses Mal ohne einen Besuch, dann die berühmte Kugelbake vor traumhaftem Sonnenuntergang und dann die Außenelbe entlang vorbei an Neuwerk. Es wird dunkel, die Strömung spült uns in die Nordsee, der Wind flaut leider ab und in meiner ersten Nachtwache suche ich meinen Weg beim Fahrwasserwechsel am Scharhörnriff zwischen den vielen Frachtern und Fischern hindurch zur Tonne 1, um dort auf den langen Weg entlang der ostfriesischen Inseln nach Westen abzubiegen. Wir freuen uns an den leichten Winden, die mit 3 Bft. von Ost auf Südost drehen. Wir wechseln uns alle zwei Stunden ab, die Nacht bleibt ruhig und wir kommen nacheinander doch zu etwas Schlaf.

Zum Frühstück um 8 Uhr nördlich vor Norderney gibt es Spiegeleier mit Speck.  Der Wind hat auf Süden gedreht und frischt auf, wir kommen so gut voran, dass wir Borkumriff genau zur rechten Zeit mit gut auflaufendem Wasser erreichen. Mit zwei langen Schlägen kreuzen wir mit 2,5 kn Unterstützung die Ems hoch bis vor die Fischerbalje, ANKE-SOPHIE ist das dritte Mal in Borkum. Gute Erinnerungen steigen auf, z.B. wie uns die Seenotretter mit Wasserfontänen zur Rückkehr nach unserer Weltumsegelung 2016 hier begrüßt haben.

Göran hat die Hafenmeisterin informiert, ein reservierter Liegeplatz liegt für uns bereit und wir werden herzlich gegrüßt. Zwei Stunden, nachdem wir festgemacht haben, dreht der Wind auf West und frischt auf 25 kn auf. Wir hatten das erwartet und sind froh, dass wir für die erste Etappe solch ideale Bedingungen hatten wie selten in der Nordsee. Nach einem Anlegerbierchen und einem Mittagsschlaf genießen wir Kutterscholle im Segelverein. Stefan verlässt das Schiff am nächsten Morgen, um nach Lübeck zurückzukehren, wir hatten eine herrliche Woche zusammen und ich bin dankbar für seine Unterstützung. Ich bleibe noch einen Tag, um Göran, Trixi und Maria zu treffen und reise dann für eine Woche nach Berlin, um eine Woche später zusammen mit Annette wiederzukommen.

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