Rund Usedom im Herbst 2020

In diesem Jahr ist unser Boot ein Zufluchtsort, auf dem wir unsere freien Stunden gerne verbringen, da weite Reisen in Zeiten von Covid nicht so angebracht sind. An Bord sind wir unter uns und können doch unterwegs sein. Noch schöner, wenn gute Freunde uns begleiten. Pia und Stefan aus Lübeck holen uns auf dem Rückweg ihres Urlaubes in Berlin ab und wir fahren gemeinsam nach Stralsund. Stefan wird uns für ein verlängertes Wochenende an Bord begleiten. Das Wetter ist gemischt, wir erwarten zwei Mal stärkeren Westwind, da scheidet ein Törn nach Lübeck aus und wir sind uns schnell einig über das Ziel, rund Usedom zu segeln.

Wir stehen früh auf, um bei Morgensonne um 8:20 die Ziegelgrabenbrücke zu nehmen. Im Strelasund verdunkeln sich die Wolken, doch wir haben einen schönen Tagestörn bis nach Thiessow, wo wir Paul II und Mo besuchen. Bei einer Wanderung zum Kleinen Zicker genießen wir die Blicke auf das Mönchsgut.

Am nächsten Morgen segeln wir an der Insel Ruden vorbei auf die offene Ostsee, der Westwind schiebt uns nach Świnoujście (Swinemünde), wo wir in der Marina einen Platz finden und uns Annette ein gutes Abendessen bereitet, während Stefan und ich uns um den Strom kümmern, der immer wieder ausfällt.

Von Świnoujście geht es durch die Kaiserfahrt ins Stettiner Haff, wir wissen, dass wir uns gut von Stellnetzen in den flacheren Bereichen freihalten müssen und kommen mit angenehmen Kreuzschlägen ins westliche Haff gut gegen den frischen Westwind an. Ja, bis wir feststellen, dass das gesamte Haff durch Netze verspannt ist. Es ist überhaupt nicht mehr möglich, durch das Haff zu kreuzen. Überall versperren uns die Netze die Durchfahrt.  Sie sind extrem schlecht zu sehen, oft nur an kleinen Kanistern, an denen  sie  hängen. Wehe, man segelt dort hinein, uns ist es in einem Moment der Unaufmerksamkeit passiert, zum Glück hatten wir keinen starken Wind und wussten, wie wir das wieder herauskommen. Was man wissen muss, ist, dass zwei neben einander liegende Tonnen mit roten Fähnchen ein Tor markieren, durch das man wieder ins Freie kommt. Wir lernten nun, dass man sich eigentlich nur entlang des Fahrwassers bewegen kann, ein freies Kreuzen über das Haff wird  einem so durch die Vielzahl von Netzen leider fast unmöglich gemacht. Aber wer will gegen einen Westwind durch das Haff motoren? Wir jedenfalls nicht!

Wir passieren die Zecheriner Schleuse und freuten uns eigentlich auf ein schönes Fischessen in Rankewitz. Zu früh gefreut, bei einem Anruf wird uns mitgeteilt, dass das Restaurant in der Nebensaison schon um 15 Uhr schließt, na gut, wir können auch kochen und einen Vorteil hatte der Anruf, uns wurde der Code für die Toiletten verraten, damit wir dort duschen können.

Wir segeln den Peenestrom entlang bis Wolgast, wo Stefan uns leider verlassen muss. Annette und ich segeln bis Peenemünde und schaffen es noch kurz vor Ende ins Historisch-Technische Museum. Wir hatten es schon einmal besucht, sehr interessant ist es, das alte Kraftwerk zu besichtigen, vom Dach hat man einen schönen Blick über den Peenestrom und im Museum erfahren wir manches über die Entwicklung der Raketenantriebe, hier wurde im Auftrag der Nazis die V2 entwickelt.

Da für die kommende Nacht ein starker Südwind mit Böen bis 40 kn angesagt wird, entschließen wir uns uns für einen Tag in Wieck bei Greifswald zu verkriechen. Der Landgang bringt uns zu den Klosterruinen von Eldena, das im 12. Jahrhundert von den Zisterziensern dort gegründet wurde, bei schönem Wetter ein malerischer Ort, von wo aus wir dem Fluss Ryck entlang laufen bis nach Greifswald. Am Abend speisen wir fürstlich im „Büttner’s“. Wie schade, dass das Restaurant schließen wird, aber es wurde uns verraten, dass die Pächter im Pommerschen Landesmuseum in Greifswald weiter kochen werden.

Am nächsten Tag segeln wir durch den Strelasund zurück nach Stralsund, die Herbstferien sind leider zu Ende.

Aber die Saison ist noch nicht zu Ende. Am 9. November habe ich in Neuhof einen Krantermin. Corona hat Deutschland wieder im Griff. Alle Restaurants und Hotels sind geschlossen und die Inseln sind für Touristen gesperrt. Aber zum Glück, anders als im Frühjahr, hat die Landesregierung diesmal Eignern erlaubt, ihr Schiff weiter zu nutzen. Das ist ja nun auch sinnvoll, denn wir halten Abstand und können niemanden anstecken. Till begleitet mich, um mir zu helfen. Wir nutzen das Wochenende für einen letzten Segeltörn um Hiddensee herum. Am Südende von Hiddensee sehen wir mehrere Seeadler.

Als wir in Kloster anlegen sind wir das einzige Boot. Außer ein paar Einheimischen ist niemand unterwegs, als wir für dieses Jahr dem Dornbusch einen letzten Besuch abstatten. Wirklich gespenstisch, die Insel ohne einen einzigen Touristen zu sehen. Extrem gemütlich wird es bei gutem Essen  und Rotwein unter Deck. Der Heizlüfter spendet uns  zusätzliche Wärme.

Am Sonntag, ein letzter Blick zurück nach Hiddensee, dann fahren wir nach Stralsund, denn wir sind mit dem Segelmacher Jan verabredet, der uns über den Winter einige Reparaturen machen wird und uns ein Lazybag nähen will. Dann weiter nach Neuhof, wo eine Menge Arbeit auf uns wartet, um das Boot winterfest zu machen.

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