Sommer 2019 – Göteborg und Skagen

Die „Anke-Sophie“ war 2018 insgesamt 6 Wochen unterwegs an den Küsten Ostschwedens und zwischen den Åland-Inseln. Im Jahr 2019 segeln wir zur westschwedischen Küste. Da Annette und ich zuvor drei wunderbare Wochen mit Wanderungen in der Mongolei und einer Fahrt in die Wüste Gobi verbracht haben, bleiben dieses Jahr nur zwei Wochen auf der „Anke-Sophie“. Wir hatten das Ziel bis kurz vor der Abfahrt offengelassen und die Flüge für einen Crewwechsel in Göteborg erst kurzfristig gebucht. Das wohlbewährte Segelteam übernimmt die erste Woche. Dorothé und Thomas (genannt MacTom) sowie Annette und Thomas. Der Plan ist, dass unsere Frauen nach einer Woche zurück nach Berlin fliegen, während Fernando und Veit nach Göteborg für die zweite Woche anreisen. Die Getränke hatten wir schon Pfingsten gebunkert.

Annette und ich reisen mit der Bahn nach Stralsund und Dorothé kommt mit MacTom und den frischen Lebensmitteln am Samstagvormittag. Das Wetter ist sommerlich, nach anfänglich leichtem Ostwind soll es frischen Wind aus westlichen Richtungen geben, der später auf Ost drehen soll. Alles ist bereits vorbereitet und wir legen direkt nach der Ankunft der beiden ab. Bei leichtem Ostwind segeln wir den Strelasund nach Norden und biegen in die Vierendehlrinne nach Nordosten ab. Zur guten Seemannschafft gehört der Wetterbericht und so hören wir DP07 um 12:45 Uhr, auch wenn wir zuvor auf Windfinder.com die leichten Winde aus Ost bis zum Abend gesehen hatten und dann Schauer in der Nacht angezeigt wurden. Welch eine Überraschung, als wir Herrn Dietzel folgen, wie er mit ernster Stimme von Gewitterböen um 11 Beaufort spricht. Ich bin mir zwar fast sicher, dass dies erst in der Nacht kommen wird, aber der Seewetterbericht nennt leider keine Zeiten. Die Unwetterwarnungen im Radio haben wir leider nicht gehört. Da für die nächsten beiden Tage frischer Westwind angesagt wird, nehmen wir es leicht und bleiben spontan in Barhöft über Nacht. Warum das Risiko eingehen, der Himmel färbt sich zudem schon schwarz, ein Spaziergang entlang des Fahrwassers nach Zingst ist doch auch schön. Wenn nur nicht die Mücken wären. Die haben wir erst in Schweden erwartet, aber nun sind wir schon am ersten Abend total zerstochen, auch wenn abends im Restaurant beim Fischessen neben dem Besteck schon Mückenspray dazu gestellt wird.

Am nächsten Tag legen wir früh um 8 Uhr ab und segeln bei gutem West einen schönen Schlag bis Skanör an der Südwestecke von Schweden, direkt westlich von Trelleborg. Die 61 sm segeln wir in 9 Stunden, das klingt schon viel besser als das Etmal vom ersten Tag mit 9 sm. Wir sind froh in Schweden zu sein, laufen zum Ort und genießen die bunten Strand-Häuschen entlang des Weges und das schöne Licht in der Abendsonne. Hier waren wir lange nicht mehr, zuletzt 2010, also lange vor unserer Weltumsegelung. Auf dem Wasser beobachten wir das bunte Treiben der Kitesurfer, die beim frischen Wind über das Wasser gleiten.

Am Montag zieht es uns wieder früh los, denn wir sehen an den Windprognosen, dass der frischen Brise bald der Atem ausgeht und wir wollen den guten Westwind möglichst weit nutzen, um ohne Bedrängnis die 250 Seemeilen bis Göteborg in dieser Woche zu segeln. Wir segeln den Sund nach Norden, und zwar zwischen Saltholm und Malmö hindurch, dieses Mal wollen wir København auslassen. Auf diesem Weg passieren wir die Öresundbrücke. Ein beeindruckendes Bauwerk, 7.845 m lang, das 2000 eingeweiht wurde – in dem Jahr, als ich zu Arup wechselte, wo man auf die Brücke sehr stolz war. Die Schrägseilbrücke trägt eine vierspurige Autobahn und die darunterliegende Stahlkonstruktion zwei Bahntrassen. Beide tauchen westlich der Insel in einen Tunnel unter dem Sund ein, der vor København wieder austritt. Kurz vor der Insel Ven schläft dann der Wind ein, früher als wir dachten und so schaffen wir nur 30 sm, den Motor wollen wir nur so wenig wie möglich nutzen. Wir finden einen Platz in dem kleinen netten Hafen Bäckviken an der Ostküste von Ven. Das letzte Mal lagen wir an der Westküste in Kyrbacken, von wo wir bis nach Stjerneborg gewandert waren. Dort hatte der bekannte Astronom Tycho Brahe 1584 ein unterirdisches Observatorium gebaut, um es gegen Temperaturschwankungen und gegen Windeinflüsse zu schützen. Dieses Mal wandern wir von Osten auf dieses Ziel zu, leider bei regnerischem Wetter, was uns aber nicht die Laune verdirbt.

Am Morgen legen wir bei trübem Wetter ab und hoffen auf Wind und werden nicht enttäuscht. Zwar kommt er aus NW, aber wir erreichen mit einem schönen Anlieger Helsingør. Immer wieder ein erhebendes Gefühl, durch diese Meerenge zwischen dem Schloss und dem gegenüberliegenden Helsingborg ins Kattegat zu segeln. Einen Kreuzschlag müssen wir an der schwedischen Küste machen, um weiter nach Norden zu kommen. Gerne wären wir nach Anholt gesegelt, aber der Wind kommt gegen an und wird leider am Haken von Kullen so schwach, dass die Segel bei für den Wind zu starker Welle fürchterlich schlagen. Wir entscheiden uns nach Torekov zu motoren. Dieser schöne Ort ist leider von so vielen Touristen (siehe Beispiel unten), überfallen, dass er zur Kulisse verkommt, denn um den Hafen reihen sich die Restaurants. Wir unternehmen Abendspaziergänge zu ruhigeren Plätzen an der Küste entlang.

Die Sonne scheint, bestes Sommerwetter, aber die Windprognosen für die nächsten Tage zeigen lediglich ganz schwache 5 kn aus Osten und wir befürchten lange Flautenpassagen. Aber es kommt ja oft anders. Auf der bleiernen See entdecken wir kurz nach dem Ablegen erste kleine Windfächer und freuen uns, wie die „Anke-Sophie“ selbst mit leichtestem Wind Fahrt aufnimmt. Später setzt sich eine Seebrise durch und wir können die schwedische Küste immer weiter nach Norden segeln, gegen Abend sogar mit 6,5 kn Fahrt. Wir erreichen Träslövslage nach immerhin 40 Seemeilen, wir hatten das nicht erwartet. Welch ein Kontrast! Dieser Hafen ist ein Fischereihafen und es gibt praktisch keine Touristen, uns ist es recht und wir genießen einen ruhigen einsamen Abend im Yachthafen und sind für uns. Wir haben uns angewöhnt, mittags einen guten Salat zu bereiten und abends schön zu kochen. In Schweden sind Restaurants teuer und wir haben Freude am Bordleben.

Auch der nächste Tag zeigt sich von seiner besten Seite. Sonne und Südwind. Wir segeln den ganzen Tag unter Spi. Lediglich zwei Schiften unterbrechen den Lesetag bei ruhigen Winden für einen Moment. Die erste ist von ordentlichen Flüchen begleitet, denn wir handeln uns ein prächtiges Stundenglas ein und brauchen ewig, bis wir den Spi wieder entwirrt haben, zum Glück bei wenig Wind…

Kurz vor unserem Ziel bergen wir den Spi und ankern in traumhaftem Umfeld. Wir haben uns sehr auf die Schären gefreut, die kurz südlich von Göteborg anfangen. Wir sind von den umliegenden Inseln von allen Seiten geschützt und freuen uns auf einen einsamen Abend vor Anker auf 57°33,44‘N 011°47,67‘E. Das Baden wird aber zu einer taktischen Übung, denn je weiter wir nach Norden segeln, umso mehr Quallen sehen wir. Und diese Quallen haben orangfarbene Tentakeln, die gar nicht lecker aussehen. So veranstalten wir ein Hindernis-Schwimmen. Einer an Bord weist den Schwimmenden einen Weg zwischen den Quallen hindurch, um schmerzhafte Berührungen zu vermeiden.

Am Freitag ist unser letzter Segeltag nach Göteborg und wir haben etwas zu feiern. Da MacTom mitten im Sommer Geburtstag hat, hat er diesen schon sehr oft bei uns an Bord gefeiert, so auch in diesem Jahr. Er segelt das Boot bei leichtem Wind zwischen den Schären hinein in den Fjord nach Göteborg. Wir finden einen Platz im Hafen von Lilla Bommen am Mittag, einem extrem heißen Sonnentag. Wir trauen uns erst nach einem Mittagsschläfchen in die Stadt und flüchten in die Markthalle und feiern den Geburtstag zunächst mit Cappuccino und Kuchen. Später geht es dann weiter. Am nächsten Morgen steht der Crewwechsel an. Fernando und Veit erreichen uns problemlos, denn der Busbahnhof ist um die Ecke. Wir bunkern und nehmen Abschied von Annette (schluchz…)  und Dorothé, die den Heimflug nach Berlin antreten. Die erste Woche ist vorbei. Wir hatten ein sehr angenehmes Segeln und haben trotz wenig Wind unser Ziel nach 223 Seemeilen gut erreicht.

Über die zweite Woche hat Fernando einen Bericht geschrieben, den ich unter folgendem Link beilege. Die Etappen waren: Göteborg, Marstrand, Skagen, Læso, Grenaa, Samsø, Agersø, Stubbekøbing, Barhöft, Strasund.

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