Von Frankreich nach Holland

Nach dem einwöchigen Besuch der Kanalinseln segeln wir die Küste entlang nach Nordosten in Richtung Heimat. Die Gefühle des Heimkommens werden stärker, einerseits mit einem weinenden Auge wegen des baldigen Endes unserer wunderbaren Reise, andererseits mit der Vorfreude auf Zuhause und einen neuen Start in das andere Leben. Wir planen einen Stopp in Scheveningen, den Hafen von Den Haag, um dort unsere Freunde Monique und Pieter zu besuchen, die vor einer Woche von ihrer ebenfalls dreijährigen Weltumsegelung zurück nach Hause kamen, und da ich für ein Bewerbungsgespräch nach Frankfurt fahren will. Die berufliche Zukunft klopft an.

Unsere Route zurück durch den Ärmelkanal

Unsere Route zurück durch den Ärmelkanal

Aber zuvor segeln wir bei angenehmen Winden von Alderney nach Boulogne-sur-Mer. Die Gezeitenströmung schiebt uns wieder ordentlich und so erreichen wir nach 160 Seemeilen und 24 Stunden die schöne, alte, kleine Stadt an der Cote d’Opale. Sie liegt in der Normandie, genauer gesagt in der Region Nord-Pas-de-Calais-Picardie an der Stelle, wo die Liane in den Ärmelkanal mündet. Boulogne ist der größte Fischereihafen Frankreichs. Wieder streift uns die Geschichte, denn die Stadt war schon unter den Römern und Kelten ein wichtiger Hafen. Napoleon, wir waren oft auf seinen Spuren, bereitete 1804 hier eine Invasion nach England vor, die aber bekanntlich nie erfolgte, da er seine Armeen an die Donau verlegen musste. Wir finden einen guten Platz in der Marina. Wieder beeindruckt uns der gewaltige Tidenhub und wir beobachten die unterschiedlichen Ansichten des Hafens bei Ebbe und Flut. Wir haben Boulogne als Hafen gewählt, da er mit seinem Tiefwasser nicht trockenfällt und zu jedem Zeitpunkt angelaufen und verlassen werden kann.

Das Hafenbecken bei Ebbe

Das Hafenbecken bei Ebbe

und bei Flut

und bei Flut

Die Marina bei Ebbe

Die Marina bei Ebbe

und bei Flut, die Wanne ist wieder voll

und bei Flut, die Wanne ist wieder voll

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Impressionen im Tidenbereich

Impressionen im Tidenbereich

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Marktplatz von Boulogne-sur-Mer

Marktplatz von Boulogne-sur-Mer

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Blick auf die Basilika

Blick auf die Basilika

Wir verlassen Boulogne kurz nach der Ebbe, um weiter nach Holland entlang der Küste zu segeln. Wir fahren küstennah und meiden das Verkehrstrennungsgebiet, in dem die Tanker und Frachter wie an einer Perlenschnur aufgezogen an uns vorbeiziehen. Wir runden das Cap Gris-Nez und passieren Calais, die engste Stelle des Ärmelkanals. Weiter geht es vorbei an Dunkerque und bei Nacht entlang der großen Windparks vor der belgischen Küste. Vor der Küste Hollands liegen Hunderte von großen Schiffen auf Reede, wir nähern uns dem Europort Rotterdam. Spannend wird es, als der Wind auffrischt und wir vor Hoek van Holland das große Fahrwasser nach Rotterdam bzw. die Mündung von Rhein und Maas queren müssen. Über UKW-Kanal 03 stimmen wir unsere Weiterfahrt mit dem Traffic Centre Maas Entrance ab. Zum zweiten Mal in dieser Woche kreuzt uns die AidaPrima, diesmal muss sie uns nicht wie beim letzten Mal ausweichen, denn hier hat sie Vorfahrt.Den Haag1 003

Tanker und Frachter auf Reede

Tanker und Frachter auf Reede

und plötzlich fährt dieser vor uns durch

und plötzlich fährt dieser vor uns durch

Bei der Einfahrt nach Scheveningen erreicht uns doch noch der Durchgang einer Starkwindfront und wir haben ein schwieriges Anlegemanöver in der Marina, denn aus Brandschutzgründen müssen alle Schiffe mit dem Bug zur Ausfahrt anlegen, das bedeutet aber für uns, dass wir rückwärts gegen den 30 Knoten starken Wind anlegen müssen. Am Pier helfen uns Monique und Pieter, die uns mit wehenden holländischen Flaggen und lauten Tröten begrüßt haben. Klare Signale des Heimkehrens. Wie groß ist die Wiedersehensfreude, denn wir haben uns zuletzt vor einem halben Jahr in Südafrika gesehen! Sie wählten den Weg über die Karibik, während wir den direkten Weg durch den Atlantik genommen haben. Hier kreuzen sich unsere Wege und wir haben viel zu erzählen und zu feiern.

Vor der Wohnung von Monique und Pieter, aber sie ist noch vermietet...

Vor der Wohnung von Monique und Pieter, aber sie ist noch vermietet…

Binnenhof und Parlamentsgebäude

Binnenhof und Parlamentsgebäude in Den Haag

Der achteckige Turm mit dem Büro des Ministerpräsidenten

Der achteckige Turm mit dem Büro des Ministerpräsidenten

Ein Ruderboot als Kunstobjekt

Ein Ruderboot als Kunstobjekt

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Internationale Gerichtshof

Internationaler Gerichtshof

Die beiden führen uns am nächsten Tag durch ihre Heimatstadt und zeigen uns die Altstadt, den Regierungssitz, den Weltgerichtshof und ihre Wohnung mitten in der Stadt. Leider nur von außen, denn sie ist noch vermietet. Wir sind froh, dass unsere Wohnung in Berlin gerade wieder frei ist, nachdem die Mieter wie geplant ausgezogen sind. Bernhard hat für uns die Abnahme gemacht und wir sind ihm sehr dankbar dafür und für das Viele, von dem er uns den Rücken freigehalten hat..

Wir fahren zum Strand, besuchen das in den Dünen liegende Museum „Beelden aan Zee“, das seine Ausstellung halb drinnen und halb draußen zeigt. Wir laufen auf das lange Pier, um uns den Wind um die Ohren pfeifen zu lassen, und haben von dort einen guten Blick auf das Kurhaus. Wir besuchen ein Strandcafé, um neben einem Aperitif holländische „Bitterballen“ zu probieren und gehen im Hafengebiet „Schol“ und „Lekkerbek“ essen. Ein herrlicher gemeinsamer Urlaubstag der wiedervereinten Weltumsegler.

Im Museum „Beelden aan Zee“,

Im Museum „Beelden aan Zee“

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Wieder mal Brotfrüchte

Wieder mal Brotfrüchte

Märchenfiguren am Strand

Märchenfiguren am Strand

Das Kurhaus

Das Kurhaus

Tags darauf bekommen wir Besuch von unseren Freunden Beate und Bernd, die zufällig eine Radtour unternehmen und einen Stopp in Scheveningen einlegen. Für uns ist es der Test, wie es sein wird, Freunde nach drei Jahren wiederzusehen. Wir sind sehr erstaunt über das Ergebnis. Es ist, als ob wir uns letzte Woche gesehen hätten, kaum zu glauben. Ist Zeit eine nicht fühlbare Einheit?

Beate und Bernd besuchen uns auf ihrer Radtour

Beate und Bernd besuchen uns auf ihrer Radtour

Annette freut sich: Radfahren klappt noch gut nach 2,5 Jahren

Annette freut sich: Radfahren klappt noch gut nach 2,5 Jahren

Die Tage in Scheveningen verbringen wir mit Bordarbeiten. Die Dieselfilter müssen gewechselt werden und beim Probelauf der Maschine nach dem Entlüften sehe ich eine Undichtigkeit an der Wasserpumpe. Ich hatte sie in Neuseeland überholt und nun schon wieder undicht? Ich will die kleinen M4-Messingschräubchen des Pumpendeckels lösen und dabei fallen mir die Schraubenköpfe entgegen. Von sechs Schrauben zerfallen vier beim Lösen. Was ist denn das? Hat das tropische Salzwasser nun Messingschrauben zerfressen? Gut, dass wir in einer Marina in Holland sind und ich neue bestellen kann. Von den vier gebrochenen Schrauben kann ich drei aus dem Pumpengehäuse herausdrehen, die vierte muss ich leider ausbohren und das Gewinde nachdrehen. Hoffentlich wird das halten.

Abends kommen Monique und Pieter zu uns an Bord. Im Rahmen der Wiedereingewöhnung gibt es als Vorspeise u.a. Rügener Leberwurst von Paul aus einer Landschlachterei, Annette kocht für uns alle Labskaus und wir zeigen unseren Freunden, was die norddeutsche Küche zu bieten hat.

Labskaus

Labskaus

Wir freuen uns auf unsere nächste und letzte Crew. Kathrin, Dorothé und Thomas kommen morgen bzw. übermorgen, um mit uns die beiden letzten Wochen gemeinsam zurück nach Deutschland zu segeln. Der Plan ist, am 31.07.2016 in Stralsund in unserem Heimathafen Dänholm Nord einzutreffen, denn unser Yachtclub Leipzig will uns dort ab 16:00 mit einem Hafenfest begrüßen.

9 Antworten zu “Von Frankreich nach Holland

  1. Ihr Lieben, nun nähert sich Eure große Reise und das Abenteuer Eures Lebens dem Ende, kaum zu glauben, dass die Jahre schon vorrüber sind. Thomas schaut sogar schon wieder nach einem Job an Land, kaum zu glauben, dass es bald keine Bilder und Erzählungen mehr aus fernen Ländern geben wird, Schade!
    Wir wünschen Euch für die letzten Seemeilen alles Gute, Wind und Gesundheit. Natürlich würden wir Euch gerne im Heimathafen mit inEmpfang nehmen, doch verlassen wir den Alten Kontinent am 21.7. für 4 Wochen Richtung Kalifornien (wenn auch nur mit dem Flugzeug…)
    Wir sehen uns dann alle hoffentlich wohlbehalten in Berlin wieder. Lasst es Euch bis dahin gut gehen Silke, Ben, Rebecca & Andreas

    • Ihr Lieben,

      schön, von euch zu hören, danke für die lieben Zeilen. Wir werden die nächsten, die letzten zwei, Wochen zu fünft segeln, wahrscheinlich über das Ijsselmeer und dann über Borkum, Cuxhaven, NOK, Kiel, Fehmarn nach Stralsund. Euch einen wunderschönen Urlaub in der neuen Welt und wir freuen uns, euch dann wieder zu sehen, wenn ihr zurück seid. Alles Gute + Liebe

      Mit lieben Grüßen

      Thomas + Annette

      Thomas Herter

      http://www.ankesophie.wordpress.com

      mobil 0049 172 325 8239

  2. Hallöle,
    nun nahen doch tatsächlich die letzten Meilen… unglaublich!
    Wir drücken Euch weiterhin fest die Daumen und wünschen für den Termin in Frankfurt viel Erfolg 🙂

    Liebe Grüße,
    Flo&Co

  3. Liebe Annette und Thomas – ist das spannend! Ich fibere ja mit auf den letzten Seemeilen und empfinde dieses gespaltene Gefühl zwischen Freude und Beängstigung…der Empfang in Stralsund wird sicherlich grandios, schade, dass ich erst an diesem Tag mit dem Fahrrad Richtung Stralsund aufbreche…so schnell bin ich dann doch nicht! Aber wie all die anderen wünsche ich für diese letzten paar Meilen genug Wind in den Segeln, handbreit Wasser unterm Kiel und immer genug Rum rumstehen…meinen Anker habe ich gelegt – jetzt schaukele ich im ruhigen Gewässer und lass den Tag vergehen…hoffentlich geht das so einfach.
    Ich freu mich auf ein Wiedersehen – kommt erst mal an und zur Ruhe, dann sehen wir uns und weiter.
    Liebe Grüße wie immer von angela

  4. Hallo, ihr Lieben,
    schön, mal wieder eine Karte zu sehen. Den Haag ist eine Reise wert, scheint mir!
    Sehr gefallen haben mir die Fotos „Impressionen im Tidenbereich“!
    Vorstellungsgespräch!! Wie aufregend! Hattest du für solche Fälle einen Anzug an Bord??? Wir wünschen alles, alles Gute und drücken fest die Daumen!
    Liebe Grüße von Lisa und Andreas

    • Liebe Lisa und Andreas, danke für deine Nachricht und Frage: Ich habe mich in Guernsey einfach einmal neu neu eingekleidet 

      Liebe Grüße  aus Borkum, wo wir heute morgen um 6 Uhr angekommen  sind. Thomas und Annettewww.ankesophie.wordpress.com

  5. Lieber Thomas und liebe Annette, ich schwanke zwischen der riesigen Freude, euch in weniger als zwei Wochen auf Dänholm in die Arme schließen zu dürfen und dem Bedauern (siehe Andreas‘ Beitrag), danach keine abenteuerlichen Episoden lesen und keine atemberaubenden Fotos mehr sehen zu können, wenn ich den Laptop aufklappe. Es wird also auch für uns Landratten eine Umstellung! Zeit, euch noch einmal unendlich und aus tiefstem Herzen zu danken für all diese wundervollen Beiträge im Blog, mit denen ihr uns über drei Jahre hinweg unterhalten, aber auch informiert und über euer Wohlergehen auf dem Laufenden gehalten habt! Solch eine Freude! Jedes Mal! Fühlt euch vorerst noch virtuell umarmt – von eurem Bernhard

    • Lieber Bernhard,vielen Dank für deine lieben Zeilen. Wir sind heute morgen um 6 Uhr in Borkum angekommen, wo wir vor drei Jahren Deutschland verlassen haben. Wir freuen uns auch schon auf euch!!!

      Liebe Grüße Thomas und Annettewww.ankesophie.wordpress.com

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