Kanalinseln

Wir legen in Camaret-sur-Mer so ab, dass wir im Chenal du Four zwischen Ouessant und Festland die Strömung mit uns haben sowie die ersten Stunden entlang der Nordküste der Bretagne. Zunächst haben wir abflauende Winde, dann aber frischt der Westwind auf und wir sehen Guernsey früh morgens vor uns. Das Timing ist perfekt, denn über Funk erfahren wir, dass wir kurz vor Hochwasser direkt in die Marina „Queen Elisabeth II“ von St. Peter Port einlaufen können; die „Victoria Marina“ ist leider zu flach für uns. Wir hatten zwei Tiden mit uns und eine gegen uns, sodass wir die 132 Seemeilen in 22 Stunden, also trotz wechselhaftem Wind durchschnittlich mit 6 Knoten über Nacht, gesegelt sind. Der Tidenhub ist beachtlich. In St. Peter liegt er bei 7 Meter während Springzeit und 5 Meter bei Nippzeit. Wir sind froh, dass wir in den Gewässern um die Kanalinseln während Nippzeit unterwegs sind, denn dann fallen die Strömungen etwas geringer aus. Wir staunen über die Höhenunterschiede der Tide. Mal ist das Hafenbecken voll und wir schwimmen oben, dann sinkt der Wasserspiegel wieder bis zur Schwelle in der Einfahrt, die bei halbem Tidenhub auf 4,50 m liegt. Außerhalb weicht das Meer weiter zurück und die Felsen vor der Hafeneinfahrt fallen trocken. Bei Ebbe könnten wir trockenen Fußes vor der Hafeneinfahrt spazieren gehen. Über das Wetter schreiben wir lieber nicht, denn es hat über Nacht lange genieselt, was bei der Kälte besonders unangenehm wirkt, oft haben wir Nebel, eben Kanalinselwetter.

Route Kanalinseln

Unsere Route durch die Kanalinseln

Nach St. Peter Port auf Guernsey

Nach St. Peter Port auf Guernsey

Die Hafeneinfahrt St. Peter Port der Marina Elisabeth II bei Ebbe

Die Hafeneinfahrt von der Marina Queen Elisabeth II in St. Peter Port bei Ebbe

und bei Flut

und bei Flut

Blick nach Herm bei Ebbe

Blick nach Herm bei Ebbe

und bei Flut

und bei Flut

Blick durch die Marina, Anke-Sophie liegt ganz rechts im Bild

Blick durch die Marina, Anke-Sophie liegt ganz rechts im Bild

Blick von oben bei Ebbe

Blick von oben bei Ebbe

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"The Pool" vor der Victoria Marina

„The Pool“ vor der Victoria Marina

Wir spazieren durch St. Peter Port, das auf uns wirkt wie eine kulissenhafte Museumsstadt. Die alten Häuser sind fast alle gut saniert, aber leider teilweise mit hässlichen Neubauten durchsetzt. Besonders fallen die vielen teuren Autos wie Rolls-Royce und Jaguar auf.

St. Peter Port auf Guernsey

St. Peter Port auf Guernsey

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Die Vogtei Guernsey hat einen Sonderstatus. Sie ist direkter Kronbesitz, zählt aber weder zum Vereinigten Königreich noch zur Europäischen Union. Guernsey war schon in der Steinzeit besiedelt und St. Peter Port in der Antike schon römischer Handelshafen. Er gehörte zunächst zur Bretagne und dann zur Normandie. 1066 eroberte Wilhelm der Eroberer England und seitdem gehören die Kanalinseln der britischen Krone. Ein Großteil des Geldes kommt sicherlich durch die steuerlichen Vergünstigungen und durch den einen oder anderen Steuerflüchtling.

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Wir wandern durch den Norden der Insel

Mit dem Inselbus fahren wir zum Nordostkap und wandern von Bordeaux Harbour bis Pembroke Bay. Die Dünenlandschaft erinnert uns an die Heimat, wir kommen ja nun näher.Guernsey 016 Guernsey 020 Guernsey 023

Wir verabschieden uns von Paul, der uns 2 ½ Wochen begleitet hat. Wir werden ihn vermissen. Dann verlassen wir Guernsey bei Hochwasser, wir haben 3,5 Meter über der Schwelle zum Hafenbecken und segeln die 8 Seemeilen zur Nachbarinsel Sark mit 3 Knoten Strömung. Als Ziel haben wir uns die Bucht „La Grève de la Ville“ gewählt, da wir dort ruhig in Lee liegen und der Schwell aus Südwest am geringsten sein soll. Die Bucht liegt wildromantisch auf der Landseite von Klippen und von der Seeseite von Untiefen und Felsinseln umgeben. Über uns kreisen die schreienden Möwen. Für Besucher stehen 6 Mooringtonnen bereit, wir liegen sehr geschützt mit vier anderen Yachten. Das Anlanden mit dem Dinghy ist nicht einfach, denn wir müssen es sehr weit den Kieselstrand hochschleppen, damit es sicher vor der nächsten Flut ist. Über eine Klippe ragt die Spitze des Leuchtturms. Als sich gegen Abend Nebel über die Insel legt, beginnt ein Nebelhorn regelmäßig einen Doppelton zu pfeifen. Draußen wird es bei Nieselregen ungemütlich und wir verkriechen uns gemütlich unters Deck.

von Guernsey nach Sark

Von Guernsey nach Sark

Blick aus der Bucht „La Grève de la Ville“

Blick aus der Bucht „La Grève de la Ville“

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Über das Wochenende findet auf Sark ein Folk Festival statt. Auf der Insel sind Hunderte von Besuchern, die sich an mehreren Stellen auf der Insel in Zeltlagern eingerichtet haben. Wir besuchen die wunderschönen Gärten von La Seigneurie, dem Sitz des Inseloberhauptes, und wandern über die kleine autofreie Insel, die uns nicht nur deshalb an Hiddensee erinnert.Sark 003

Die Gärten von "La Seigneurie"

Die Gärten von „La Seigneurie“

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Drei Jahre unterwegs – ob wir uns verändert haben?

Am Sonntag, dem 2. Juli, endlich ein lang ersehnter Sonnentag, segeln wir nach Alderney. Wir verlassen unsere Bucht entsprechend der nautischen Empfehlungen 2 ½ Stunden vor Hochwasser, um die 20 Seemeilen entfernte Bucht Braye Harbour vor Alderney 1 ½ Stunden nach Hochwasser zu erreichen. Die Strömung in The Swinge, die Meerenge zwischen Alderney und Burhou, soll bis 3 Stunden nach Hochwasser in unsere Richtung, also Nordost strömen. Die Strömung kann ähnlich wie im Alderney Race über 6 Knoten betragen und es gibt zahlreiche Overfalls, wie die stehenden Wellen genannt werden. Nicht umsonst wird das Seegebiet der Kanalinseln als das schwierigste ganz Europas bezeichnet. Wir sind mal wieder zu schnell, obwohl wir nur die Genua gesetzt haben und auf das Großsegel verzichteten. Es wehen in Böen 22 Knoten, also Windstärke 6, vor der auch der Wetterbericht warnt. Dadurch kommen wir eine Stunde früher in The Swinge an, als geplant und staunen über die aufgewühlte See und unsere eigene Geschwindigkeit über Grund, die oft über 10 Knoten beträgt. Wir sind sehr froh, als wir hinter dem gewaltigen Bauwerk des langen Wellenbrechers gut geschützt an einer Mooringtonne liegen und unser Abendessen bereiten. Natürlich nicht ohne den notwendigen „Anleger“ mit dem Dankspruch an Neptun.Alderney 021 Alderney 034

Von Sark nach Alderney durch "The Swinge"

Von Sark nach Alderney durch „The Swinge“

Die Einfahrt zur "The Swinge"

Die Einfahrt zur „The Swinge“

Die See wird unruhig

Die See wird unruhig

Blick auf Alderney von "The Swinge"

Blick auf Alderney von „The Swinge“

Wir rasen im Strom

Wir rasen im Strom

Blick nach achtern in die "overfalls"

Blick nach achtern in die „overfalls“

Wir besuchen das Städtchen St. Anne, das wesentlich abgeschiedener wirkt als St. Peter Port und gehen in einem indischen Restaurant, gemütlich eingerichtet in einem viktorianischen Haus, essen. Es leben nur 2.000 Einwohner auf Alderney, während auf Guernsey 65.000 leben. Alderney liegt direkt im Ärmelkanal nördlich der anderen Kanalinseln und der Bucht von St. Malo. Wie die anderen Inseln war Alderney im zweiten Weltkrieg von den Deutschen besetzt. Überall sind die Bunkeranlagen aus dieser Zeit zu sehen. Wir unternehmen zwei Wanderungen. Eine in östliche Richtung zum Fort Albert und eine in westliche Richtung entlang der vier Forts Doyle, Platte Saline, Tourgis und Clonque, alles lang zurückliegende Verteidigungsanlagen. Wir genießen das Wandern an der wilden Küste, wenn auch bei bedecktem Wetter. Nur wenige Menschen sind unterwegs. Früher als geplant verlassen wir die Insel schon am Montag, dem 4. Juli, da wir in der Wochenmitte eine Flaute erwarten und am Samstag in Scheveningen sein wollen.

St. Anne auf Alderney

St. Anne auf Alderney

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4 Antworten zu “Kanalinseln

  1. Liebe Annette lieber Thomas,
    beeinduckende Aufnahmen von herber Schönheit und beeindruckend wie ihr eure Aufenthalte im Kanal beschreibt, erinnert mich das genau daran wie ich Europa zurZeit erlebe. Wir tragen das Erbe und aber will ich darüber hinaus denken und handeln wie das für unsere heuteige Zeit notwendig ist, die Geschichte weiterzutragen (am Wochenende bin ich für 4 Tage im Norden von England und bereite mich auf die heftigen Diskussionen im Pub vor). Gerade wir Deutsche, über unsere Vergangenheit über die Ihr ja dort ständig stolpert und wir heute? Yes Europa go Europa go! Unsere Abgeordneten in Brüssel lernen hoffentlich aus dem Bexit!?
    Gratulation zum drei-jährigem wenn ich hier in Berlin oft gefragt werde wann und was ich im Urlaub mache erzähle ich ganz stolz, dass ich unsere Freunde nach drei-jähriger Weltumsegelung in Den Haag treffe und sie in den Heimathafen Stralsund mit Dorothe und Kathrin begleiten werde.
    liebe Grüße von MCTom

    • Lieber Thomas, danke für deine Nachricht. Ja wir kommen der Tagespolitik langsam näher, aber langsam. Wir sind entwöhnt nach 3 Jahren hauptsächlich mündlicher Überlieferung von Nachrichten über Freunde. So, wie eben früher Nachrichten um die Welt zogen. Nicht in Millisekunden sondern in Jahren… Wir freuen uns ganz toll auf euch, die letzten dann gemeinsam zu segelnde Seemeilen und auf die Gespräche, dann auch sicherlich etwas Politik, Weltpolitik. Viel Spaß in UK. Du musst dann erzählen

      Liebe Grüße Thomas und Annettewww.ankesophie.wordpress.com

  2. Ihr Lieben!
    Ich jetzt mal hier im Netz und nicht mit euch auf der Anke- Sophie! Bedauerlich das! Ich gewöhne mich nur schwerlich. Paris, als Zwischenstation nach Hause war schön und teuer und anstrengend – gerade wenn man wie ich aus der Einsamkeit des Meeres zurück kommt. (Ihr werdet es auch noch erleben). Und. Lasst es euch noch einmal schreiben; es war wunderbar mit euch. So bleibt mir die Vorfreude auf ein baldiges Wiedersehen. Liebe Grüße von Paul

  3. Ihr Lieben,
    vielen Dank für die schönen Fotos, für mich v.a. nat. die Gartenbilder!Das Haus scheint ja etwas üppig, aber der Garten sieht herrlich aus. Schön, dass ihr euch landschaftlich so langsam wieder an die Heimat gewöhnen könnt.
    Ob ihr euch verändert habt? Davon gehe ich stark aus! So viele Situationen gemeistert, so viel von ganz anderer Warte aus gesehen, viele Erfahrungen im wahrsten Sinne des Wortes, das wird sich eingprägt haben. Wie es sich auf eurer Alltag auswirkt?
    Das würde ich später gern erfahren!
    Sehr herzlich Grüße von
    Lisa

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