Azoren Teil 1 – Faial und Pico

Wir genießen das langsame Ankommen auf Faial. Unser erstes Ziel ist natürlich „Peter Café Sport“, die legendäre Seglerkneipe überhaupt. 1918 gegründet war sie zunächst internationaler Treffpunkt für Seemänner, Walfänger und Angestellte der Telegrafengesellschaften. Der Sohn des Gründers wurde von einem englischen Kapitän mit dem Spitznamen Peter bedacht; seitdem heißt die  Kneipe eben so und ist seit vielen Jahrzehnten beliebter Treffpunkt der segelnden Atlantiküberquerer wohl dekoriert mit Hunderten von Wimpeln. Natürlich trinken wir das Traditionsgetränk Gin Tonic.

Die Seglerkneipe "Peter Café Sport"

Die Seglerkneipe „Peter Café Sport“

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Unser aktuelles Zuhause: Marina Horta

Blick aus der Marina Horta auf den Pico, man beachte die Molenbilder

Blick aus der Marina Horta auf den Pico, man beachte die Molenbilder

Horta war schon immer internationaler Anlaufpunkt. Zunächst als Anlauf- und Versorgungspunkt der Handelssegler, z.B. lief der große Seefahrer und Entdecker James Cook Horta 1775 an. 1804 wurde in den Walfang investiert. 1893 wurde es das Zentrum der internationalen Telegraphie, denn hier liefen 15 Atlantik-Kabelstränge zusammen. In den 1930er Jahren landeten in Porto Pim die Transatlantik-Wasserflugzeuge, die legendäre DO-X, die zwölfmotorige Dornier Wal, mit 70 Passagieren das größte Wasserflugzeug der Welt, um aufzutanken.

Wir schlendern durch die Straßen, schauen uns die alten Fassaden an, denen man den damaligen Reichtum ansieht, der der Stadt durch verschiedene Wendungen ihrer Geschichte gebracht wurde.

Dieses Mal sind es nicht die Balkone, die mich faszinieren, sondern die Vielfältigkeit der Mosaike, mit denen die Gehwege geschmückt sind. Ich lasse die Bilder sprechen:

Mosaike in Horta

Mosaike in Horta

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Na, was kommt da von See?

Na, was kommt da von See?

starker Schwell...

starker Schwell…

Wir besuchen viele Cafés. Ein Espresso kostet hier 50 Cent, wir wissen nicht, was man zurzeit in Berlin dafür bezahlen muss. Das Boot nutzen wir als Ferienwohnung und erfreuen uns an den Annehmlichkeiten, in einer Marina zu liegen. Aber das Wetter ist wie auf der Ostsee im Frühjahr, tagsüber 15° und nachts 12°C, dazu immer mal wieder Regen. Wir lassen uns aber davon nicht betrüben, der Heizlüfter (den haben wir zum Glück dabei) macht es gemütlich, wenn draußen der Regen aufs Deck trommelt.

Drachenbaum im Park, mal nicht bei Regen

Drachenbaum im Park, mal nicht bei Regen

Ab und zu gehen wir essen und probieren die portugiesische bzw. azoreanische Küche aus. Annette liebt es ja deftig, so kommen Morcela (Blutwürste, an dieser Stelle einen besonderen Gruß an schlowly) oder Linguica (grob geräucherte Schweinswurst) gerade recht, während ich es „konventionell“-herzhaft mag, z.B. Alcatra (in Zwiebeln, Kohl, Speck und Weißwein eingelegtes und im Tontopf stundenlang geschmortes Rindfleisch). Aber auch die Gaumenfreuden aus dem Meer sind uns willkommen: Lapas (Gemeine Napfschnecke, Muscheln mit orangefarbenem Fleisch) oder Bacalhau (eingesalzener in der Luft getrockneter Kabeljau, der Stockfisch), das Nationalgericht gibt es in 300 Zubereitungsarten.

Wir mieten uns früh morgens ein Auto und fahren zuerst ins Landesinnere auf den Vulkan an den Rand der Caldeira. Wir wollen den Wolken zuvorkommen, die oft den Gipfel umwabern. Oben eröffnet sich uns ein fantastischer Blick über die grünen Wiesen, die so typisch mit Steinmauern und (leider noch nicht blühenden Hortensien-) Hecken eingefasst sind, hinunter zum Meer und hinüber zum nahen Pico, dessen gleichlautender Berg sich immer zumindest teilweise in Wolken gehüllt  zeigt. Wir wandern um die Caldeira im Uhrzeigersinn immer auf dem Grad entlang herum, die Blicke auf der linken Seite die Hänge hinunter zum Meer gerichtet und rechts steile Abhänge hinunter in den Vulkankrater.

Blick von der Caldeira hinüber nach Pico

Blick von der Caldeira hinüber nach Pico

Blick in den Krater vom Grat

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Blick in den Krater vom Grat aus

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Und noch einmal der Blick über die Wiesen

Und noch einmal der Blick über die Wiesen

hinüber zum Pico, wie immer in Wolken

hinüber zum Pico, wie immer in Wolken

Verlassenes Haus am Wegrand

Verlassenes Haus am Wegrand

Anschließend umrunden wir die Insel mit dem Auto und besuchen den an eine Mondlandschaft erinnernden Vulkan Capelinhos, der 1957 westlich von Faial nach einem Ausbruch zunächst unter der See über ein Jahr lang Lava spuckte. Der Westen der Insel musste damals evakuiert werden, ganze Landstriche wurden mit einer 1,5 m dicken Ascheschicht bedeckt. Die See kochte durch die austretende Lava; die neu entstandene Vulkaninsel vor der Küste wuchs nach und nach mit Faial zusammen. Vor Kurzem wurde ein modernes Museum unterirdisch gebaut, um die einmalige Landschaft nicht zu stören. Es erklärt die Entstehungsgeschichte dieses Vulkans und anderer. Der ehemalige Leuchtturm an der Ostseite Faials steht nun an Land, eingesunken in die Asche- und Steinschicht.

Der neuenstandene Vulkan Capelinhos, der zerstörte Leuchturm und das neue Museum

Der neuenstandene Vulkan Capelinhos, der zerstörte Leuchturm und das neue Museum

Die Mondlandschaft

Die Mondlandschaft

Das Museum von innen

Das Museum von innen

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Ein anderes Denkmal der Geschichte ist die zum Museum umgebaute Walfischfabrik.  Zwischen 1943 und 1974 wurden hier jährlich 50 – 60 Pottwale zerlegt. Wir empfinden es heute als grausam, aber zwei Originalfilme verdeutlichen, wie damals die Wale mit der Handharpune erlegt wurden und wie anschließend alles, aber auch alles von den Walen verarbeitet wurde, z. B. wurden Fleisch, Knochen und Blut zu Mehl als Tierfutter und Dünger verarbeitet. Die Fabrik ist originalgetreu erhalten samt der monströsen alten Maschinen.

Porto Pim und die Marina von Horta im Hintergrund

Porto Pim und die Marina von Horta im Hintergrund

Hier wurden die erlegten Wale heraufgezogen, um zerteilt zu werden

Hier wurden die erlegten Wale heraufgezogen, um zerteilt zu werden

Die Mahlwerke in der Fabrik

Die Mahlwerke in der Fabrik

Blick von der Fabrik nach Porto Pim

Blick von der Fabrik nach Porto Pim

Wir haben Glück, denn vom 6. – 8. Mai, dem sechsten Wochenende nach Ostern, wird in Horta das Fest „Em Honra De Nossa Senhora Das Angústias“ mit Umzügen gefeiert. Statuen von Maria und Jesus werden von mehreren Trägern durch das Stadtviertel Porto Pim getragen, gefolgt von einem Großteil der Bevölkerung. Abends gibt es Musikaufführungen und landestypische Speisen.

Die Madonna von "Em Honra De Nossa Senhora Das Angústias"

Die Madonna von „Em Honra De Nossa Senhora Das Angústias“

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Wir beobachten lange das Wetter, denn wir wollen auch die Nachbarinsel Pico besuchen, um den 2.351 m hohen Vulkan zu besteigen, den höchsten Berg Portugals. Zunächst regnet es häufig und der Berg ist ständig in Wolken gehüllt, dann müssen wir zwei Tage abwarten, denn eines der Atlantiktiefs streift uns und bringt kräftigen Wind und Schwell, eine unruhige Zeit an Bord, in der wir froh sind, nicht draußen auf offener See zu sein. Dann ist es soweit. Wir nehmen die frühe Fähre um 07.30 Uhr und mieten uns ein Auto, um die Insel zu erkunden. Wir haben eine sehr nette Übernachtung gebucht und fahren am nächsten Tag im Morgengrauen zum Einstieg. Schon auf halber Strecke sind wir in den Wolken und dann fängt es an zu regnen. Wir haben keine Chance, die achtstündige Bergtour auch nur anzufangen. Wir kehren um und wollen eine kürzere Wanderung auf Meereshöhe wagen. Aber nach einer Stunde sind wir nass und entscheiden, dass es Schöneres gibt, als im Regen herumzustapfen. Dann doch lieber zurück zur gemütlichen Anke-Sophie nach Horta.

Weinanbau auf Pico zwischen Mauern aus Lavasteinen

Weinanbau auf Pico zwischen Mauern aus Lavasteinen

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Leuchtturm auf der Ponta da Ilha

Leuchtturm auf der Ponta da Ilha

Die Wolken lichten sich etwas nach dem Regen

Die Wolken lichten sich etwas nach dem Regen

Unsere Freunde Monique und Pieter sind nun auf dem Weg von der Karibik über den Atlantik zu den Azoren. Wir verfolgen ihren Weg und versuchen sie mit zusätzlichen Wetterinformationen zu unterstützen, denn ein Tief folgt dem nächsten und hält die beiden auf Trab. Wir lernen unseren Stegnachbarn Tony, einen britischen Solo-Segler, kennen. Er beseitigt an seinem Schiff die Sturmschäden, denn er hat bei seiner Überfahrt aus der Karibik schlechtes Wetter mit 45 – 50 Knoten Wind gehabt.

In der Marina von Horta wird die Tradition hochgehalten, dass die Segler*innen sich mit einem selbstgemalten Bild auf den Steinmolen präsentieren. Annette besteht darauf, dass auch wir diese Tradition fortsetzen. Zum Glück schaffen wir es am letzten Tag, denn es regnet nicht.

Die Tradition: Jeder Atlantiküberquerer malt sein Bild auf die Mole

Die Tradition: Jeder Atlantiküberquerer malt sein Bild auf die Mole

Auch die Weltumseglerin Annette

Auch die Weltumseglerin Annette

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Glücklich zurück in Europa

Glücklich zurück in Europa

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Wieder stellt sich diese Mischung der Gefühle ein, einerseits traurig zu sein, dass wir diesen schönen Platz verlassen, andererseits sich auf ein weiteres neues Ziel zu freuen. Wir steuern Angra do Heroismo auf Terceira an, denn Sascha wird uns hier am 19.05. für eine Woche besuchen, um mit uns zwischen den Inseln zu segeln.

4 Antworten zu “Azoren Teil 1 – Faial und Pico

  1. Noch viermal schlafen, dann ist es endlich soweit!
    Und dann ist es vermutlich auch mit dem Regen vorbei.

    Man sieht sich in Angra bis bald!

  2. Welcome to the Azores. Every photo a winner as always Thomas. I love the sidewalks, and the lighthouses and of course, Pico is glorious. And Annette is quite an artist :-). I am glad but sad that you are safely back in ‚Europe‘ albeit not quite to the mainland yet. Sad that we are not with you and sad that you are not with us but glad that you are still having such a grand adventure.

  3. Liebe Annette, lieber Thomas, schade dass Ihr Pech mit dem Wetter hattet bei der Pico-Tour. Aber sonst freue ich mich mit Euch über die tollen Eindrücke. Das Foto mit Euch auf der Mole vor Eurem Bild „Weltumseglung“ besonders anrührend. Alles Liebe, Eure Annette*

  4. Liebe Annette und lieber Thomas, schon wieder so ein langer und ausführlicher und wunderbar bebilderter Bericht! Und ich schließe mich Annette* an: das runde Bild auf der Mole und ihr beide daneben – das ist auch mein Favorit dieses Mal! Eigentlich kennt man hier die Azoren hauptsächlich in Verbindung mit dem Zusatz -Hoch… Nun sei es wie es sei: um dem abzuhelfen schicke ich euch Sonne aus Berlin. Bernhard

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