Südafrika Teil 2 – Ostküste

Wir liegen in Richards Bay nun an der Außenmole im Päckchen. Es ist zwar unkomfortabel wegen der Kletterei über unser Nachbarboot, aber wir trauen der Marina nicht mehr und fühlen uns hier sicher. Burkhard, ein ehemaliger Kollege, kommt uns aus Frankfurt besuchen, um mit uns die südafrikanische Ostküste bis Kapstadt zu segeln. Da das nächste Wetterfenster erst am Freitag 04.12.15 kommt, fahren wir ein weiteres Mal in den Umfolozi Nationalpark, um auf Safari zu gehen.

Anke-Sophie im Päckchen in Richards Bay

„Anke-Sophie“ im Päckchen in Richards Bay

Zebras im Umfolozi Park

Zebras im Umfolozi Park

und Elefanten

und Elefanten

dieses Mal auch näher

dieses Mal auch näher

Das Wetterfenster sah zunächst gut für uns aus, denn wir brauchen drei Tage Winde aus östlichen Richtungen. Es gilt, die westlichen Winde zu vermeiden, um nicht in eine Situation Wind gegen Strömung zu kommen. Der Agulhas-Strom läuft entlang der südafrikanischen Ostküste und wird uns mit 3 bis 6 Knoten schieben. Aber bei westlichen Winden entsteht eine starke Kreuzsee und je nach Windstärke entwickeln sich Monsterwellen mit über 10 m Höhe, die selbst größten Schiffen gefährlich werden können.  Dann erkennen wir in den Wetterdaten eine kleine Störung, die am zweiten Tag der Passage südlich von Durban leichte Süd- bzw. auch Südwestwinde zeigt. Wir befragen erfahrene südafrikanische Segler, die uns aber zusprechen und sagen, dass es kein größeres Problem sei, bei bis zu 10 Knoten westlichen Winden in der Strömung zu bleiben. Bei stärkeren Winden ist es aber unbedingt notwendig, das Strömungsgebiet so schnell wie möglich landwärts zu verlassen, um nicht in die konfusen Wellenbilder zu geraten. Die anderen Segler entscheiden sich vorerst in Richards Bay zu bleiben, wir wollen jedoch das Wetterfenster so früh wie möglich nutzen und legen am Freitag um 00:30 h ab. Wir wollen das Wetter während der Fahrt genau beobachten und eventuell für 12 Stunden in Durban unterschlüpfen.  Die ersten Stunden sind sehr unangenehm, da noch ein alter Schwell vom letzten SW-Wind gegen die Strömung steht und wir ordentlich durchgeschüttelt werden. Wie wir aus den Wetterdaten gelesen haben,  ist der Wind zunächst zu schwach und wir müssen 14 Stunden motoren, um voranzukommen.

Burkhard zu Besuch

Burkhard zu Besuch

Kapitän und erster Maat

Kapitän und erster Maat

Unsere Route entlang der ostafrikanischen Küste

Unsere Route entlang der ostafrikanischen Küste

Auch das Ende des Wetterfensters verändert sich, denn Sam vom South African Maritime Mobile Net meldet mir unterwegs, dass wir Sonntag früh in Port Elisabeth in Böen mit Ostwind bis 40 Knoten rechnen müssten. Da sich die Störung südlich Durban abschwächt, entschließen wir uns durchzufahren, um Port Elisabeth vor dem starken Ostwind zu erreichen.  Wir genießen das Segeln mit Burkhard. Zu dritt behalten wir unseren Dreistunden-Wachrhythmus bei und haben so bis zu sechs Stunden Freiwache, was besonders nachts angenehm ist.

Und es gibt wieder Fischalarm. Ein dicker Brocken spannt die Leine; der neue in Richards Bay gekaufte Köder scheint sich zu bewähren. Da die Leinenrolle marode ist, ziehen wir den Fisch per Hand zum Schiff. Weil die Segel ausgebaumt sind, können wir keine Fahrt aus dem Schiff nehmen. Der Fisch kämpft und wir bekommen lange Arme. Wir heben den Fisch mit dem Haken an Bord und der Kampf geht nach einer Weile zu Ende. Wir haben mit 1,3 Meter den bisher größten Mahimahi, eine Goldmakrele, gefangen. Nun gibt es drei Tage Fisch satt in vielen Variationen.

Da zerrt ein Fisch ganz schön an der Leine

Da zerrt ein Fisch ganz schön an der Leine

Wir ziehen ihn näher

Wir ziehen ihn näher

und holen einen 1,3 m langen Mahimahi an Bord

und holen einen 1,3 m langen Mahimahi an Bord

Im Todeskampf verliert er seine Farbe für einen kurzen Moment

Im Todeskampf verliert er seine Farbe für einen kurzen Moment

und dann gibt es viele Filets

und dann gibt es viele Filets

Die Erfahrung von Pieter und Monique, die uns voraus gesegelt sind, und die Strömungskarten zeigen uns, dass wir am besten mit einem Abstand von ca. 20 Meilen zur ostafrikanischen Küste segeln sollten, um die höchste Strömung zu finden. Wir können nicht oft genug auf den Kartenplotter schauen und ergötzen uns an der Geschwindigkeit. Oft liegt sie weit bei 11 bis 13 Knoten über Grund, wenn wir die Welle hinabfahren. Am Samstag haben wir wieder eine Superlative, das größte Etmal aller Zeiten. Wir sind in 24 Stunden tatsächlich 237 Seemeilen gesegelt; dem Agulhas-Strom sei es gedankt.

Die Strömungskarten zeigen uns, wo wir den Agulhas-Strom finden

Die Strömungskarten zeigen uns, wo wir den Agulhas-Strom finden

In Rauschefahrt an East London vorbei

In Rauschefahrt an East London vorbei

In Port Elisabeth sehen wir in den Wetterdaten, dass das nächste Wetterfenster leider auf sich warten lässt. So mieten wir uns wieder ein Auto und erkunden das Hinterland. Zunächst fahren wir nach Graaff-Reinet, die viertälteste Stadt Südafrikas. Dank seiner 240 denkmalgeschützten Häuser aus dem 19. Jahrhundert hat es seinen Charme behalten. Wir schlendern durch die Straßen und bewundern die alten Häuser. Ganz in der Nähe liegt das Valley of Desolation, ein zerklüftetes Tal mit ausgewaschenen Felsformationen, wo wir die Seglerbeine mit einer kleinen Wanderung auflockern. Der Weg führt uns nach Westen entlang von schnurgeraden Straßen durch extrem einsame Savannenlandschaften, die uns an die USA oder Australien erinnern. Immer wieder passieren wir bläulich schimmernde Gebirge. Wir finden eine Lodge in Willowmore, einem kleinen Ort nahe dem Baviaanskloof Wilderness. Wir bekommen ein eigenes geräumiges Cottage und im Haupthaus, dem historischen Pfarrhaus,  wird uns ein traumhaftes Abendessen kredenzt. Wir sprechen dem Rotwein wieder in gebührendem Maße zu und bezahlen für Wohnen, Essen und Trinken zu dritt umgerechnet 120 €.

Graaff-Reinet

Graaff-Reinet

abends beim Essen

abends beim Essen

typisch für Südafrika, die langen geraden Straßen

Typisch für Südafrika, die langen geraden Straßen

und die Windräter für die Bewässerung

und die Windräder für die Bewässerung

Unsere Lodge in Willowmore

Unsere Lodge in Willowmore

Der historische Speisesaal

Der historische Speisesaal

In Brenton-on-Sea bei Knysna mieten wir uns zu sechst in einer Ferienwohnung ein, denn Pieter, Monique und ihr Neffe Pim stoßen für einen Tag zu uns, sie ankern ihr Boot in Mossel Bay. Den Hafen von Knysna schauen wir uns vom Land aus an, wir haben zu viele schlechte Nachrichten von der gefährlichen Einfahrt gehört und verzichten darauf, mit dem Boot hier anzulegen, auch wenn die schöne Lagune den einzigen natürlichen Hafen an der Ostküste bildet. Zurück fahren wir entlang der Gartenroute mit schönen Aussichten auf die Gebirge und die wilde Küste und unterbrechen unsere Fahrt für eine Wanderung durch die wilde Klippenlandschaft.

Wanderung in den Klippen an der Gartenroute

Wanderung in den Klippen an der Gartenroute

In Brenton-on-Sea beim Dinner

In Brenton-on-Sea beim Dinner

und beim Frühstück

und beim Frühstück

Wer hat uns denn da das Auto so weihnachtlich dekoriert?

Wer hat uns denn da das Auto so weihnachtlich dekoriert?

Das günstige Wetterfenster, auf das wir eine Woche gewartet haben, verschiebt sich um einen Tag und wir verlassen Port Elisabeth erst am Sonntag 13.12. um 15:00h. Den Tag zuvor versuchen wir Anke-Sophie zu reinigen, denn auf der gegenüberliegenden Hafenseite werden fortwährend Schiffe mit Mangan beladen. Im starken NE-Wind wehen dicke Schwaden von Staub zur Marina. Alle Schiffe sind mit einer schwarzen klebrigen Staubschicht überzogen. Wir müssen das Deck putzen, aber auch das Rigg, das gesamte stehende und laufende Gut, wenn wir nicht schwarze Streifen und Flecke in den Segeln haben wollen.

Die Pommern liegt schon lange in Port Elisabeth, nicht mehr im besten Zustand

Die „Pommern“ liegt schon lange in Port Elisabeth, nicht mehr im besten Zustand

Wir segeln zusammen mit zwei englischen Segelyachten Zen Again und Pipistrelle  bei leichten Winden und müssen leider auch viele Seemeilen unter Maschine fahren. Wir hatten schon einige Tage zuvor beobachtet, wie sich unser schönes Wetterfenster zerlegt. Es schiebt sich eine Front dazwischen, die für einen Tag westliche Winde bringen wird. Um diesen auszuweichen, steuern wir die schöne Bucht Mossel Bay an und können im Windschatten des Hafens vor dem Yachtclub ankern. Für einen kurzen Landgang pumpen wir das Dinghi auf, wandern zum Leuchtturm und freuen uns auf die Dusche, die uns der sehr nette Yachtclub spendiert. Als Gegenleistung essen wir in deren Restaurant. Das kleine Mossel Bay gefällt uns sehr,  die Leute sind sehr freundlich und es soll die niedrigste Kriminalitätsrate von ganz Südafrika haben.

Der Leuchtturm auf dem Molenkopf von Mossel Bay

Der Leuchtturm auf dem Molenkopf von Mossel Bay

Die Klippen von Mossel Bay

Die Klippen von Mossel Bay

PE-ST 019

Nach einer angenehmen Nacht vor Anker legen wir für unsere letzte Etappe ab, als der Wind nicht mehr in der Takelage pfeift. Bei Nieselregen und Flaute geht es hinaus in eine hohe Dünung, leider wegen der leichten Winde wieder unter Maschine, wir haben ein Wetterfenster von 2 ½ Tagen bis Simon‘s Town. Am Tag darauf runden wir das Cape Agulhas, den südlichsten Punkt Afrikas, und Anke-Sophie ist nach 20 Monaten wieder im Atlantik, den sie im April 2014 in Panama verlassen hatte. Sie hat den Pazifischen und den Indischen Ozean gut überquert, wir sind wieder mal stolz auf sie. Es ist ein erhebendes Gefühl, nach drei durchsegelten Ozeanen wieder im Atlantik anzukommen. Und am nächsten Morgen sehen wir das Kap der guten Hoffnung vor uns. Eine Passage, vor der wir durchaus Respekt hatten, kommt bei Schwachwind zu ihrem Ende in Simon’s Town, das östlich von Kapstadt in der False Bay liegt. Wir haben hier für die nächsten 6 Wochen einen Liegeplatz gemietet, denn die Marina wurde uns als sehr nett empfohlen und die Gebühren sind viel günstiger als in Kapstadt selbst.

Delphine begleiten uns

Delphine begleiten uns

nach Simon's Town

nach Simon’s Town

Blick auf das Kap der guten Hoffnung aus der False Bay

Blick auf das Kap der guten Hoffnung aus der False Bay

Wir sind sehr glücklich, hier angekommen zu sein, feiern unsere Ankunft mit einem zweiten Frühstück und südafrikanischem Sekt. Wir werden mit Burkhard noch einen dreitägigen Ausflug in die Weinberge von Stellenbosch unternehmen und dann in Ruhe das Jahresende auf uns zukommen lassen. Wir werden das dritte Weihnachten auf unserer Reise feiern. Die Gedanken werden an die weite Strecke zurück wandern, die wir dieses Jahr gesegelt sind. Neuseeland verließen wir früh, Mitte April und segelten über Neukaledonien nach Vanuatu. Von dort ging es aus Zeitmangel direkt durch die Torresstraße nach Indonesien.  Nach einer langen und teils rauen Überfahrt über den Indischen Ozean erholten wir uns auf Rodriguez und La Réunion. Dann folgten wir dem Rat unser neuseeländischen Freunde und besuchten Madagaskar für 6 Wochen, bevor wir die spannende Passage durch den Mosambikkanal nach Südafrika antraten.

Route der Anke-Sophie in 2015

Route der „Anke-Sophie“ im Jahr 2015

Von hier aus wünschen wir nun allen Leser*innen ein frohes Weihnachten und ein glückliches Jahr 2016.

 

7 Antworten zu “Südafrika Teil 2 – Ostküste

  1. Liebe Anette, lieber Thomas,

    wie schön zu lesen, dass Ihr es wohlbehalten zurück in den Atlantik geschafft habt.

    Euch ein wunderschönes Weihnachtsfest, viele tolle neue Eindrücke und allzeit eine Handbreit Wasser unterm Kiel!

    Viele Grüße

    Flo (Berlin, sonnig, 12° :-))

  2. Ihr lieben Beiden Weltensegler,
    ist das schön, euch wieder im Atlantik zu haben. Ab jetzt kommt ihr uns täglich näher. Elisabeth wolle ja eigentlich, dass ihr Weihnachten in ihrem Hafen verbringt, aber nun seit ihr ja schon weiter und ums Huk herum. Ach wie freuen wir uns auf euch.
    Also feiert schon, ihr habt’s verdient. Und dann einen guten Rutsch ins -vorläufig- letzte Jahr auf dem Schiff.
    ich umarme euch
    Steffen

  3. Ihr lieben Beide,
    danke ein ums andere Mal (nicht Etmal) für diesen neuen und spannenden und wunderbar illustrierten Bericht! Ja, es fühlt sich auch für mich gut an, euch wieder im Atlantik zu wissen – und auf die Anke-Sophie könnt ihr ebenso stolz sein wie auf euch selber! Habt ein schönes Weihnachtsfest in Südafrika und feine Weine, die Feiertage gebührend zu genießen. Seid aus vollem Herzen umarmt – von eurem Bernhard

  4. Ihr Lieben,
    vielen Dank für euren Bericht, ich fand die Karten besondes interessant, da konnte man eure Routen gut nachvollziehen. Z.B. dachte ich immer, dass Kap der guten Hoffnung das südlichste Kap Afrikas sei, die Bildungslücke ist jetzt geschlossen. Eine lange, lange Strecke habt ihr bislang zurückgelegt!!! Was war das denn für eine „Gartenroute“? Da werd ich gleich hellhörig, zumal Brenton on Sea sich so englisch anhört.
    Euch – und auf diesem Wege auch Berhard, Michael, Jochen und Martin – wünschen wir sehr schöne Weihnachtstage und ein gutes, gesundes Jahr 2016.
    Viele liebe Grüße von Lisa und Andreas

  5. Moin Thomas und die gesammte Crew,

    nun bist Du ja schon „fast“ wieder zu Haus ;o) Grandiose Leistung.
    Euch schöne, harmonische Weihnachten, einen guten Rutsch ins neue Jahr, weiterhin eine gute Reise und eine glückliche Heimkehr.

    Handbreit, HANS

    DF1SH

  6. Brings tears to my eyes to think of what you all have accomplished in the past 20 months, let alone this year. Once again love the images here but my favorite is of that Light House. Sublime.

  7. Liebe Annette, lieber Thomas, auch von uns ganz herzliche Neujahrswünsche und weiter eine gute, konfliklose Überfahrt für euch!
    Es grüßen aus dem kühlen regnerischen Berlin Christl und Harald

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