Madagaskar Teil 2 – Die Nordwestküste

Wir ankern zwischen Nosy Sakatia und Nosy Be und erwarten unsere holländischen Freunde Monique und Pieter von der SY Déesse. Welch ein Wiedersehen, als wir uns am 6. Oktober nach einem halben Jahr wieder treffen, zuletzt sahen wir uns in Neuseeland, wo wir gemeinsam mit Jill und Bruce die Zyklonzeit verbrachten. Wir verwöhnen uns gegenseitig mit ausgedehnten Abendessen an Bord und feiern dabei unsere Wiedervereinigung. Am Tag darauf erkunden wir die Unterwasserwelt mit zwei Tauchgängen und ich sehe meine ersten Seepferdchen, eine bunte Fischwelt und riesige Wasserschildkröten.  

Déesse erreicht uns im letzten Licht

Déesse erreicht uns im letzten Licht

Lion fish

Lion fish

Seepferdchen

Seepferdchen

Wir verbringen einige Tage in Hell-Ville, der Hauptstadt von Nosy Be, wo wir Gelegenheit finden, unsere Wäsche zu waschen und Proviant aufzustocken.  Jill und Bruce haben von dem Ort geschwärmt und wir erobern ihn uns auch. Zunächst fällt wieder der Kontrast auf zwischen den einfachen archaischen Dörfern und dem geschäftigen Leben hier. Ein riesiger Markt zieht uns mit seiner Atmosphäre immer wieder an. Wir erkunden die Restaurants, essen Zebu, das madagassische Rind. Nach und nach verfallen wir dem Charme der Stadt. Im Hafen beobachten wir das Treiben und blicken den alten Lastseglern zu, die hier nach wie vor ohne Hilfsmaschine Waren von den Dörfern in die Hauptstadt von Nosy Be bringen. Aber auch die Einfachheit der Pirogen besticht uns. Die Auslegerboote sind oft mit einfachstem Segel ausgestattet sind, die oft nur aus Flicken bestehen, aber damit erstaunlich schnell sind.  

Zebu als Transportmittel

Zebu als Transportmittel

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Der Markt von Hell-Ville

Der Markt von Hell-Ville

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Fähre in Hell-Ville

Fähre in Hell-Ville

Lastensegler

Lastensegler

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Wir haben uns vorgenommen, den Nationalpark Lokobe zu besuchen, um mehr von der fantastischen Tier- und Pflanzenwelt Madagaskars zu lernen. Ein Taxi bringt uns früh zu einem Fischerdorf, von wo aus wir mit zwei Pirogen und unseren Begleitern zum Naturschutzpark übersetzen, ein schönes, aber anstrengendes Erlebnis, mit diesen ursprünglichen Auslegerkanus jeweils 45 Minuten zu rudern, auf dem Rückweg zeigen sich beinahe die ersten Blasen.

Annete und Thomas auf dem Weg nach Lokobe

Annette und Thomas auf dem Weg nach Lokobe

mit Monique und Pieter

mit Monique und Pieter

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Ohne den Naturführer hätten wir die wunderbare Tierwelt wohl kaum entdeckt. Wir folgen ihm durch den tropischen Wald, während er mit wachsamen Augen die Tiere für uns entdeckt, zeigt und erklärt.

Jack fruit

Jack fruit

Vanille

Vanille

 

 

Eine Eule

Eine Eule

Wir sehen unsere ersten Lemuren, eine Affenart, die es ausschließlich auf Madagaskar gibt und sonst nirgends auf der Welt. Über 100 Arten gehören zu der Unterordnung der Feuchtnasenaffen. Drollige Tiere mit großen Augen, die hauptsächlich in Bäumen leben. Es gibt nachtaktive, die sich in  Astlöchern verbergen und tagaktive Lemure, die von Baumgipfel zu –gipfel springen.

nachtaktive Lemuren

nachtaktive Lemuren

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Wir sehen Schlangen. Kleine Baumschlangen, die sich entlang feiner Äste schlängeln, und eine riesige Boa Constrictor „Acrantophis madagascariensis“, die sich über zwei Meter lang auf einem Ast sonnt.

Eine kleine Baumschlange erschrickt uns

Eine kleine Baumschlange erschrickt uns

Die Boa Constrictor

Die Boa Constrictor

Unter Blättern am Boden suchend finden wir kleinste Lebewesen. Zum Beispiel Exemplare der winzigen Madagaskar-Buntfrösche, Mantella genannt, von denen alleine 16 Arten endemisch in Madagaskar leben. Insgesamt leben hier über 300 verschiedene Arten von Fröschen. Wenn man vergleicht, dass bei uns nur ganz wenige Arten leben, versteht man die Artenvielfalt Madagaskars. Dann zeigt man uns das winzigste Chamäleon der Welt, nur 1 bis 2 cm groß.

Das kleinste Chamäleon der Welt

Das kleinste Chamäleon der Welt

Ein Buntfrosch, Mantella

Ein Buntfrosch, Mantella

Aber wir finden auch verschiedene größere Chamäleons unterschiedlicher Farbgebung. Sehr schwer zu entdecken ist der „Uroplatus“, ein Gecko mit einem flachen blattartigen Schwanz, der Camouflage macht, sich also ausgesprochen gut an den Hintergrund, meist Baumrinden, anpassen kann.  Wir finden ihn, wie die meisten anderen Tiere auch, nur durch unseren kundigen Begleiter.  Den Uroplatus listet der WWF auf einer Liste der besonders gefährdeten Tiere, da er immer noch verbotener Weise gefangen und gehandelt wird.Mad6-Hell-Ville 179Mad6-Hell-Ville 346Mad6-Hell-Ville 356Mad6-Hell-Ville 362

Der Uroplatus tarnt sich perfekt

Der Uroplatus tarnt sich perfekt

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Wir verbringen vor der Insel Kumba eine unserer unruhigsten Nächte überhaupt, da ein fürchterlicher Schwell das vor Anker liegende Boot hin und her wirft. Das ungespülte Geschirr fliegt auf den Boden und ein Glas zerbricht mitten in der Nacht, da kommt Freude auf. Das geflügelte Wort „rolling Komba“ beschreibt diesen Ankerplatz treffend. Am nächsten Tag entschädigt uns ein Ausflug auf die Insel, wo wir Lemuren hautnah erleben dürfen. Sie sind gierig auf Bananen und mit Hilfe dieser kann man sie aus den Bäumen locken. Sie sind so zutraulich, dass sie uns auf Schultern und Köpfen herumspringen.

Vor der Schule aud Nosy Komba

Vor der Schule auf Nosy Komba

Lemuren

Lemuren

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Sie steigen Pieter aufs Dach

Sie steigen Pieter aufs Dach

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Wir ankern weiter im Süden vor einem kleinen Dorf auf der Insel Nosy Munoko. Am nächsten Morgen besuchen wir das Dorf und fragen nach dem Oberhaupt, hier eine ältere Dame, der wir ein paar Geschenke übergeben. Annette hat viel Spaß mit den Kindern und den Luftballons, die wir zu diesen Gelegenheiten verschenken. Kinder sind auf der ganzen Welt gleich. Nachdem der dreijährige Kronprinz einen Luftballon geschenkt  bekam, fängt Annette an, einen Luftballon für ein größeres Mädchen aufzublasen. Sofort gibt es Geschrei und Tränen, weil der Kronprinz auch einen aufgeblasenen Ballon haben möchte.  Da Annette aber den abgelutschten Luftballon nicht mehr in den Mund nehmen möchte, bekommt er natürlich einen zweiten, diesmal aufgeblasen. Als einziges Kind hat er nun zwei Luftballons, er scheint wirklich der Enkel der Dorfältesten zu sein und sich seiner Kronprinzrolle bewusst zu sein. Das Spiel setzt sich fort, bis Annette in der Hitze keine Puste mehr hat. Spaß haben wir auch mit den Lemuren, die hier wild leben und extrem neugierig sind. Wir kommen mit einer Tasche gebrauchter Klamotten und leeren Gefäßen und sobald wir sie öffnen, springen sie uns aus großer Entfernung an und wollen wissen, was in der Tasche ist. So hängen sie mit ihren weichen Pfoten an uns und klettern über Kopf und Schultern.

Regenwald, es gibt nicht mehr viel davon, fast alles abgeholzt

Regenwald, es gibt nicht mehr viel davon, fast alles abgeholzt

Die ältere Dame ist das Dorfoberhaupt.

Die ältere Dame ist das Dorfoberhaupt.

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Die Affenfrauen sind braun

Die Affenfrauen sind braun

die Männer sind schwarz

die Männer sind schwarz

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In der Russian Bay besichtigen wir die Überbleibsel von Bauten, die aus dem russisch-japanischen Krieg von 1905 stammen. Ein ganzer russischer Flottenverband fand hier Unterschlupf. Einige der Soldaten zogen das Paradies dem Leben (bzw. Tod)  im Kampf oder der Heimat vor und setzten sich ab, um hier zu bleiben. Die meisten davon raffte die Malaria in wenigen Jahren dahin, die Kehrseite des Paradieses.

Wir machen nur kleine Etappen von Bucht zu Bucht, besuchen dabei die kleinen Dörfer und sehen viel von Land und Leuten. Die Leute sind sehr arm hier und leben wie vor Hunderten von Jahren. Die Menschen in Madagaskar sind reservierter als im Pazifik und kommen nicht so offen auf uns zu, aber wenn wir das Eis brechen mit unserem schlechten Französisch, dann sind sie meist sehr nett. Wir haben uns angewöhnt, leere Gefäße, Flaschen und Gläser nicht wegzuwerfen  wie bei uns, sondern sie zu sammeln, um sie dann in den Dörfern zu verschenken. Das mussten wir erst einmal kapieren, dass unser Wohlstandsmüll für die Leute hier wichtige Gebrauchsgüter sind. Auch kaufen wir auf den Märkten billige gebrauchte  Kleidung (wahrscheinlich kommen sie aus den Rotkreuzsammlungen Europas) und tauschen damit in den Dörfern  gegen Obst, Gemüse oder Fisch, wenn wir selbst mal kein Angelglück haben. Für die Leute hier ist Tauschhandel üblicher, als mit Geld zu bezahlen. In sehr abgelegenen Dörfern ist ihnen der Wert des Geldes nicht bewusst, aber der Wert der Dinge wie Angelschnüre oder -haken eben sehr wohl. Wir gewöhnen uns an das Leben, das, der Hitze angepasst, langsamer verläuft als bei den kühlen Europäern, es wird hier mit „mora mora“ umschrieben, was für“ langsam langsam“ steht. Wir lassen uns treiben bis Ende Oktober. Es geht uns gut und wir haben endlich einmal nicht das Gefühl, gehetzt zu sein. Wir bewegen die Anke-Sophie zu Orten ausgeprägter Einfachheit und wir empfinden ein Gefühl von Freiheit.

Trockenfisch wird für die Stadt gesammelt und dann per Lastensegler zum Markt transportiert.

Trockenfisch wird für die Stadt gesammelt und dann per Lastensegler zum Markt transportiert.

Alte Frau beim Flechten einer Matte

Alte Frau beim Flechten einer Matte

Wir haben uns am 16. Oktober bereits in Hell-Ville ausklariert, da unser 30-Tage-Visum auslief. Bisher haben wir uns möglichst strikt an die offiziellen Regeln gehalten. Hier raten die Segler davon ab, denn in Mahajanga sollen die Behörden korrupt sein, weshalb sich alle schon auf Nosy Be nach Südafrika abmelden und dann trotzdem die Nordwestküste bis zum Kap Andre segeln, ohne sich bei den Behörden zu melden. Von da werden wir den Mosambik-Kanal queren und dann der Küste Mosambiks bis nach Südafrika folgen. In Mosambik wird davon abgeraten, überhaupt einzuklarieren, da die Behörden dort wohl ausgesprochen korrupt sind. Es wird immer ein Grund gefunden, um Geld aus den Seglern zu pressen, beispielsweise wegen angeblicher Staatsbeleidigung, wenn die Gastlandflagge kleiner ist als die eigene Flagge,  was ja der Normalfall ist.

Altes Haus in Hell-Ville

Altes Haus in Hell-Ville

Aber bevor wir Madagaskar verlassen, laufen wir die Morambo Bucht an, da wir uns auf die Baobab-Bäume freuen, die dort an der Küste wachsen. Sie werden auch Affenbrotbäume oder Adansonia genannt und gehören zur Familie der Malvengewächse und zur Unterfamilie der Wollbaumgewächse. Es sind große, bizarr wachsende Bäume, deren zylindrische, konische oder flaschenförmige Stämme beeindruckend gedrungen wirken. Sie stehen oft vereinzelt oder in Gruppen sehr markant in der Landschaft. Die Baobab sind für uns ein Wahrzeichen für Madagaskar geworden. Sechs der acht weltweit bekannten Arten sind endemisch in Madagaskar, eine in Afrika und eine in Australien. Sie können über 500 Jahre alt werden und vermögen riesige Mengen an Wasser zu speichern. Sie sind spezialisiert auf trockene Regionen und werfen ihre Blätter in der Trockenzeit ab. Wir fahren mit dem Dinghi zum Strand und beobachten die Sifakas, eine für uns neue Art der Lemuren, die uns trotz der mitgebrachten Bananen nicht näherkommen, sondern schreiend von Baobab zu Baobab springen.

Baobab Bäume in Moramba

Baobab Bäume in Moramba

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Ein Sifaka klettert auf einen Boabab

Ein Sifaka klettert auf einen Boabab

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Wir proviantieren uns nochmals in Mahajanga und ab jetzt geht es nach Westen und später Südwesten

3 Antworten zu “Madagaskar Teil 2 – Die Nordwestküste

  1. Liebe Freunde, das war ja wieder ein überreich bebilderter Bericht! Und so einen leicht plüschigen Sifaka hätt‘ ich dann auch gern…. Dass ihr jenseits von Galapagos NOCH mehr wunderseltene Tiere zu Land und zu Wasser kennenlernen könnt – wer hätte das gedacht? Danke ein weiteres Mal für die viele Mühe, die ihr hier in den Blog investiert – ich bin begeistert, immer wieder von neuem, wenn ein neuer Part erscheint! Gute Reise durch den Mosambikkanal und ausschließlich freundliche Begegnungen wünscht euch Bernhard

  2. So glad to read of your reunion (finally) with Monique and Peter. Glad to know they are well.

    Thank you for taking me to Madagascar with your words and your lens. You are living my dream :-). What a delightful array of animals you have seen. I especially like the Lemur standing on Thomas‘ head. The snake looks very scary!

    And the landscapes (especially those beautiful trees), cities and people are all just marvelous.

    Very different from what we have seen in the Pacific and certainly different than what we have seen in Australia ;-).

    I owe you a note and will be sending one soon.

  3. Liebe Annette und lieber Thomas, toll, Eure herrlichen Fotos anzusehen, während ich hier mit ner Triefnase sitze. Besonders die Tierfotos haben es mir angetan… alles Liebe, Annette* bald mehr, versprochen!

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