Indonesien Teil 3, Komodo bis Bali

Wir segeln die Nordküste von Flores entlang von Ost nach West.  Wir verfolgen die sich ständig wechselnden Ansichten der Hügel- und Bergketten, welche die langgestreckte Insel durchziehen. Leider wird der SE-Passat durch die Insel abgedeckt, sodass die Winde nur sehr schwach sind. Einerseits freuen wir uns über die ruhige See, ein vollkommen ungewohntes Segeln, andererseits fehlt uns der Wind als Vortriebskraft. Lediglich die thermischen Winde, tags der Seewind und nachts der Landwind, ermöglichen uns für ein paar Stunden angenehmes Segeln.  So brauchen wir für die 306 sm insgesamt 81 Stunden, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 3,7 kn entspricht, und leider müssen wir 25 Stunden lang die Maschine laufen lassen. Sonst lag unser Durchschnitt oft über 6 kn.

Die Küste von Flores

Die Küste von Flores

Am Abend des 08.07. erreichen wir Labuan Bajo im Westen von Flores. Wir sind vorgewarnt, dass dieser ehemalige kleine Fischerort durch den Tourismus das stärkste Wachstum in Indonesien hat. Und so werden wir mit der Anke-Sophie Teil des im Hafen herrschenden normalen Chaos. Überall liegen lokale Ausflugsboote an Moorings, wir drehen zwischen an- und ablegenden Booten unsere Kreise und finden keine geeignete Stelle zum Ankern, bis uns ein freundlicher Indonesier zuruft, dass wir eine freie Mooring nutzen können. Die Mooring liegt aber so nahe an anderen, dass wir nachts in sich ändernden Strömungen und Winden mehrmals Nachbarschiffe streifen, wir mussten also trotz Dunkelheit und Strömung noch einmal wechseln.

Komodo 007

Labuanbajo

Am Tage streifen wir durch den Ort und glauben in eine andere Welt versetzt zu sein. Überall sehen wir mehr oder weniger rot verbrannte ehemals weißhäutige Touristen. Für uns eine in den ersten Wochen unbekannte Spezies Mensch. Wir kaufen neuen Proviant und organisieren für mich drei Tauchgänge zwischen den Komodo-Inseln.

Die Moschee von Labuanbajo

Die Moschee von Labuanbajo

Trockenfisch

Trockenfisch

Aber zunächst wollen wir nach Rincah segeln, um die weltberühmten Komodo-Warane zu sehen, die es nur hier gibt. Es sind bis zu 3 m große Echsen, die bis zu 80 kg wiegen. Sie haben ein großes Maul und scharfe Krallen, die es ihnen ermöglichen, sogar ausgewachsene Wasserbüffel oder Wild zu erlegen. Man hat herausgefunden, dass ihr Gebiss  eigentlich zu schwach ist, um große Tiere ähnlich einem Krokodil zu erlegen. Aber sie haben Drüsen zwischen den Zähnen, die ein Gift produzieren, das die Blutgerinnung verhindert und beim Opfer zu einem Schock führt. Wenn die Echsen ihre Beute auf diesem Wege nicht töten, dann warten sie, bis die in der Schnauze beherbergten Bakterien das Tier im Laufe von zwei Wochen verenden lässt. Die Komodos haben Zeit.  Auch wenn wir auf unserer zweistündigen Wanderung mit unserem Führer einige der Warane beobachten können und mehrere Wasserbüffel entdecken, so sind wir doch ein wenig enttäuscht, denn wir hatten uns mehr erhofft und an den Massentourismus haben wir uns noch nicht gewöhnt.

Ein kleinerer Komodowaran

Ein kleinerer Komodowaran

Komodo 035

Ein ausgewachsener Waran, ca. 3 m groß

Ein ausgewachsener Waran, ca. 3 m groß

Komodo 041

Wir segeln zu einer kleinen Insel des Komodo-Archipels, die auf den Namen Gili Lawa Darat hört, und ankern in einer kleinen Bucht auf deren Südseite, wo wir hoffen, alleine zu sein. Wir hatten diese Bucht mit dem Tauchboot als Treffpunkt ausgemacht. Leider liegen wir auf dem einzig möglichen Ankerplatz zwischen zwei lokalen Touristenbooten, deren Generatoren alles andere als sonore Begleitmusik liefern. Und das die ganze Nacht.  Den Tag verbringen wir mit Schnorcheln und besteigen den Inselhügel, um von dort die Inselwelt zu fotografieren. Leider schieben sich Wolken vor die Abendsonne, ansonsten wären es die perfekten Bilder geworden.

 Unsere Bucht nördlich von Gili Lawa Darat

Unsere Bucht nördlich von Gili Lawa Darat

Komodo 077Komodo 087Komodo 075Komodo 082

Und dann bekommen wir schlechte Nachrichten aus Deutschland. Wir erfahren, dass es Annettes Mutter sehr schlecht geht, sie nicht mehr isst und kaum mehr trinkt.  Wir beschließen, schnell nach Bali zu segeln und von dort nach Frankfurt zu fliegen.

Auf dem Weg nach Bali. Viel Wind hinter dem Vulkan

Auf dem Weg nach Bali. Viel Wind hinter dem Vulkan

Wir haben den Wind auf unserer Seite. Der Nordostwind Stärke 5-6 Bft. schiebt uns schnell zu unserem Ziel. Da die angestrebte Bucht ausgebucht ist und wir keine Mooring buchen können, steuern wir die Bali Marina in Benoa an. Sie ist heruntergekommen und hat einen morbiden Charme. Lediglich zwei private Segelyachten sind im Hafen, ansonsten ist es eher ein Stützpunkt für millionenschwere Mega-Motoryachten, die hier für ihre Eigner täglich geschrubbt und poliert werden. Wir sind dennoch froh, das Boot hier sicher bewacht zurücklassen zu können.

Annette telefoniert immer wieder mit dem Johannesstift, um nach ihrer Mutter zu fragen. Ich habe mich passend zur Stimmung vor drei Tagen erkältet und schleppe mich bei der Hitze umher.

Wir landen am 17.07. in Frankfurt, wo mein Vater zum Flughafen kommt, um Annette kurz zu begrüßen. Sie fährt gleich weiter nach Verden, um ihre Mutter sofort zu sehen. Ich verbringe einen Tag in Heidelberg, da meine Eltern am Sonntag in den Urlaub fahren und ich sie noch besuchen möchte.  Auch wenn der Anlass traurig ist, freue ich mich nach zwei Jahren, die gesamte Familie über nun vier Generationen zu treffen. 

Annette hat ihre Mutter  lebend angetroffen und kann noch einen Abend bei ihr verbringen. Am nächsten Morgen ist die Mutter um 08:00 Uhr  gestorben. Es war so, dass sie 6 Tage auf Annette gewartet hat und dann in Frieden gehen konnte. Die Schwestern haben ihr jeden Tag Grüße von uns ausgerichtet und ihr immer gesagt, wie lange es noch dauert, bis Annette da ist.

Ich komme schnell nach Verden und kann Renate auch noch sehen. Es folgen Aussegnung und Trauerfeier, aber auch vieles andere ist zu organisieren. Wir treffen Freunde von Renate, aber auch unsere Freunde Bernhard und Michael kommen aus Berlin. Alle sind uns eine große Stütze. Es ist eine sehr emotionale und intensive Zeit, in der wir uns von Annettes Mutter verabschieden können.  

Verden an der Aller

Verden an der Aller

Die Allerwiesen

Die Allerwiesen

Unseren Rückflug buchen wir über Berlin, Kopenhagen und Doha nach Denpasar, da dies preislich einigermaßen akzeptael  ist und da es uns ein Treffen mit unseren lieben Freunden Martin und Jochen sowie Dorothé und Thomas ermöglicht. Nach einer anstrengenden Woche ein sehr schöner Abschluss der ungeplanten Deutschlandreise. Nach insgesamt 24 Stunden wieder in Bali fühlen wir uns zwischen allen Welten und Gefühlen.

Dorothé und Thomas

Dorothé und Thomas

Berlin 096

Der seemännische Käsekuchen uns zu Ehren

Der seemännische Käsekuchen uns zu Ehren

Abschiedsfrühstück mit Martin und Jochen

Abschiedsfrühstück mit Martin und Jochen

Wir wollen noch etwas von Bali sehen und holen einen Besuch bei Birgit und Mark nach. Die beiden leben seit 30 Jahren in Indonesien und haben sich im Inneren der Insel in einem kleinen Dorf ein schönes Zuhause geschaffen. Wir genießen einen netten Abend und erfahren viel über das Leben in Indonesien. Ein Thema von vielen kommt mir beim Schreiben in den Sinn: In der ursprünglichen indonesischen Gesellschaft arbeiten die Frauen hart, wir haben sie bei der Feldarbeit gesehen, und die Männer streicheln derweil die Kampfhähne auf der Straße…  Am nächsten Morgen wandern wir auf sehr ursprünglichen Wege zum Sangeh-Tempel, der in einem heiligen Affenwald liegt. Überall laufen wir durch die für das hinduistische Tempelfest Kuningan geschmückten Straßen. Wir sind froh, diese Bilder zu sehen, die nichts mit den Touristenhochburgen an den Küsten gemein haben.

Bei Birgit und Mark in Punggul auf Bali

Bei Birgit und Mark in Punggul auf Bali

Bali 071

Reisfeld

Reisfeld

Zum Tempelfest geschmückte Straßen

Zum Tempelfest geschmückte Straßen

Bali 057Bali 065Bali 061

Sangeh Tempel

Sangeh Tempel

Hochzeitspaar

Hochzeitspaar

Heilige Affen

Heilige Affen

Bali 047

Hauseigener Tempel

Hauseigener Tempel

Bali 067

Wieder zurück beim Boot durchleben wir wieder Wechselbäder der Gefühle.  Auf die geplanten Abschnitte entlang von Java bis nach Jakarta müssen wir verzichten, da die Zeit dafür nicht mehr reicht. Wir müssen uns aus Indonesien verabschieden, denn die lange Überfahrt nach Réunion liegt vor uns.  Wir wissen schon im Vorfeld, dass wir mit dem Ausklarieren aus Indonesien wegen der unglaublichen Bürokratie rechtzeitig beginnen müssen. Aber was wir in den folgenden Tagen erleben, sprengt alles bisher Erlebte. Unser in Neuseeland beantragtes Visum war mit der Ausreise nach Deutschland erloschen. Obwohl wir im Vorfeld unsere Agentin Ruth fragten, hatte sie uns nicht aufgeklärt. Indonesien hat seit kurzem kostenfreie Visa bei der Einreise eingeführt. Wir wussten jedoch nicht, dass diese nur für Flugreisen bestimmt sind und wir mit diesem Visum auf keinen Fall mit unserem Boot ausreisen können.

Von der Seglerin Mareike erfahren wir, dass ihre neu eingeflogenen drei Crewmitglieder sich teure Flugtickets kaufen mussten, um nach Singapur zu fliegen, um dann wieder neu mit dem richtigen Visum einreisen zu können. Einen solchen bürokratischen Schildbürgerstreich wollen wir auf keinen Fall über uns ergehen lassen. Wir diskutieren mit unserer Agentin und zwei weiteren Partnern einen Abend über deren Möglichkeiten. Natürlich wird auch das Thema Bestechung beleuchtet, auch wenn wir diesen Weg normaler Weise strikt ablehnen. Natürlich bekommen wir den angekündigten Anruf am nächsten Morgen nicht. Wir haken nach und hören nur, dass ihre Partner mit den Beamten der Immigration nach einem Weg  für das Visum suchen.

In der Zwischenzeit versuchen wir wenigstens mit dem Zoll weiterzukommen, denn insgesamt müssen wir fünf Behörden abklappern, bis wir das abschließende Formular hoffentlich in den Händen halten werden.  Dort treten neue Probleme auf. Der Zoll in Tual hat versäumt, uns eine Empfehlung für den Export der Yacht bei der ausklarierenden Zollstelle  mitzugeben. Dieses Papier muss nun von Tual nachgereicht werden. Zudem soll unsere Agentin ein Formular PEB nachreichen, was ebenfalls fehlt. Wir fühlen uns in einen Roman Kafkas versetzt. Mit jedem Schritt, den wir unternehmen, kommen neue Probleme auf uns zu.

Der Mittwoch verstreicht, ohne dass wir Nachrichten trotz unserer Rückfragen bekommen. Am Donnerstagmorgen, wir wollen Freitag auslaufen, beschließen wir nach unerfreulichen Telefonaten mit unserer Agentin Ruth, die Visumprobleme nun selbst anzugehen, nachdem man uns sagt, sie hätten nichts für uns erreichen können, es gebe keine weitere Möglichkeit, als das Land per Flug zu verlassen, um dann bei der erneuten Einreise ein richtiges Visum zu bekommen. Wir packen frustriert unser Handgepäck und fahren zum Flughafen. Aber bevor wir einen Flug buchen, wollen wir versuchen, bis zur Immigrationsstelle vorzudringen. Wir müssen insgesamt fünf Stellen überzeugen (wir können ja fließend Indonesisch, zumindest zwei Wörter). Zeitraubend wird uns hochmodern ein Besucherausweis mit Bild ausgestellt und ein Sicherheitsbeamter eskortiert uns bis zur Immigration, wo wir wiederholt unser Anliegen erklären. Der Beamte ist geschäftsmäßig, schüttelt den Kopf, wir diskutieren weiter, er telefoniert mit einem weiteren Chef und wir rechnen mit einer endgültigen Absage und plötzlich doch ein Einlenken. Er bringt uns zur Visastelle,  wir zahlen jeder die 35 $ Visumgebühr und erhalten tatsächlich die richtigen Visa, und das ganz ohne Bestechung. Wir haben nicht mehr damit gerechnet. Darf man sich da freuen? Ja! Wir fahren schnell mal wieder zum Büro der Immigration in Hafen und wir können es kaum glauben, wir bekommen den ersten Stempel auf unser Ausklarierungsformular.

Den Freitag verbringen wir beim Zoll, bei der Quarantäne, bei der Marine und beim Hafenmeister. Wir haben gelernt, dass man in Indonesien immer freundlich bleiben muss, egal was passiert. Aber das fällt uns nun wirklich nicht leicht, denn insgesamt müssen wir allein fünf Mal in das Büro vom Zoll und dann begleiten wir sie auch noch an Bord, denn sie müssen die Motorseriennummer prüfen, na toll. Man sollte es sportlich sehen. Schließlich sind wir nassgeschwitzt  beim Zieldurchgang und halten unsere Papiere für die Überfahrt in den Händen.

Ausklarierungsformular mit allen Stempeln außer der des Kapitäns

Ausklarierungsformular mit allen Stempeln außer der des Kapitäns

Port Clearance

Port Clearance

Unter diesem Bild warteten wir fünf-mal

Unter diesem Bild warteten wir fünfmal

Schnell zum Supermarkt und Gemüse und weiteren Proviant einkaufen, Wasser bunkern, Wetter prüfen und am 01.08.2015 verlassen wir hoffentlich Indonesien, kein Land hat uns so herausgefordert wie dieses und wegen der Bürokratie konnten wir viel zu wenig von Bali gesehen. Wir freuen uns auf unser nächstes Ziel La Réunion und hoffen, dass dies entspannter sein wird, vor allem da wir dort unsere Freunde Monika und Michael treffen wollen.

3 Antworten zu “Indonesien Teil 3, Komodo bis Bali

  1. Liebe Annette, lieber Thomas, habe gerade Euren Bericht überflogen, es ist ja nicht zu fassen, was Ihr alles erleben musstet. Ich meine jetzt den Teil mit der Bürokratie. Glückwünsch jedenfalls, dass Ihr das so meisterhaft bewältigt habt. … Und zu allem anderen, jetzt meine ich den sehr traurigen Teil zum Tod von Annettes Mutter, kommt bald etwas persönliches von uns. Warum wir bisher nicht dazu kamen, erklären wir dann auch. Jetzt schon viele liebe Grüße von Annette* und Hans-Heinrich

    • Liebe Annette, danke für deine Nachricht. Wenn du uns schreiben willst, dann am Besten über Funkmail, da wir morgen ablegen. Ich schicke dir eine Email, auf die du dann antworten kannst…

      Bis bald

      Liebe Grüße von

      Thomas und Annette

  2. My goodness you’ve been on a bit of a roller coaster. I am very saddened by the passing of Annette’s mother but am relieved that you were able to get to Germany for her passing.

    I’ve learned a great deal about the good and the bad of sailing Indonesia from this post. Forewarned is forearmed and I am now better prepared to sail there. Thank you.

    Wonderful photography as always. I love the Komodo Dragon, the Monkeys and the Bride and Groom best of all.

    Thinking of you as you make your way to Reunion. Missing you both.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s