Bay of Islands

Wir gönnen uns fünf Tage in der Opua Marina, um uns langsam in New Zealand einzugewöhnen. Wir wandern entlang der Küste nach Paihia und erfreuen uns an der Landschaft der Bay of Islands, die uns an eine Mischung aus Wales und Schweden erinnert.

Paroa Bay, Bay of Islands

Paroa Bay, Bay of Islands

James Cook gab der Bay of Islands ihren Namen, als er sie 1769 auf seiner ersten Reise nach New Zealand entdeckte. Die große Bucht verdient diesen Namen zu Recht. Wir haben eine schöne Zeit, als wir die einzelnen Buchten und Inseln erkunden.

Wir besichtigen das historische Treaty House in Waitangi, in dem 1840 der Staatsvertrag zwischen 43 Maori und der britischen Krone geschlossen wurde und den anschließend weitere 500 Häuptlinge gegenzeichneten. Es war gut, den Geburtsort des modernen Neuseelands und einiges über die Geschichte gesehen zu haben, aber leider wird hier kaum erwähnt, wie sehr gerade in den ersten Jahren die Rechte der Maori eingeschränkt wurden. Später habe ich mir aus dem Netz eine Gegenüberstellung der beiden Versionen des Vertragstextes (Original Englisch und eine moderne englische Übersetzung des Maori-Textes) besorgt, um sie vergleichen zu können. Sicherlich war den Maori 1840 nicht klar, in welchem Umfang sie ihre Souveränität aufgaben. Erst in den letzten Jahren ändert sich das Verständnis und das Verhältnis der Maori und der Pakeha, wie die europäischen Siedler genannt werden, zu einem Besseren.

Treaty House

Treaty House

Traditionelle Kriegerkanus

Traditionelle Kriegerkanus

Ich unternehme einen Tauchausflug zum Wrack der Rainbow Warrior. Ich erinnere mich an den Anschlag, als ob es gestern geschehen wäre. 1985 hatten zwei Froschmänner des französischen Geheimdienstes das Boot von Greenpeace in Auckland im Hafen gesprengt und dabei einen portugiesischen Reporter umgebracht. Sie wollten eine Fahrt des Bootes zum Moruroa Atoll verhindern, mit der Greenpeace gegen die Atomtests protestierte. Die Agenten wurden gefasst, aber die französische Regierung behauptete zunächst, nichts mit dem terroristischen Akt zu tun zu haben. Später wurde klar, dass wohl Mitterrand persönlich den Anschlag autorisiert hatte. Die Rainbow Warrior wurde ein Jahr später bei Cavalli Islands ein zweites Mal versenkt, um dort ein künstliches Riff für Fische und Seepflanzen zu bilden. Das Wasser hat nur 15° und es ist der einzige bisherige Regentag mit gefühlten 10° Lufttemperatur. Es ist kein schönes Gefühl, bei diesem kühlen und regnerischen Wetter in den vom Vortag noch nassen Neopren zu steigen. Warum mache ich immer solche Sachen? Aber der 7-mm-dicke Anzug mit Weste und Haube soll uns vor dem kalten Wasser schützen. Mein erster Tauchgang außerhalb der Tropen ist saukalt aber spannend. Wir tauchen bei schlechter Sicht zu dem Wrack hinab, das in 26 Meter Tiefe liegt und inzwischen von Pflanzen überwachsen ist. Gespenstische Anblicke, als sich beim Abtauchen die Konturen von der Umgebung abheben. Besonders spannend war für mich, in das Innere des Wracks zu tauchen. Hinein geht es durch eine Tür in den Aufbauten. Wir folgen dunklen Gängen durch das Schiff bis zu einer Luke am Mitteldeck, durch die wir wieder hinaustauchen. Später diskutieren wir über die Folgen des Anschlages. Frankreich letztlich hat genau das Gegenteil des Planes erreicht. Die Weltöffentlichkeit war auf Seiten Greenpeaces, deren Spendeneinnahmen sich vervielfachten, und letztlich mussten sie die Atomtests einstellen. Die Beziehungen der Neuseeländer zu Frankreich sind noch heute gestört. Neuseelands Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit wurden aber gestärkt, denn weder die USA noch Großbritannien hatten sie damals unterstützt. Eine Atommacht kratzt schließlich der anderen kein Auge aus…

Rainbow Warrior, Steuerbordseite

Rainbow Warrior, Steuerbordseite

Unter dem Bug

Unter dem Bug

Wir tauchen in das Wrack

Wir tauchen in das Wrack

entlang dem Flur

entlang dem Flur

zur Mitte des Schiffes

zur Mitte des Schiffes

und wieder hinaus durch eine Luke

und wieder hinaus durch eine Luke

Unterwasserpflanzen

Unterwasserpflanzen

Wir segeln in der Bay of Islands von Bucht zu Bucht. So ankern wir in der gemütlichen Matauwhi-Bucht, um das alte Russell zu besuchen. Wir gestalten die Reise-Etappe nach unseren Vorstellungen und taufen sie „sail and wine“, denn wir ankern möglichst in der Nähe von Weinbergen (hier: Omata), wandern dorthin und testen die für uns neuen Weine direkt beim Winzer, die natürlich alle begeistert sind, dass wir mit dem Segelboot um den Globus segeln, um ihre Weine zu testen.

Bay of Islands bei Opua

Bay of Islands bei Opua

Altes Kolonialhaus in Russell

Altes Kolonialhaus in Russell

Winetasting bei Omata

Weinprobe bei Omata

In Russell finden wir älteste katholische Kirche in New Zealand

In Russell finden wir die älteste katholische Kirche in New Zealand

Der nächste Tag bringt uns in die Bay of Paroa zum zweiten Weingut. In New Zealand überwiegen die Weißweine, aber hier mundet sogar der Rote, ein CMC, gekeltert aus Cabernet Franc, Malbec und Cabernet Sauvignon. Wir besuchen auch Inseln ohne Weingut wie Urupukapuka. Wir ankern in der Paradise Bay, um die Insel auf einem historischen Pfad zu umwandern. Immer wieder erfreuen uns wunderschöne Ausblicke über die Inselwelt der Bay of Islands. Auf der Insel zeigt ein ökologisches Projekt seine Erfolge. Die von den ersten Siedlern eingeschleppten Ratten, Katzen und Hunde wurden ausgerottet, um den ursprünglichen endemischen Vögeln wieder eine Lebensgrundlage zu geben. Wir lernen den wundersamen metallischen Gesang des Tui zu erkennen. Leider haben wir noch keinen der nachtaktiven scheuen Kiwis gesehen.

Weingut Paora Bay

Weingut Paora Bay

Unser Blick aus der "Paradise Bay"

Unser Blick aus der „Paradise Bay“

Bay of Islands 160

Auf der Wanderung auf Urupukapuka

Auf der Wanderung auf Urupukapuka

Bay of Islands 168

Die Neuseeländer nennen in Chrismas Tree, da er zu Weihnachten seine roten Schmuck trägt

Die Neuseeländer nennen in Christmas Tree, da er zu Weihnachten seine roten Schmuck trägt

Die Vögel sind weder Tui noch Kiwi sondern?

Die Vögel sind weder Tui noch Kiwi sondern?

Unsere Lieblingsbäume. Riesenfarne

Unsere Lieblingsbäume. Riesenfarne

Dann verlassen wir dieses traumhafte Segelgebiet nach Süden in Richtung Whangarei, wo wir unser Basislager aufschlagen wollen. Dort wollen wir Reparaturen ausführen und die Anke-Sophie hierlassen, wenn wir zu Fuß und eventuell mit einem Auto den Süden von New Zealand erkunden und nach Australien fliegen. Auf dem Weg nach Whangarei ankern wir in kleinen Buchten und erkunden jeweils das Hinterland mit Wanderungen, so in Whangaruru Harbour und in Tutukaka. Sind das nicht fantastische Namen? Vor der Küste liegen die malerischen „Poor Knights Islands“. Wir wollen das Naturreservat besuchen. Das Betreten der Inseln und Fischen ist untersagt, aber Ankern und Schnorcheln sind erlaubt. Wir sind begeistert von den steilen Klippen und den riesigen Höhlen. Wir ankern zwischen den Steilwänden, trauen uns aber nicht über Nacht zu bleiben, da der Ankergrund zu tief liegt und die Riffs zu nahe sind, sodass wir diesen traumhaften Platz leider wieder vor der Dunkelheit verlassen müssen.

Die "Poor Knight Islands"

Die „Poor Knight Islands“

Poor Knights 030

Unser Ankerplatz, leider zu tief und zu eng für eine ruhige Nacht

Poor Knights 049

„Poor Knights“ aus der Ferne

Poor Knights 024

Die letzte Nacht verbringen wir in Urquharts Bay, bevor wir am nächsten Morgen die letzten 13 Seemeilen mit der auflaufenden Tide nach Whangerei fahren. Die Freunde Jill und Bruce von der Daemon begrüßen uns herzlich und wir fühlen uns gleich zuhause.

Annette davor

Annette vor…

und nach dem Haareschneiden

und nach dem Haareschneiden

6 Antworten zu “Bay of Islands

  1. Hallo ihr Beiden,
    da kommt purer Neid auf, dass ihr auf so untouristische Art die Bay of Islands ersegeln konntet. Einiges davon haben wir Anfang letzten Jahres auch gesehen und uns gewünscht, dort einmal segeln zu können. Ihr habt unseren Traum wahr gemacht. Und dann wieder diese tollen Fotos! Aber wo sind denn die Delfine? Stattdessen aber die Rainbow Warrier, die die Wut von damals wieder hochkommen lässt. Genießt den Wein und die so abwechslungsreiche Landschaft Neuseelands.
    Liebe Grüße Hildegard und schlowly

    • Lieber Schlowly und lieb e Hildegard,

      ja diese Wut kann ich sehr gut verstehen und als ich gesehen habe, dass man dort runter tauchen kann, da konnte ich nicht anders als es zu tun. Egal wie kalt das Wetter und das Wasser war, es war es wert. Echt spannend und dann vor dem ganzen Hintergrund und lange zuvor im Südpazifik hatten wir mit Bruce und Jill (Neuseeländer) darüber gesprochen und deren Verständnis mitbekommen und wie froh sie sind Atom frei zu sein…

      Sehr gut kann ich mich auch noch daran erinnern, wie NZ amerikanischen Kriegsschiffen das Einlaufen verboten hatten, als die nicht bereit waren, offenzulegen, was sie an Nuklearwaffen Bord haben. Eine andere Geschichte, die die NZ aber auch selbstbewusst gemacht hat.

      Und Delfine, wir hatten welche auf dem Weg nach NZ gesehen und Wale…

      Mit herzlichen Grüßen

      Thomas & Annette

      Thomas Herter

      http://www.ankesophie.wordpress.com

      Mobile Nea Zealand: +64 21 1887113

      Inmarsat Satellitentel.: +870776447234 – Anmerkung: Das Gerät ist nur eingeschaltet, wenn wir einen Termin zum Telefonieren per Email vereinbart haben.

      Auf See bin ich nur unter der Emailadresse DH7TH@winlink.org erreichbar. Anmerkung: Wir müssen zuvor eine Email ausgetauscht haben (ich an dich/Sie).

  2. Hallo ihr Lieben,

    Wir sitzen hier gerade mit dem Miklas, der Sibylle und der Runa beim gemütlichen Abendessen und lesen ganz gespannt von euren neusten Erlebnissen. Miklas sagte bei jedem zweiten Ort „da war ich auch“, er hat doch vor zwei Jahren Neuseeland bereist und auch einen Abstecher nach Fiji gemacht. Er war sogar auf der gleichen Insel wie ihr! (Mana Island) Die Fotos (auch die aus NZ) sehen teilweise sehr vertraut aus. 🙂

    Vor zwei Wochen waren wir wieder auf dem Engelmarkt und haben ganz erfolgreich für den Verein gesammelt! Es war wieder toll mit den Leuten ein bisschen zu quatschen und neue kennen zu lernen. Höhepunkt des Abends: Die Versteigerung einer Plüschkuh für sagenhafte 15€.
    Jetzt hätten wir noch ein Stück Kuchen für euch im Angebot, aber Hilli sagt das wird sonst schlecht, deshalb essen wir das doch auf.

    Genießt das warme Wetter! Hier ist ja nur nasskaltes Wetter, iiiih…

    Wer ist denn eure nächste Mitfahrgelegenheit? Per Boot ist ja doch etwas spannender als die Busse hier.

    Leider können wir euch kein Foto von unserem Gelage mitschicken. Das kommt dann per Mail.

    Viele Grüße
    Sibylle, Runa, Miklas, Heiner und Hilli

  3. Now I see the photos from Rainbow Warrior. Apparently, my reader didn’t load all the photos from your blog post. Will bypass the reader and come directly to your site next time. Your photography is amazing. So lovely to ring in the New Year with you both. Looking forward to spending more time with you in 2015! Lisa

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