Von Fiji nach New Zealand

Unsere neuen Crewmitglieder Esther und Jonas treffen aus Deutschland ein. Sie wollen für mindestens ein Jahr in Neuseeland reisen und arbeiten und dachten sich, dass es doch angemessen sei, sich der Insel auf einem Segelboot zu nähern. Wir ermöglichen das gerne und freuen uns auf die beiden und die Passage zu viert. Wir brechen nach über einer Woche Wartezeit am Freitag, dem 14.11.14 auf und haben folgende ganz gute Prognose von „Gulf Harbour Radio“ im Gepäck:

Leaving Fri looks reasonable. Sat you will encounter NZ Front #1 at 20S. Not much in it Winds in the mean about 20kts higher gusts. Sun will see light winds SE about 10-12kts as the High center moves to near 175E. Mon the winds back to NE as the High lies south of Fiji. The next front NZ#2 will be at 30/175E by Tues around midnight. Winds NW equatorward of axis and SW polar of axis. On that date the new Tasman High, central pressure 1023 pushes a ridge NE-Winds from 30 to 35S look to be S/SSE, light, about 10-12kts. By Thurs am the High is just west of north cape, winds on passage route south of 30S expect SE 10-15. Beyond this model output not very reliable but a new depression should form in the southern ocean with winds in the western Tasman northerly 20-25kts. This area will slowly move east. Long range the High may be over Northland by Sun 23rd. Perhaps zero wind near Opua. You should be in by then. Safe sailing.

Regards Patricia and David

Beide sind Segler und kennen die Gewässer des Südpazifik und Neuseelands. Patricia ist Amateurfunkerin und David ist Metrologe, eine gute Mischung. Die beiden werden uns über Kurzwellenfunk auf der Reise begleiten. Das ist beruhigend, denn nun verlassen wir den Bereich der relativ gemäßigten und stetigen Passatwinde und kommen nach dem Queren der Rossbreiten in den Bereich, der unter dem Einfluss von West nach Ost ziehender Hoch- und Tiefdruckgebiete steht, und werden damit Winde aus allen Richtungen und Stärken antreffen können.

Zum Abschied versammeln sich die Mitarbeiter der Vuda Point Marina und geben uns ein Abschiedsständchen und wünschen uns eine gute Überfahrt, eine sehr nette Geste, an der wir uns erfreuen.

Abschied von Fiji

Abschied von Fiji

Wir starten mit einer Kreuz durch die Lagune und wechseln bald die Genua in die Kevlar-Fock und haben später eine erste anstrengende Nacht bei bis zu 25 kn Wind hoch am Wind. Wir sind froh, unseren Kurs halten zu können, denn der Wind kommt aus SE, aber die Wellen lassen den ersten Tag ungemütlich werden. Leider bricht in der Nacht der Kopfbeschlag der Fock und wir müssen das Segel nachts bergen und durch ein zweites ersetzen, das wir provisorisch am Spifall setzen. Am Nachmittag des zweiten Tags heißt es dann für mich in den Mast zu klettern, als die See sich beruhigt hat. Ich muss das am Masttop hängende Fockfall bei Pazifikwelle wieder an Deck zurückholen, um die Genua wieder in den Rollmechanismus setzen zu können.

Esther und Jonas fügen sich gut in unsere Segelgemeinschaft ein. Wir genießen das Segeln zu viert. Wir fahren in Zweistundenwachen, somit ist jeder nach sechs Stunden wieder mit zwei Stunden Wache dran. Das gibt genug Zeit, Schlaf nachzuholen, Essen zu kochen, abzuwaschen oder kleinere Reparaturen durchzuführen. Wir lesen Bücher, hören Musik und tauschen uns viel aus über das unterschiedliche Leben, das wir führen. Ich höre in den Nachtwachen wieder die monatlichen Lesungen von Stephan Pape, die er mir aufzeichnet, damit ich an den Kaminabenden des „Literarischen Stier“ der Berliner Stierstraße zumindest hörend teilhabe. Soweit läuft alles gut an Bord, außer dass leider kein Fisch anbeißt. Seit Tagen ziehen wir die Schleppleine hinter dem Boot her, bis wir feststellen, dass kein Haken mehr daran hängt. Wir leben also weiterhin vegetarisch. Stattdessen trifft Jonas mitten in der Nacht ein Fliegender Fisch am Kopf. Er ist total verblüfft und wischt sich den stinkenden Fischschleim aus dem Gesicht. Annette und ich kennen das ja schon, wir hatten ja sogar einen in unserem Schlafsack, als dieser vor Monaten durch die kleine Luke direkt in unsere Koje flog. Unterwegs beobachten wir Wale und sonderbare Quallen, die segelartige Häute in die Luft strecken und als Segel nutzen, um so über die Meere getragen zu werden.

Esther und Jonas

Esther und Jonas

Wale in Sicht

Wale in Sicht

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Qualle mit Segel

Qualle mit Segel

Leider wird der Wind immer schwächer, sodass wir ab und zu den Motor starten müssen. Das Wetter sieht insgesamt ruhig aus, aber wir wollen nicht zu viel Zeit verlieren, denn man weiß in diesen Gewässern nie, wann die nächste starke Front kommt. Viele Segler haben uns von bösen Überraschungen mit starken Stürmen auf der Passage zwischen den Inseln und Neuseeland erzählt. Deshalb bin ich froh über die Amateurfunknetzwerke, mit denen ich täglich Positionen und Wetterinformationen austausche. Es gibt einem ein Gefühl von Sicherheit, nicht ganz alleine zu sein. Auch freue ich mich immer auf die kurzen Gespräche mit Bruce über Kurzwelle; am dritten Tag erzählt er uns, dass sie soeben ihre Weltumsegelung mit ihrer Daemon beendet haben. Sie haben ihre alte Kurslinie nach 8 Jahren wieder gekreuzt. Wir gratulieren und freuen uns auf ein Fest in Neuseeland.IMG_2559 IMG_2564

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Das 10 Jahre alte Segel muss geflickt werden. In NZ gibt es ein neues.

Bei uns an Bord flicken wir das Großsegel, das im verstärkten Bereich des zweiten Reffs anfängt einzureißen, mit selbstklebender Folie, die ich für solche Fälle mitführe.

Bei 28° Süd treffen wir auf das uns angekündigte Frontensystem. Wir sehen lange zuvor eine schwarze Wolkenwand auf uns zukommen. Wir reduzieren die Segelfläche stark und schauen dem entgegen, was da vor dem Bug passiert. Es fängt wie im Lehrbuch an zu regnen und dann kommt der Windsprung. Der Wind frischt plötzlich auf und dreht von NNW auf SSW und leider noch weiter auf S. Damit kommt er leider genau von vorne. Wir können unseren Kurs 187° nicht mehr halten und laufen nun 230°. Dies bringt uns weit von der Ideallinie ab, was sich aber nicht ändern lässt. Eine weitere ungemütliche Nacht hält uns auf Trab, dabei sind es lediglich 15 – 20 kn Wind. Aber wir haben leider noch die Genua stehen und wollen sie in der Nacht bei dem Wind auch nicht bergen. So rauschen wir durch die Nacht und eine steile kurze See schlägt gegen den Rumpf. Ich liege in der Koje und denke, was wäre, wenn die Windstärke nicht 20, sondern 35 kn oder noch mehr wäre. Aber der Wind bleibt in dem Bereich von 15- 20 kn und wir kommen gut voran, wenn auch in eine ganz andere Richtung, als gedacht. Mit David von Gulf Harbour Radio diskutiere ich am nächsten Tag und frage, was er empfiehlt, und er macht mich darauf aufmerksam, dass wir mitten in das nächste angekündigte Hoch laufen und damit ab dem siebtem Tag mit „zero Wind“ rechnen müssten und uns somit eine lange Motorpassage bevorstehe, in der wir unseren Kursversatz ausgleichen könnten.

Wie wir es uns dachten. Das Hoch zieht nach Westen weiter und damit dreht sich der Wind für uns von S zurück  auf SE. Wir fahren nach wie vor auf Steuerbord hoch am Wind und beschreiben eine langsame Linkskurve und können nach vielen Stunden wieder unseren neuen Sollkurs von 173° laufen. Der Motor kommt zum Einsatz, teilweise mit Segeln unterstützt, dann kommt der Wind aber leider doch wieder aus S und es geht mal wieder genau gegenan und bremst uns und noch immer liegen 300 sm vor uns. Wir rechnen mit weiteren drei Tagen. Am achten Tag queren wir ein Hoch genau in seinem Zentrum, das genau nördlich von New Zealand liegt. Auf der Südhalbkugel drehen sich die Winde bekanntlich gegen den Uhrzeigersinn um das Hoch. Mit leichtem SE-Wind fahren wir in südlicher Richtung hinein und dann schläft der Wind schließlich wie vorhergesehen ein. Wir müssen wieder für 12 Stunden motoren, bis uns ein leichter Wind aus SW hilft, wieder aus dem Hoch herauszusegeln. Die Wetterprognosen sind gut, die leichten Winde sollen uns bis nach New Zealand bringen.

Wir haben Zeit, uns auf unser Ziel einzustimmen und über die bisherige Reise nachzudenken. In New Zealand werden wir Halbzeit feiern. 18.000 Seemeilen liegen hinter uns. Eine beachtliche Strecke, aber etwa genauso viele Seemeilen liegen noch vor uns.

Die letzten Tage haben wir es deutlich gespürt. Wir haben die Tropen verlassen. Es wird kälter. Wir holen die Fleece aus den Stauräumen und wir müssen wieder Socken tragen. Nachts ziehen wir die Stiefel an und sehen aus wie Polarbären. Welch eine Umstellung nach anderthalb Jahren barfuß leben!barfuss 006

Es wir deutlich kälter !!!

Es wird deutlich kälter !!!

Wir haben den Südpazifik auf der Barfußroute durchquert. Von Panama ging es über Galapagos zu den Marquesas-Inseln, dann folgten die Gesellschaftsinseln und das Archipel der Tuamotu. Nach einem Abstecher beim Suwarrow-Atoll der Cook Inseln verbrachten wir eine schöne Zeit in Samoa, einem der Höhepunkte unserer Reise. Es folgten schöne Tage auf Tonga und Fiji. Traumhafte Inseln reihten wir auf unserer Reise aneinander wie Perlen auf einer Kette. Ach ja, apropos Perlen, schwarze Perlen haben wir ja auf Fakarava gesehen. Wir fanden Kontakt zu so vielen freundlichen Menschen, von Land zu Land anders, aber die meisten von einer solchen Herzlichkeit, von der sich die meisten Europäer einige Scheiben abschneiden könnten. Das wird eine Umstellung, wenn uns die „Berliner Schnauze“ wieder entgegenschallen wird.  Wir lernten sehr nette Segler aus unterschiedlichsten Ländern kennen, manche werden sicher unsere Freunde bleiben.

Endlich mal wenig Welle und dafür Spinnaker-Segeln

Endlich mal wenig Welle und dafür Spinnaker-Segeln

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Am letzten Tag fangen wir dann doch noch einen kleinen Thunfisch und sind darüber sehr froh, denn er liefert uns eine frische Grundlage für zwei proteinreiche ausgesprochen leckere Malzeiten. Der Wind aus West frischt auf, wir fliegen New Zealand mit bis zu 8 kn entgegen. Wir treffen die ersten Frachter seit langem, ein deutliches Zeichen, dass wir uns der Zivilisation nähern. Wir fahren, zum Schluss mal wieder unter Motor, durch die Bay of Islands, von der wir nichts sehen, da wir in pechschwarzer Nacht ankommen, und erreichen Opua am 24.11.2014 um 03:15 Uhr. Wir haben die Passage von Fiji nach New Zealand mit 1.075 sm in 9 Tagen und 15 Stunden gut gemeistert. Die Durchschnittsgeschwindigkeit von 4,6 kn ist nicht üppig, aber immer noch gut, wenn man die langen Flautenzeiten bedenkt, in denen wir für 33 Stunden die Maschine bemühen mussten. Glücklich sinken wir in die Federn und schlafen ein paar Stunden ohne Unterbrechung, bis uns der nette Zöllner weckt und mit uns die bereits von uns ausgefüllten Formulare durchgeht. Die „biosecurity“ überprüft unsere Lebensmittelbestände und nimmt uns weg, was neuseeländischen Boden nicht erreichen soll. Es ist nicht viel, da wir uns darauf vorbereitet hatten.

Hurra, wir sind in Neuseeland und wir freuen uns auf eine interessante und hoffentlich auch ruhige Zeit, denn wir wollen diese Phase bis April/Mai als schöne Pause vom Segeln nutzen und Neuseeland und Australien auf dem Landweg mit unseren Wanderstiefeln erkunden. Zuvor aber werden wir die Bay of Islands und die Ostküste der Nordinsel bis Auckland besegeln und dann später in Whangarei die River Side Drive Marina aufsuchen, um einiges am Boot zu reparieren. Aber zunächst wollen wir ankommen und das Leben in Aotearoa, wie die Maori ihr Land nennen, genießen.

5 Antworten zu “Von Fiji nach New Zealand

  1. Liebe Annette, lieber Thomas, da habt Ihr ja wieder einen ordentlichen Schlag hinter Euch! Und jetzt wird es also auch für Euch kälter. Die vielen schönen Fotos und Reiseerlebnisse halten mich immer wieder vom Arbeiten ab. Vom anderen Ende der Welt, Nicaragua, bekommen wir auch inzwischen interessante Nachrichten. Veras erste Rundmail schicke ich Euch. Bald also schreibe ich Euch wie versprochen ausführlicher, alles Liebe, Annette*

  2. Liebe Annette und lieber Thomas, danke ein weiteres Mal für solch einen spannenden Bericht! Diesen Abschnitt eurer Reise habt ihr wieder sehr gut gemeistert. Und besonders die Spinnakerfotos sind ganz große Klasse! Ich wünsche euch für das Land der Kiwis ganz viel Entdeckerlust und Spaß an all dem neuen. Wanderstiefel sind ja mal was ganz anderes… Seid lieb gegrüßt und umarmt – Bernhard

  3. Ihr Lieben,

    Dank für den Bericht und die z.T. besonders schönen Weite und Himmelsfotos! Was kassierte die biosecurity?
    Die Schweizer verboten früher(?) die Mitnahme von Fleisch, weswegen erinnere ich nicht mehr, so bin ich gespannt, was die „Kiwis“ nicht möchten.
    Wir kommen grade vom Aumühler Advertsmarkt, der zwar ziemlich langweilig ist, wo wir uns bei kühlen Temperaturen aber mit feiner Erbsensuppe stärkten. Wie ist euch bei dem Gedanken an Weihnachten und Glühwein?
    Habt es gut in den nächsten Tagen und Wochen!
    Liebe Grüße auch von A. und eurer Lisa

    • Liebe Lisa, lieber Andreas,

      danke für die lieben Grüße vom anderen Ende der Welt. Du fragtest, was die „Biosecurity“ konfisziert hatte. Sie waren sehr freundlich und wir wussten schon ungefähr, was wir nicht einführen dürfen und haben demensprechend nicht zu viel eingekauft. Es waren noch vier Kartoffeln und drei Zwiebeln da, die eingesackt wurden. Leider auch die gesamten Knoblauchbestände, da Knollen nicht eingeführt werden dürfen. Der Rest vom Honig, aber das war nur noch ein Löffel im Glas und die angebrochene Salami. Warum wir die andere, die noch eingeschweißt war, behalten durften, das erschließt uns nicht. Getrocknete Bohnen und der Ingwer und ein paar Bananen mussten noch dran glauben. Den letzten Apfel rettete ich, indem ich ihn schnell vor ihren Augen aufgegessen habe (war erlaubt). Alles in allem sehr harmlos. Wir haben noch viele Konserven, die waren alle ungefährlich (auch Fleisch), aber auch Restbestände von Mehl interessierte sie nicht. Auch Nüsse und Chips etc. durften wir behalten.

      Tja, auch wir haben hier den ersten Advent, aber ich glaube das feiern die Neuseeländer nicht. Ich habe gefragt, wie das mit Weihnachten aussieht, denn man sieht zum Glück überhaupt keinen Weihnachtsschmuck in den Straßen. Das alleine stimmt mich schon glücklich. Also die Antwort: Man geht am 25. an den Strand und feiert und am 26.12. ist dann auch schon alles vorbei, das sei alles. Für mich wunderbar, aber ich bin sicher Annette wird etwas vermissen. Annette hat schon ein paar Mini-Weihnachtsmänner aus Schokolade besorgt. Da gab es auch einen für jeden von uns zum Advent. Wir werden Weihnachten aber gebührend feiern und uns auch beschenken.

      Mit herzlichen Grüßen

      Thomas & Annette

      Thomas Herter

      http://www.ankesophie.wordpress.com

      Mobile Nea Zealand: +64 21 1887113

      Inmarsat Satellitentel.: +870776447234 – Anmerkung: Das Gerät ist nur eingeschaltet, wenn wir einen Termin zum Telefonieren per Email vereinbart haben.

      Auf See bin ich nur unter der Emailadresse DH7TH@winlink.org erreichbar. Anmerkung: Wir müssen zuvor eine Email ausgetauscht haben (ich an dich/Sie).

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