Samoa

Wir hatten eine gute Überfahrt (510 sm) von Suwarrow nach Samoa mit anfangs starkem und böigem Wind für zwei Tage und segelten anschließend anderthalb Tage mit besten Bedingungen. In Apia lagen wir zunächst vor Anker in der Bucht. Wir durften die einzelnen Behördenvertreter jeweils mit dem Dinghi abholen und zurückbringen und hatten nacheinander mit Health, Customs, Immigration und Quarantine angenehme und lustige Gespräche. Wir waren verwirrt, denn wir kamen am Montag an, doch es stellte sich heraus, dass auf Samoa schon Dienstag war. Durch den Einfluss der USA wurde Samoa 1892 auf die östliche Seite der Datumsgrenze gelegt. Wegen der guten Beziehungen zu Neuseeland legte Samoa sie aber 2011 auf die westliche Seite, somit hatten wir also den kompletten Montag verloren, als wir die Datumsgrenze übersegelten. Der Zeitunterschied zu Deutschland beträgt nun 13 Stunden. Apia hat uns sogleich freundlich empfangen. Beinahe jeder auf der Straße fragt  einen, woher man kommt. Es wird erzählt und viel gelacht, die Menschen sind sehr freundlich und wir sind beschämt, wenn wir an die Nüchternheit des öffentlichen Lebens zuhause denken. Samoa war eine deutsche Kolonie von 1899 bis 1914, bis Neuseeland es im ersten Weltkrieg besetzte. Samoa erlangte die Unabhängigkeit 1962. Trotz der Geschichte, vielleicht aber auch gerade deshalb, scheinen wir als Deutsche besonders freundlich begrüßt zu werden.Samoa 595

Auf Samoa Tragen Männer Röcke, Lava Lava genannt

Auf Samoa Tragen Männer Röcke, Lava Lava genannt

Samoa 319 Samoa 360

Am dritten Tag verlegen wir uns in die Marina neben Amandla, die Yacht von Fabio und Lisa, die wir in Suwarrow kennen gelernt hatten. Wir genießen es, einfach zu Fuß an Land gehen zu können, ohne das Dinghi bemühen zu müssen. Wir nehmen uns viel Zeit, verbringen abwechslungsreiche Stunden mit Reparaturen an Bord, zum Beispiel näht uns Fabio mit seiner Bord-Nähmaschine schadhafte Stellen von Großsegel und Genua, oder wir treffen uns mit der Seglergemeinde in der Bar zum Sundowner. Oft unternehmen wir Gänge in die Stadt, um Ersatzteile zu besorgen oder um einfach einen Kaffee zu trinken und dabei Menschen zu beobachten.

Die große Kirche von Apia von innen

Die große Kirche von Apia von innen

und von außen

und von außen

Samoa 386

Nach Berlin ist es ganz schön weit (19.921 km)

Leider viel zu wenig von den alten Kolonialbauten übrig.

Leider ist viel zu wenig von den alten Kolonialbauten übrig.

Fischmarkt

Fischmarkt

Gemüse- und Obstmarkt

Gemüse- und Obstmarkt

Brotfüchte

Brotfüchte

Eine Wanderung führt uns oberhalb von Apia zu der Villa von Robert Louis Stevenson, in der er die letzten fünf Jahre seines Lebens wohnte, bis er 1894 unerwartet im Alter von 44 verstarb. Der schottische Schriftsteller schrieb u.a. Die Schatzinsel sowie die Schauernovelle Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Wir erkundigen uns über das Leben Stevensons, der lungenkrank oft seinen Lebensmittelpunkt wechselte, bis er hierher umsiedelte. Wir besuchen sein Grab, das wir schweißgebadet auf einem Berg über der Stadt finden. Der Regenwald und die Aussicht entschädigen uns.

Die Villa von Robert Louis Stevenson

Die Villa von Robert Louis Stevenson

hier von innen

hier von innen

Wir unternehmen mit einem Mietwagen gemeinsame Ausflüge über die Insel Upolu und erkunden kleine Dörfer, wo wir immer wieder auf freundliche Samoaner treffen, mit denen wir uns auf Englisch gut austauschen können. Immer wieder treffen wir auf die schönen Versammlungshäuser, in denen sich die Familien regelmäßig treffen, um die Geschicke der Familie zu besprechen. In Samoa wird alles über die Familien geregelt. Familien bestehen im Durchschnitt aus etwa 200 Angehörigen. Der Matai ist das Familienoberhaupt. Die Matai der Familien wählen den High Chief und die Parlamentsabgeordneten.Samoa 510 Samoa 523 Samoa 537

Das Dach einer typischen Versammlungshütte von innen

Das Dach einer typischen Versammlungshütte von innen

Die Versammlungshütten  eines Dorfes

Die Versammlungshütten eines Dorfes

Samoa 543 Samoa 546 Samoa 553

Auf dem Schulhof

Auf dem Schulhof

Die Samoaner sind sehr religiös und überall prägen große und kleine christliche Kirchen unterschiedlicher Religionsgemeinschaften das Dorfbild. Auf unserer Fahrt über die Insel zeigt sich für uns immer wieder, dass das Landleben Samoas aus Feldern, Hütten, Kirchen, Versammlungshäusern und Schulen besteht. Es gibt weder Restaurants noch Bars, wo man einkehren könnte, sodass uns nur übrig bleibt, zum Mittagessen in ein Resort zu gehen.

Traditioneller Bootsbau

Traditioneller Bootsbau

Rennen mit modernen Auslegerbooten

Rennen mit modernen Auslegerbooten

Blick über eine Lagune

Blick über eine Lagune

Dorf mit Versammlungshaus und Grab im Vorgarten

Dorf mit Versammlungshaus und Grab im Vorgarten

und wieder Versammlungshäuser

und wieder Versammlungshäuser

Besonders haben uns die Landschaften an der Südküste gefallen. Wir beobachten die Brandung, in der die Pazifikwellen auf die Lavafelsen der Küste treffen und hohe Gischtfahnen aufwerfen.Samoa 478 Samoa 488 Samoa 498 Samoa 506

Nach 8 Tagen in Apia zieht es uns weiter und wir segeln über Nacht zur Nachbarinsel Savai´i, wo wir in der Lagune vor Asau ankern wollen. Aus der Seglerliteratur wissen wir, dass die Einfahrt am besten morgens erfolgen soll und dass ein nur enger künstlicher Durchbruch, den die Amerikaner im zweiten Weltkrieg gesprengt haben, durch das Riff führt. Wir haben zwar die GPS-Koordinaten, aber nach deren Eintragung in die digitale Seekarte liegen diese verwirrend auf Land. Oft sind die Karten hier sehr ungenau. Die Einfahrt sei durch eine Richtmarke gekennzeichnet. Man solle nur durch das Riff einlaufen, wenn die Dreiecke genau übereinander stehen. Die Marken und Dreiecke seien aber nur sehr schwer zu erkennen. Zum Glück treffen wir genau vor der Lagune ein lokales Motorboot und wir erfahren, dass wir mit einem Abstand von 10 Metern am linken Riff entlang fahren sollen, jedoch sei eines der Dreiecke im letzten Sturm zerstört worden, sodass die Richtmarke nutzlos geworden ist. Wir bitten den Fahrer, uns den Weg durch den Pass zu zeigen, und so finden wir problemlos in die Lagune. Ohne seine Unterstützung hätten wir uns nicht durch das Riff getraut und hätten direkt nach Tonga weitersegeln müssen.

Wir ankerten in der Lagune vor der Va-i-Moana Lodge und hatten dort eine schöne Zeit. An einem Abend nahmen wir dort das Dinner ein mit einer anschließenden Tanzdarbietung, Fiafia genannt. Es war keine künstliche Tanzshow, wie man sie in einem Resort vermuten könnte. Vielmehr versammelte sich ein kleiner Kreis von Angestellten mit einstudierten Tänzen zur Musik, die der Chef mit einer Gruppe begleitete. Die Samoaner leben mit ihrer Musik, von daher wirkte alles sehr natürlich und nicht aufgesetzt. Wir waren begeistert von den anmutigen Bewegungen der Frauen und belächelten etwas die vor Kraft strotzenden jungen Männer, die ihre Muskeln spielen ließen und den typisch männlichen Teil der Tänze zeigten. So konnten wir die Tänze von Samoa gut mit denen vergleichen, die wir in Tahiti gesehen hatten. Da beide Inseln zu Polynesien gehören, erkannten wir viele Rhythmen und Tanzbewegungen wieder.

An einem Tag lernten wir, wie Kokosnüsse geerntet werden, wie man die äußeren Schalen und Fasern an einem Dorn entfernt, wie man die  Kokosnuss mit einer Machete spaltet, wie das Kokosfleisch ausgeraspelt wird und zuletzt, wie daraus Kokosmilch bereitet wird. Die jungen Kokosnüsse sind sehr schwer wegen des Fruchtwassers, die älteren Kokosnüsse sind leichter und enthalten das Kokosfleisch, aus dem die Milch gewonnen wird. Kokosnüsse mit einem Trieb sind vollständig mit einem apfelähnlichen Fruchtfleisch gefüllt, das auch essbar ist. So ein Urlaubsleben in einem Resort ist für uns sehr schön für ein oder zwei Tage, aber wir wollten hier trotz allem keine zwei Wochen verbringen.Samoa 631 Samoa 638 Samoa 651 Samoa 660

Wir treffen Lisa und Fabio noch einmal, denn sie sind mit ihrem Mietwagen unterwegs auf einer Tour um Savai’i. Wir besuchen gemeinsam mit ihnen einen Regenwald mit riesigen Urwaldbäumen.

Auf der Suche nach den exotischsten Flugplätzen dieser Welt sind wir mal wieder fündig geworden. In Asau auf der Insel Savaii haben wir eine kleine Landebahn entdeckt, die die Amerikaner im zweiten Weltkrieg wohl hier gebaut haben. Dazu ein kleiner Hafen und sie haben eine Passage durch das Riff gesprengt, durch die wir in die Lagune einfahren konnten.Samoa 623 Samoa 630

Der Flugplatz von Asau

Der Flugplatz von Asau

Es gibt fast nie Flugverkehr, aber der Platz wird gepflegt. Die Halbinsel wurde wohl von einem Investor gekauft, der hier mal ein Resort einrichten will.

Bevor der Wind, wie in den Wetterberichten vorhergesagt, auf Süden dreht, wollen wir Richtung Tonga ablegen.

9 Antworten zu “Samoa

  1. Liebe Anette, lieber Thomas,
    Mal wieder bin ich völlig begeistert von eurem Beitrag! Ihr schreibt so spannend und anschaulich, dass wir das Gefühl haben, ein bisschen mit euch zu reisen. Vielen Dank dafür! Die Fotos sind auch wunderbar – tolle Frisur, Annette! Ganz liebe Grüsse von uns allen! wir freuen uns af Tonga! Maya

  2. Ihr Lieben, Mann oh Mann Ihr kommt rum, Samoa, das klingt aufregend..gefällt mir sehr, wie ihr das alles meistert und genießt, da wird die Berliner Welt ganz schön klein 🙂 tolle Fotos wie immer, wir freuen uns, Euch weiter begleiten zu können, alles Liebe von Andreas, Silke, Rebecca und Patensohn Ben

    • Lieber Andreas, liebe Silke,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Wir sind immer froh über Nachrichten von zuhause. Wir sind nun schon in Tonga und schicken euch ganz liebe Grüße, bitte auch an Ben und Rebecca ausrichten!!!

      Mit herzlichen Grüßen

      Thomas

      Thomas Herter

      http://www.ankesophie.wordpress.com

      Inmarsat Satellitentel.: +870776447234 – Anmerkung: Das Gerät ist nur eingeschaltet, wenn wir einen Termin zum Telefonieren per Email vereinbart haben.

      Auf See bin ich nur unter der Emailadresse DH7TH@winlink.org erreichbar. Anmerkung: Wir müssen zuvor eine Email ausgetauscht haben (ich an dich/Sie).

  3. Wahnsinn – diese Bilder! Thomas beim Raspeln des Kokos für die weihnachtlichen Makronen… Und auch Stevensons Villa ist echt nett anzuschauen. Am allerliebsten habe ich aber eure Beschreibungen und Erzählungen und wie meist bekomme ich für einen Moment das Gefühl, an eurer Seite mitzulaufen oder – zu sitzen. DANKE!

    • Lieber Bernhard,

      wir sind gerade in Neiafu auf der Inselgruppe Vava’u angekommen, die wie Niuatoputapu auch zu Tonga gehört. Es ist immer toll, deine Nachrichten zu lesen. Und wir haben hier Internetzugang. Durch Zufall…

      Wir sehen dich dann immer vor unserem inneren Auge! Vielen Dank für alles!!! Bis bald, dann mehr

      Mit herzlichen Grüßen

      Thomas

      Thomas Herter

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  4. Liebe Anette, lieber Thomas,
    es ist wie ein großer Roman in Folgen! > euch zu folgen: Man riecht das Meer und das Land, spürt den Wind, lebt mit der Bevölkerung die ihr uns nahebringt und atmet tieft durch, wenn die Gefahr vorbei ist!
    Noch einmal vielen Dank für eure Berichte und Bilder > Ich freue mich auf die kommenden Folgen!
    Bei uns ist die Segelsaison fast beendet. Unser „neuer“ Katamaran wurde wie besprochen getauft, allerdings etwas umfangreicher, da die anderen Familienmitglieder auch noch etwas beizusteuern hatten:

    Coco Infinité
    Fatu-Hiva

    Euch weiterhin viel Spaß und tolle Erlebnisse
    Sebastian

    • Lieber Sebastian,

      jetzt hätte ich beinahe auf Englisch geantwortet, da ich gerade mit Lisa, einer Amerikanerin parallel gequasselt habe. Schön von dir zu hören. Der Name Fatu-Hiva wird euch Glück bringen. Eine fantastische Kulisse, die ich nach wie vor in Gedanken vor mir sehe. Du hast ja die Bilder gesehen. Es freut mich immer, wenn jemand von den Bildern und Texten begeistert ist und Interesse zeigt. Das gibt dann neuen Schwung für die nächste Seite. Tonga wird bald erscheinen. Viel Spaß damit. Schicke mir doch mal ein Bild von eurem Kat. Bis bald,

      Mit herzlichen Grüßen an alle aus Tonga

      Thomas + Annette

      Thomas Herter

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  5. Ihr Lieben, während bei Euch noch immer der Sommer „tobt“, schleicht sich hier spürbar die 3. Jahresphase ein. Am Sonntag schien die Sonne noch warm, aber der Wind war schon kühl und nun ziehen wir die Jacken über, ja, die Regenjacken. Dabei sind die Wellen auf dem See klein, aber der Wind peitscht sich wellenmäßig durch die Lande. Da lass ich das Fahrrad lieber im Schuppen und wir haben uns auf’s gute Essen, Lesen, Schreiben, Holz hacken, Schlösser reparieren……. verlegt. In der nächsten Woche werden Haus und Garten in den Winterschlaf versenkt.
    Das ist Hetseryd im Herbst. Jetzt wisst Ihr, was Ihr alles verpasst!!!
    Viele liebe Grüße von Heiner, Hilli, Ulla, Elsbeth, Renate, Katrin und Tobi!

    • Lieber Heiner, liebe Hilli,

      danke für euren Kommentar. Viel Spaß in Schweden, auch wenn das Wetter herbstlich wird. Wir sind gerade wieder in Neiafu angekommen und haben somit für die nächsten Tage Internet

      Mit herzlichen Grüßen

      Thomas + Annette

      Thomas Herter

      http://www.ankesophie.wordpress.com

      Inmarsat Satellitentel.: +870776447234 – Anmerkung: Das Gerät ist nur eingeschaltet, wenn wir einen Termin zum Telefonieren per Email vereinbart haben.

      Auf See bin ich nur unter der Emailadresse DH7TH@winlink.org erreichbar. Anmerkung: Wir müssen zuvor eine Email ausgetauscht haben (ich an dich/Sie).

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