Tahiti

Wir waren elf Tage auf Tahiti. Nach der Einsamkeit von Makemo und Fararava, die wir als das Paradies bezeichneten, haben wir uns wieder auf all die frischen Produkte gefreut, die es auf den Tuamotus nicht zu kaufen gab. Nach einer Weile wachsen diverse Bedürfnisse, wir sind ja „Trüffelschweine“. Jetzt in Papeete sind wir wieder in der Zivilisation angekommen und waren schon mehrfach in einem gigantischen Supermarkt „Carrefour“ zwischen den prall gefüllten Regalreihen lustwandeln und einkaufen und nannten dies nun das Paradies, da es hier lang entbehrte Produkte wie französischen Käse gibt. Es ist alles eine Frage der Sichtweise und woher man kommt, leider ist hier vieles so extrem hochpreisig, dass wir es uns nicht leisten wollen.

wir liegen vor der Marina Tahina

wir liegen vor der Marina Tahina

Auf Fakarava hatte ich mit dem Tauchen Blut geleckt und buchte gleich nach dem Ankommen in Papeete einen Tauchkurs. Die erste Woche auf Tahiti habe ich mit 9 Tauchgängen verbracht und durfte die verbleibende Zeit das 240-seitige Lehrbuch von PADI über das Tauchen auf Englisch lesen, denn ein deutsches gab es nicht und auf Französisch hätte ich mich zu schwer getan. Zum Abschluss musste ich auch noch die Prüfung ablegen. Das ganze Leben ist eine Prüfung, selbst hier… Bestanden habe ich, man darf mir also auch gratulieren zum „Open Water Diver“. Auch wenn die Zeit sehr angefüllt war – oft zwei Tauchgänge am Tag – , so habe ich das Tauchen doch sehr genossen. Es ist einfach ein wunderbares Gefühl, schwerelos durchs Wasser zu gleiten. Die ersten Tauchgänge fanden in der Lagune statt, wo wir in ruhigem Wasser zwischen einzelnen Korallenstöcken diverse Übungen lernten, um bei Gefahrensituationen unter Wasser richtig zu reagieren. Zum Beispiel wie man seinem Partner, international „Boddy“ genannt, Luft gibt, falls seine Atemluftzufuhr blockiert ist. Aber wir üben auch die Ausrüstung unter Wasser abzulegen und wieder anzulegen, falls dies irgendwann einmal notwendig sein sollte u.v.a.m. Es ist schon ein technischer Sport, der aber fantastisch schöne Momente hat, wenn man wie durch ein mit vielen bunten Fischen gefülltes Aquarium taucht. Draußen im offenen Wasser tauchten wir am Außenriff von Tahiti. Auch ein spannender Moment, wenn die Korallenwände direkt unter einem in eine Tiefe von mehr als 1000 Meter senkrecht absinken. Hier trifft der Pazifikschwell mit meterhohen Wellen, die sich über Tausende von Seemeilen im Pazifik aufgebaut haben, direkt auf das Riff, sodass wir beim Tauchen durch die Wellen periodisch mehrere Meter nach oben und wieder nach unten gezogen werden, immer entlang der Korallenwände. Das Tauchen hat mir viel Spaß gemacht, auch wenn ich es besser über einen längeren Zeitraum hätte aufteilen sollen. Wie man auf den Bildern sieht, verschwinden in zunehmender Tiefe und abnehmendem Licht zunächst die Farben des roten Spektrums.

Beim Tauchen am Außenriff

Beim Tauchen am Außenriff

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Mein Boddy signalisiert "alles ok"

Mein Boddy signalisiert „alles ok“

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Wir lagen in Tahiti sehr schön vor der Marina Taina und hatten neben meinen Tauchaktivitäten auch Zeit für unsere Segelfreunde aus Neuseeland und den Niederlanden, mit denen wir an einem Abend ein Tanz-Festival besucht haben, bei dem uns historische original getreue traditionelle Tänze dargeboten wurden. Es waren ca. hundert polynesische Frauen und Männer, die zu wilden Trommelrhythmen alte Tänze zeigten. Es hat eine lange Tradition, dass die unterschiedlichen Inseln zu diesem Haiva-Festival alte Tänze zu umfangreichen Choreographien aufarbeiten und dann im Festival zeigen.

Annette und ich lassen uns durch Papeete treiben. Leider hat es den alten Charme verloren, den es früher sicherlich einmal gehabt hat. Es ist nun zu einer modernen großen Stadt gewachsen, aber wir haben die Ursprünge in der Markthalle noch gefunden. Wir haben uns wohl gefühlt beim Einkaufen von Gemüse, das hier wesentlich günstiger ist als im Supermarkt, und haben dabei die Leute beobachtet. Ich habe mir eine neue Fotokamera kaufen müssen, da bei der alten die Automatik des Objektivs kaputt ging und die Kamera leider nicht mehr zu nutzen war. Die Markthalle war ein guter Ort, um sie zu testen.  Tahiti-2 030Tahiti-2 040 Tahiti-2 048 Tahiti-2 053

Gemüse, das wir von zuhause nicht kennen: Taro

Gemüse, das wir von zuhause nicht kennen: Taro

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Zum Abschluss müssen wir uns leider dann doch noch einmal über die Bürokraten ärgern. In Papeete sind wir im Zentrum von Französisch Polynesien angekommen. Auch wenn wir uns längst auf den Marquesas Inseln bei der Gendarmerie angemeldet und die notwendigen Formulare per Post nach Papeete geschickt hatten, so mussten wir hier nun den formellen Forderungen der Bürokratie erneut folgen. Wir besuchten den Zoll und füllten diverse Papiere aus, um zollfrei Diesel einkaufen zu können. Auch der zoll- und mehrwertfreie Einkauf von Alkohol interessierte uns sehr, denn dieser kostet hier sonst ca. das Sechsfache vom normalen Preisniveau. Viele Schritte vom Dockmaster des Hafens bis zum ‚Customs‘ waren zu erledigen, es fehlte nur noch der Besuch beim ‚Immigration Office‘. Wir bekamen die Auskunft, dass dieses aber am Wochenende geschlossen hätte. Also lieber einen Tag länger in Tahiti bleiben, um es am Montag zu besuchen. Dann verwies uns ein sehr formaler und abweisender Beamte auf die Formblätter, die auf Sonntag ausgestellt waren und die er nicht handschriftlich ändern wolle. Er könne diese nicht akzeptieren, denn heute sei Montag. Die Immigration sei jeden Tag offen, wir hätten gestern kommen können und wir müssten nun neue Papiere besorgen mit dem Datum von Montag. Na welche Freude. Annette musste mich festhalten, dass ich diesem Typen nicht den Hals umdrehte. Wir mussten also noch einmal die Schritte für die Formulare mit dem richtigen Datum in Papeete durchlaufen, wieder mit dem Bus hin- und zurückfahren  und dann noch einmal zum selben unfreundlichen Beamten am Flughafen zurückkehren, um dann nach einer Stunde Wartezeit endlich das erhoffte Clearing zu bekommen. So kann man also auch einen Tag verbringen mit dem Gedanken, dass dies zuhause in einer halben Stunde erledigt worden wäre, was hier fast einen Tag gedauert hat. Ach ja, als wir zurück im Hafen sind, ist natürlich die Tankstelle ab 16:00 schon geschlossen, also können wir erst am Dienstag tanken. Wieder einen Tag später und hoffentlich ohne neue Probleme…

Abendstimmung vor der Marina Taina

Abendstimmung vor der Marina Taina

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Die Segelyacht Déesse mit Moorea im Hintergrund

Die Segelyacht Déesse mit Moorea im Hintergrund

Unser allabendliche Blick auf unser nächstes Ziel: Moorea

Unser allabendliche Blick auf unser nächstes Ziel: Moorea

9 Antworten zu “Tahiti

  1. Moin moin,

    es macht immer wieder Spaß Eure Berichte zu lesen und sich die Fotos anzugucken!
    Nächsten Sonntag komm ich endlich mal wieder auf die Ostsee. Kiel -> Bornholm -> Laeso -> Kiel bin gespannt wie lange wir brauchen.

    Wünsch Euch weiter viel Spaß auf Eurer Reise!
    Die besten Grüße aus Hamburg!

    • Lieber Sascha,

      wir haben lange nichts voneinander gehört, was aber nicht bedeutet, dass wir nicht an dich denken. Gerade letztens sprachen wir über dich und haben uns gefragt, wann du es schaffen wirst, uns noch einmal zu besuchen. Aber wir wissen, wie weit wir von zu hause weg sind. Zwölf Stunden Zeitunterschied bedeutet, dass wir etwa eine halbe Globusumrundung aus einander sind.

      Grüße uns Laeso. Sehr schön und gemütlich. Wir haben schöne Gedanken daran und verbrachten schöne Tage dort. Habe einen schönen Törn und genieße die Tage auf dem Wasser

      Mit herzlichen Grüßen

      Thomas + Annette

      Thomas Herter

      http://www.ankesophie.wordpress.com

      Mobil Französisch Polynesien: +689 87 299964 (gilt ab 23.06.14)

  2. Ist ja wieder hochinteressant. Die unterdrückten Gefühle, dem einen Tahiti-Bürokraten gegenüber, verdienen Respekt. Man muss immer wissen, was man damit.erreichen würde wenn diese „ausgelebt“ werden. Was mich mal interessieren würde: Wie nahe verlief eure Passage an den Atollen, wo Frankreich und USA in den 50-ern noch Atombomben-Versuche durchgeführt haben oder liegt dieses Gebiet weitab eurer Route?

    • Hallo Mande,

      das Mururoa-Atoll, wo die Franzosen die Atombombentests durchgeführt haben gehört auch zum Tuamotu Atoll, wie Makemo und Fukarava, die wir besucht hatten. Mururoa liegt 400 Seemeilen (also ca 750 km) südöstlich davon, also relativ weit weg. Es ist immer noch für die Öffentlichkeit gesperrt.

      Mit herzlichen Grüßen

      Thomas

      Thomas Herter

      http://www.ankesophie.wordpress.com

      Mobil Französisch Polynesien: +689 87 299964 (gilt ab 23.06.14)

  3. Ihr lieben Beiden,
    es ist ja immer eine Hochgenuss, euren Bericht zu lesen, sehen, genießen. Von Elisabeth soll ich dir sagen, dass sie zutiefst beeindruckt ist von deinen fotografischen Augen. Sie kann das ja mit ihrer künstlerischen Ader noch besser beurteilen als ich, wo schon ich so begeistert bin. Du lässt aber auch wirklich nichts aus, Thomas. Nun noch einen Tauchkurs!! Und wer hätter daran gezweifelt, dass du die Prüfung bestehen würdest?
    Ich bin in Gedanken weiterhin bei euch, weiter entfernen von uns könnt ihr euch ja nun kaum noch, ich meine rein streckenmäßig.
    Also weiterhin eine Handbreit Wasser unterm Kiel
    Steffen

    • Lieber Steffen, liebe Elisabeth,

      sehr schön, von euch zu hören. Ja, die neue Kamera hat zwar ein Loch in unser Budget gerissen, vor allem, da hier solche Dinge viel teurer sind als bei uns, aber es macht auch Spaß und durch das klappbare Display kann man Leute fotografieren ohne dass sie sich beobachtet fühlen, da ich nach unten schaue und nicht in ihre Richtung. Wir denken ab und zu an euch und ich freue mich auf das nächste Wiedersehen, auch wenn es erst in Berlin sein sollte…

      Mit herzlichen Grüßen

      Thomas + Annette

      Thomas Herter

      http://www.ankesophie.wordpress.com

      Mobil Französisch Polynesien: +689 87 299964 (gilt ab 23.06.14)

  4. Hallo, ihr Lieben,
    man muß nur mal sagen „von Thomas und Annette haben wir ja lange nichts gehört“, dann zieht man auf diese Weise einen neuen Bericht an Land . Wie schön, von euch zu hören. Vielen Dank für den Bericht und die schönen Bilder. Die neue Kamera scheint ja gute Dienste zu leisten. Tauchen haben wir auch in guter Erinnerung, vor ca. 30 Jahren tauchten wir vor den Malediven, herrlich!
    Hier genießen wir einen Bilderbuchsommer, es ist sehr warm, der Tonteich hat 24 Grad Wassertemperatur. Ein schöner letzter Sommer, leider durch anhaltende Presslufthammergeräusche in der Nachbarschaft etwas getrübt.
    Sehr liebe Grüße
    von eurer Lisa und Andreas

    • Liebe Lisa und lieber Andreas,

      danke für eure Nachricht. Wie gerne denke ich an den Tonteich. Ich habe es ja immer gesagt, schade dass ihr das Haus verkauft. Aber auch in Euthin wird es schöne Sachen zu entdecken geben. Viel Glück für euch und genießt die letzten Monate im alten Haus.

      Wir haben einen faulen Tag auf Moorea und für die nächsten Tage ist schlechtes Wetter mit Regen angesagt. Heute Morgen hatten wir Nieselregen. So etwas hatten wir seit einem Jahr nicht mehr! Ganz gemütlich, wenn man sich unter Deck einkuscheln kann und lesen angesagt ist.

      Mit herzlichen Grüßen

      Thomas

      Thomas Herter

      http://www.ankesophie.wordpress.com

      Mobil Französisch Polynesien: +689 87 299964 (gilt ab 23.06.14)

  5. Liebe Annette, lieber Thomas,
    man kann ja nur immer wieder mit großen Augen eure wie selbstverständlich geschriebenen Berichte aus einer anderen Welt lesen und die märchenhaft weit entfernten Bildmotive anschauen und bewundern und manchmal auch die Momente spüren, wenn Situationen gefährlich oder auch nicht planbar sind.
    Wie weit ihr weg seid, merkt man auch daran, wie wenig ihr offenbar von den Themen und Handlungen berührt werdet, die uns gerade sehr beschäftigen, auch ängstigen.
    Ich wünsche euch weiterhin eine möglichst gefahrlose Reise mit vielen immer wieder von Neuem als wunderbar empfundenen Eindrücken und freue mich auf die nächsten Berichte.
    Herzlichst eure Sigrid

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