Durch die Karibische See zu den San Blas Inseln

Road Town auf Tortola hatte uns nicht gefallen. Die Stadt ist unpersönlich, seltsam unkoordiniert, es war heiß und wir hatten einiges zu organisieren, sodass wir froh waren, nach zwei Tagen Hafen wieder abzulegen. Wir steuerten am Abend noch einmal die schöne Bucht Kelly’s Cove auf Norman Island an, um von dort am Sonntag früh in die Karibische See aufzubrechen.

Der Blick von Kelly's Cave zu den US BVI in vier Stimmungen. Hier am späten Mittag

Der Blick von Kelly’s Cove zu den US BVI in vier Stimmungen. Hier am späten Mittag

 

Am Abend

Am Abend

Am Morgen

Am Morgen

unterm Regenbogen

unterm Regenbogen

Ich führe noch das wöchentliche Telefonat mit meinem Vater, eine über dreißigjährige Tradition, die wir sogar hier auf dieser Reise, wann immer es geht, pflegen. Er ist unser größter Fan und verfolgt die einzelnen Schritte unserer Fahrt akribisch im Internet und wir freuen uns darüber besonders. Dann geht es endlich los. Die Würfel sind gefallen, wir wollen um die Welt segeln. Nächstes Ziel: Panamakanal. Bis dahin sind es 1000 sm, immerhin die Hälfte der Atlantiküberquerung, aber dieses Mal sind wir nur zu zweit.

 

Eine Windhose lässt uns vorsichtig sein.

Eine Windhose lässt uns vorsichtig sein.

Abendstimmung bei leichtem Wind. Uns geht es gut

Abendstimmung bei leichtem Wind. Uns geht es gut

Nach drei Tagen begegnet uns ein Frachter, wir sind also doch nicht ganz alleine

Nach drei Tagen begegnet uns ein Frachter, wir sind also doch nicht ganz alleine

Und schon wieder ein Tag vorbei - Rumpunschzeit

Und schon wieder ein Tag vorbei – Rumpunschzeit

Die ersten Tage haben wir bei moderatem Wind von 4 Bft. verschiedene Segelstellungen ausprobiert. Gestartet sind wir mit gerefftem Groß und Genua, da wir zu Beginn sogar SE- statt dem normalen NE-Wind hatten, und so mit halben Winden fuhren. Als dann nachts der Wind auf ESE drehte, haben wir die Genua eingerollt, da sie nicht mehr hinter dem Groß stand. Am nächsten Tag bargen wir das Groß, da es oft schmerzlich schlug, denn der Wind wurde schwächer, aber die Welle wie so oft nicht. Wir setzten stattdessen die zweite Genua fliegend am Spifall als Passatsegel. Der Wind drehte aber wieder mehr nach Süd, sodass wir das auch wieder ändern mussten. Wir entscheiden, lieber Ruhe im Schiff zu haben und etwas auf Geschwindigkeit zu verzichten, bargen die zweite Genua und segelten nur noch mit einer straff ausgebaumten Genua. Der Wind kommt nun aus Osten und wir segeln Kurs 240°; die Welle hat zugenommen und es scheint die richtige Entscheidung gewesen zu sein. Wir fahren zw. 5 und 6 kn, halten unseren Kurs trotz Welle und kein Segel schlägt!

 

Am dritten Tag auf See empfinde ich große Zufriedenheit. Auch wenn wir einige Segelmanöver hatten, so bleibt doch viel Zeit zum Lesen, Hörbuchhören, Kochen, Schlafen. Wir hatten uns für einen Drei-Stunden-Wachwechsel entschieden und finden gut hinein. Annette und ich genießen es, bei angenehmen Bedingungen so in den Tag und in die Nacht zu segeln. Das hatten wir noch nicht, bisher waren die Bedingungen bei den Überfahrten durchaus unfreundlicher. Die Zeit, die wir den Antillenbogen entlang segelten, war geprägt durch Tagesreisen und immer wieder neue Häfen und Buchten. Wir hatten meist Mitsegler dabei, was sehr schön war, aber da blieb natürlich bei der Enge an Bord zu wenig Raum für uns beide. Diesen finden wir nun und bekommen eine Ahnung, wie so eine lange Reise laufen könnte. Wir sitzen unter dem Sonnenschutz mit dem Blick aufs Meer, wo kein Land und kein Schiff in Sicht sind, und Annette fragt mich: Was glaubst du, wo wir in 10 Jahren stehen werden? Ein schönes Gedankenspiel und wir beide erzählen uns unsere Vorstellungen, wie unser Leben dann wohl aussehen könnte und was wir bis dahin erlebt haben könnten.

 

Dann kam doch wieder mehr Wind, als im Wetterbericht angesagt war. Gut, dass wir nur die Genua gesetzt hatten, die wir nun auf 2/3 refften und trotzdem durch die Wellen surften mit bis zu 13 kn. Leider wurde das Leben an Bord ungemütlich. Nachts war kaum an Schlaf zu denken und die Schaukelei ging uns mächtig auf die Nerven. Besonders Annette fragt sich dann, warum machen wir das. Sie bekommt immer weniger Appetit, bleibt aber von Seekrankheit verschont.

 

Konzentriertes Navigieren zwischen den Riffs

Konzentriertes Navigieren zwischen den Riffs

Während der Überfahrt hatten wir uns entschieden, einen Zwischenstopp bei den San Blas Inseln  einzulegen. Das Inselarchipel liegt 70 sm vor Colon, dem Hafen auf der Karibikseite des Panamakanals. Den letzten Tag hatten wir zum Glück wieder weniger Wind und setzten das Groß, um schneller zu werden, denn wir mussten den Ankerplatz, der von Riffen umrundet ist, unbedingt bei Tageslicht erreichen, um die Korallen unter Wasser erkennen zu können. Wir haben es eine halbe Stunde vor Dunkelheit geschafft. Wenn wir es nicht geschafft hätten, dann wäre nur geblieben, die Nacht vor den Inseln zu kreuzen bis zum Morgen oder gleich weiter zu segeln bis zum Panamakanal.

 

In der Dämmerung erreichen wir gerade noch Porvenir

In der Dämmerung erreichen wir gerade noch Porvenir

Die Landebahn zwischen Palmen, 025 sm lang

Die Landebahn zwischen Palmen, 025 sm lang

Bei unserem ersten Ankerplatz habe ich an Stefan, der einen Flugschein hat, gedacht und schrieb ihm: „ Miete dir einen Flieger, setze dich rein und fliege her. Wir ankern nur 50 m neben der Landebahn auf der Insel Porvenir (09°33,5’N 078°56,9’W). Die Landebahn bzw. die Insel ist nur 0,25 sm lang. Rechts und links stehen Palmen. Ich hole dich mit dem Dinghi ab.“

 

Neben der Landebahn soll das Büro der Immigration sein. Es ist aber am Sonntag nicht geöffnet. Vielleicht am Montag?

 

Das Immigrationsbüro mit den Flaggen des Unabhängskampfes und der autarken Region Guna Yala

Das Immigrationsbüro mit den Flaggen des Unabhängskampfes und der autarken Region Guna Yala

Die Inseln werden von Indianern autonom verwaltet, sie nennen ihr Inselreich „Guna Yala“. Leider haben wir nicht die Zeit, um alle 365 Inseln zu besuchen, sondern es werden nur 2 oder 3 sein, denn es zieht uns zum Panamakanal. Wir nutzen die Wartezeit bei Porvenir mit Ausflügen zu den Nachbarinseln; wir wollen Brot und Früchte einkaufen. Auf der zweiten Insel begleitet uns ein älterer Mann, mehrere Köpfe kleiner als Annette. Die Guna-Indianer gehören nach den Pygmäen zu den kleinsten Menschen und erreichen bei guter Gesundheit ein sehr hohes Alter. Er führt durchs Dorf zu den Obstbäumen. Man erklärt uns dort, dass es letzten Monat mehr Früchte gehabt hätte, als sie gebraucht haben, diesen Monat gäbe es leider keine, neue seien noch nicht reif. Wir sind in eine Welt versetzt, die sehr archaisch wirkt. Die Indianer legen großen Wert auf den Erhalt ihrer Kultur und sie leben in einfachsten Bedingungen, auch wenn der Fernseher und das Handy natürlich bis hierher gefunden haben. Wir haben gelesen, dass die Guna sehr erdverbunden leben und von Nachhaltigkeit mehr verstehen als wir. Das Volk setzt sich nach außen sehr ab, so sind zum Beispiel Mischehen verboten, um die Einflüsse von außen zu begrenzen.

Wir besuchen die Nachbarinsel und kaufen Brot

Wir besuchen die Nachbarinsel und kaufen Brot

Kuna Yala 075 Kuna Yala 080

Auf der zweiten Insel suchen wir nach Obst

Auf der zweiten Insel suchen wir nach Obst

Kuna Yala 104

Beobachten das lokale Basketballspiel

Beobachten das lokale Basketballspiel

Die Hütten am Ufer

Die Hütten am Ufer

das Detail am Ende des Peers: Zu dumm, die Dorftoilette ist besetzt

das Detail am Ende des Peers: Zu dumm, die Dorftoilette ist besetzt

Kuna Yala 123

 

während wir ankern läuft eine Yacht unweit von uns im Riff auf Grund und ist verloren

während wir ankern läuft eine Yacht unweit von uns im Riff auf Grund und ist verloren

Das Einklarieren verläuft sehr freundlich und wir bleiben noch zwei Tage in einer Bucht zwischen den Lemmon Cays. Es wirkt paradiesisch, so wie man sich die Karibik vorstellt. Dann brechen wir am Abend auf, um über die Nacht nach Colon zu segeln, denn wir wollen dort am Tage und nicht in der Nacht ankommen. Wir sind gespannt, was uns dort erwartet.

Guna-Indianerinnen wollten uns Kleidung verkaufen

Guna-Indianerinnen wollten uns Kleidung verkaufen

Lemmon Cays

Lemmon Cays

San Blas 2 016 San Blas 2 021 San Blas 2 023

 

 

4 Antworten zu “Durch die Karibische See zu den San Blas Inseln

  1. Liebe Annette, lieber Thomas,
    ein eindrucksvoller Bericht mit herrlichen Fotos. Von den Guna-Indianern hatte ich bisher noch nie was gehört. Aber zwei Fragen bleiben offen: Was ist aus der Besatzung der Yacht geworden, die aufs Riff gelaufen ist. Und habt Ihr denn noch Obst bekommen? Schön, dass Ihr auf der Überfahrt so ruhige und entspannende Tage hattet. Viele liebe Grüße, Eure Annette*

    • Liebe Annette, wie schön, dass du so schnell antwortest! Danke für deine „Begleitung“! Von der Yacht wissen wir leider nichts, denken aber, dass die Crew in Sicherheit gebracht werden konnte. Und eine Ananas sowie Zucchini und Tomaten konnte Thomas noch von einem Bootshändler erwerben. Nun warten wir seit Stunden aufs „measurement“, um endlich durch den Kanal zu können. Mit den besten Wünschen nach Berlin
      Annette und Thomas

  2. Nach geraumer Pause habe ich endlich wieder Muße, euren Weg zu verfolgen. Liebe Annette, lieber Thomas, danke, dass ihr uns alle daran teilhaben lasst! Besonders freut mich, dass auf manchen Fotos auch mal IHR zu sehen seid, da schaue ich dann immer besonders genau hin. Die Unterwasserfotos erinnern mich so sehr an unsere Schnorchelwoche auf Utila (Honduras)! Ich hoffe, dass Thomas, dein Ekzem dauerhaft gebannt ist. Vermutlich schippert ihr jetzt gerade durch den Kanal – viel Glück! Eure Postkarte samt Anlagen von den Virgin Islands erreichte mich dieser Tage. Wie immer wünsche ich euch das ALLERBESTE!

    • Lieber Bernhard,

      vielen Dank für deine Nachricht. Es ist uns eine Freude, die lieben Freunde zuhause auf dem Laufenden zu halten. Wir sind noch nicht im Kanal, aber kurz davor. Wir haben unseren Termin am Dienstag und sind gespannt, wie alles verläuft. Wir haben viel Organisatorisches erledigt und sind voll beschäftigt mit kleineren Reparaturen und Einkäufen etc.

      Bis bald, wir melden uns aus dem Pazifik!

      Mit herzlichen Grüßen

      Thomas

      Thomas Herter

      http://www.ankesophie.wordpress.com

      Mobil Panama: +507 6020 4770

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