„You are a lucky man“

Wir hatten sehr schöne Segeltage von Dominica über Guadeloupe nach Antigua. Wir sind nach St. John’s gesegelt, um Gabi zu empfangen. St. John‘s hat uns überhaupt nicht gefallen, da ständig zwei Kreuzfahrtschiffe am Peer lagen und damit das Umfeld entsprechend touristisch (jede Menge Schmuck- und Uhrengeschäfte…) beeinflussen. Wir flüchten in die Deep Bay für den Abend.

In der Bucht vor Bourg des Saintes - Guadeloupe

In der Bucht vor Bourg des Saintes – Guadeloupe

Antigua 026

Die Bucht von Bourg des Saintes soll angeblich die drittschönste Bucht der Welt sein nach Rio de Janeiro und der Halong Bay

Die Bucht von Bourg des Saintes soll angeblich die drittschönste Bucht der Welt sein nach Rio de Janeiro und der Halong Bay

Ein Haus in St. John's

Ein Haus in St. John’s auf Antigua

Antigua 034

Goat Hill vor St. John's Harbour

Goat Hill vor St. John’s Harbour

Wir flüchten in die Deep Bay

Wir flüchten in die Deep Bay

Der Blick aus der Deep Bay nach Westen mit der kleinen Insel Redonda

Der Blick aus der Deep Bay nach Westen mit der kleinen Insel Redonda

Weiter ging es nach Falmouth Harbour, wo wir in der Bucht ankerten. Und dann kam die unangenehme Überraschung: Wir mussten uns verlegen, da wir zu dicht an einer anderen Yacht lagen und beim Ankeraufnehmen hatten wir plötzlich keine Ruderwirkung mehr und trieben langsam quer durch die Bucht knapp an einem anderen Schiff vorbei direkt auf ein Riff zu. Kurz vor dem Riff konnten wir das Boot mit dem Anker stoppen. Beim Schnorcheln bestätigt sich schnell, was ich gleich befürchtet hatte, nachdem trotz laufendem Motor jede Fahrtwirkung aufs Schiff fehlte: Wir hatten den Propeller verloren. Am Saildrive war nur noch die nackte Welle zu sehen. Mit Maske und Schnorchel versuchten wir, den Propeller auf dem Grund zu finden, was im wahrsten Sinne aussichtslos war, denn das Wasser war leider zu trübe. Wir organisierten einen Taucher, der zu zweit mit Boot am nächsten Morgen vorbeikam, um nach dem Propeller zu suchen. Zum Glück konnten wir durch die Positionen der anderen Boote recht genau sagen, wo es passiert sein musste . Ich glaubte schon nicht mehr daran, denn der Taucher meldete „zero visibility“, er konnte nur direkt über dem Grund ein wenig sehen. Das Suchen dauerte schon eine lange halbe Stunde. Ich signalisierte dem Taucher immer wieder durch Zupfen an seiner Boje, wenn er in die falsche Richtung tauchte. Ich rechnete nicht mehr mit Erfolg, als der Taucher hochkam und mir zurief „you are a lucky man“. Er hatte tatsächlich ein kleines Stück Messing aus dem Schlamm blitzen sehen. Der gesamte Propeller war im Schlamm versunken und nur ein kleiner Teil einer Flunke war sichtbar. Wir reinigten den Faltpropeller an Bord und zerlegten ihn in seine Einzelteile. Zum Glück war nichts verloren. Nun kam die schwierige Arbeit des Montierens. Dem Taucher erklärte ich zuvor jeden Teilschritt und dann ging es hinunter. Er hatte einen zweiten Lungenautomaten an der Flasche, sodass wir zu zweit unter Wasser arbeiten konnten. Ich tauchte immer wieder auf und holte die nächsten Teile, während er sie montierte. Jedoch waren die Flunken nicht richtig ausgerichtet, was ich zum Glück bemerkte, sodass wir den ganzen Ablauf teilweise mehrfach machen mussten, bis ich ihm ein OK signalisierten konnte. Ich musste den stolzen Preis von 250 US $ für 1 ½ Std. bezahlen, war aber dennoch glücklich, das Problem so schnell gelöst zu haben.

Faltpropeller - Archivbild

Faltpropeller – Archivbild

Immer wieder dachte ich darüber nach, wie es hat passieren können. Es bleibt unklar. Die Sicherungsschraube auf der Welle war mit dem Sicherungsblech gesichert. Beim Demontieren konnte ich sehen, dass die Zinken noch umgebogen waren. Trotzdem hatte sich die Schraube gelockert. Es bleibt ein ungutes Gefühl in der Magengegend, vor allem, wenn ich bedenke, es hätte auch in einer kritischen Situation passieren können, wo man auf den Motor auf keinen Fall verzichten will. Seit drei Jahren hatte ich die Propellernabe nicht mehr von der Welle demontiert und jetzt mitten im Hafen, dem am besten ausgestatteten der ganzen Karibik, fällt dieses Teil unvermittelt ab. Schon wenige Meter außerhalb wäre er endgültig verloren gewesen oder man stelle sich vor, mitten in der Abgeschiedenheit einen Propeller zu kaufen…

Shirley's Height

Shirley’s Height

Blick auf English und Falmouth Harbour

Blick auf English und Falmouth Harbour

Wir sind auch mal zu Fuß unterwegs

Wir sind auch mal zu Fuß unterwegs

Als Belohnung fuhren wir am Abend zum Sundowner auf die Anhöhe Shirley’s Height, von wo man einen fantastischen Ausblick auf die Buchten von English und Falmouth Harbour hat. In English Harbour schließen sich zwei Kreise:
Der Nelson’s Dockyard wurde nach Lord Nelson benannt, da er hier 1745 seinen Dienst tat, lange bevor er mit der Schlacht von Trafalgar berühmt wurde. (Siehe meinen September-Bericht).

Falmouth Harbour

Unter Megayachten in Falmouth Harbour

Nelson's Dockyard

Nelson’s Dockyard

Antigua 059

Gabi, Annette und Thomas drehen am Rad

Gabi, Annette und Thomas drehen am Rad

Die Terrasse des Antigua Yachtclub wird gekühlt. So ökologisch wie bei uns im Winder mit Heizpilsen geheizt wird.

Die Terrasse des Antigua Yachtclub wird gekühlt. So ökologisch wie bei uns im Winter mit Heizpilzen geheizt wird.

Der zweite Kreis schließt sich mit der Atlantic Challenge (http://www.taliskerwhiskyatlanticchallenge.com), deren Start wir im Dezember auf Gomera begleitet hatten. Die Gewinner waren in 43 Tagen bis nach Antigua gerudert. In einer Bar am English Harbour finden wir an der Decke die Auflistung der einlaufenden Ruderboote und erinnern uns wieder an die entbehrungsreiche Leistung. Da hatten wir es doch wesentlich angenehmer.

Die Ruder-Teams der Atlantic Challenge

Die Ruder-Teams der Atlantic Challenge

Nun sind wir ein gutes Stück des Bogens der Kleinen Antillen entlang gesegelt und fragen uns, wie sie jeweils zu ihrem Namen gekommen sind.

• Wir landeten in Barbados, das von den Portugiesen wegen der bartartigen Luftwurzeln der Fikusbäume so genannt wurde.
• Kolumbus segelte am 13.12.1502, dem St-Lucia-Tag, an der nach dieser Licht-Heiligen benannten Insel vorbei.
• Namensvater von Martinique war der Martinstag, wurde aber von den Kariben zuvor Madina, die Blumeninsel, genannt.
• Dominica wurde von Kolumbus an einem Sonntag entdeckt.
Guadeloupe wurde von ihm nach dem spanischen Wallfahrtsort Nuestra Señora de Guadalupe getauft, da er den Mönchen dort versprochen hatte, eine Insel so zu benennen.
• Antigua benannte Kolumbus nach der Kirche Santa Maria La Antigua in Sevilla.
• St. Kitts ist eine Kurzform von St. Christopher, also dem Namenstag von Kolumbus.

• Er legte auf seiner zweiten Fahrt in die Neue Welt am 14. November 1493 auf den Jungferninseln an und gab ihnen zunächst den Namen „Santa Ursula y las Once Mil Vírgenes“, namensgebend für unser nächstes Ziel, die Jungferninseln. Die Umrisse von Virgin Gorda, unserem nächsten Ziel, erinnerten ihn an eine fette liegende Frau und so war eben diese Assoziation bestimmend.

Auf St. Kitts genießen wir es, nach Wochen auf See, endlich einmal wieder in einer Marina zu liegen und die Dusche so oft zu besuchen, wie wir es wollen. Wir hatten die Insel ausgesucht, da wir hier im Unterschied zu St. Martin weniger Tourismus erwarteten. Wir durchstreifen zufrieden die Stadt und finden interessante Häuser und Ausblicke und finden ein nettes Lokal (später finden wir im Hafenführer den Hinweis: „Gourmet-Restaurant“), wo wir uns mit einer Kleinigkeit zu Mittag verwöhnen lassen und uns von einer angenehmen Meeresbrise aus der sengenden Sonne kommend kühlen. Unser Thermometer im Schiff zeigt auch jetzt um 17:35 Uhr noch 31°C.

Auf St. Kitts

Auf St. Kitts

Piccadelly Circus von Basseterre auf St. Kitts

Piccadilly Circus von Basseterre auf St. Kitts

Basseterre - St. Kitts

Basseterre – St. Kitts

St. Kitts 011 St. Kitts 012 St. Kitts 014

Die Palme heißt der Baum der Reisenden "Ravenala madagascariensis"

Die Palme heißt „Baum der Reisenden – Ravenala madagascariensis“

8 Antworten zu “„You are a lucky man“

  1. Mensch, mit der Schraube habt Ihr ja ein wahnsinniges Glück gehabt. Puh!

    Kommt Ihr auch nach Anguilla (die Insel mit den angeblich schönsten Stränden in der Karibik)? Die Road Bay ist ein guter Ankerplatz, dort gab es vor einigen Jahren eine supernette Bar mit guter Mucke direkt am Strand. Wahrscheinlich ist die Bar immer noch da … 🙂

      • Wird gemacht!

        Na, dann habt Ihr ja jetzt eine interessante Gegend vor Euch:
        – Statia war vor einigen Jahren zwar schwer gerupft durch einen Hurrikan, war (und ist) ein Schmugglerparadies und eine Warendrehscheibe im amerikanischen Bürgerkrieg sowie beim Sklavenhandel. In der Festung gibt es eine interessante Ausstellung, u. a. über die *preussische* Marine, die wohl beim Sklavenhandel fleißig mitmischte.
        – Das liebenswerte Saba verfügt über Hollands höchsten Berg (1000 m) mit Primär-Regenwald sowie einen spekatulären Flughafen und ist ein Paradiers für Taucher.
        – Solltet Ihr doch noch an Anguilla vorbeikommen: ein wenig NW liegt Dog Island, das ist in etwa die Verkörperung von dem was sich Klein-Hänschen unter einer Karibikinsel vorstellt.
        Allzeit eine Handbreit Wasser untern Kiel, 🙂
        Flo

      • Lieber Flo,

        wir sind von St, Kitts direkt zu den BVI gesegelt und haben dort wunderschöne Buchten zum Schnorcheln gefunden. Anguilla war leider zeitlich nicht mehr zu machen. Die Bar am Strand haben wir nicht so gesucht, eher Rumpunsch an Bord…

        Mit herzlichen Grüßen

        Thomas

        Thomas Herter

        http://www.ankesophie.wordpress.com

        Mobil Karibik: +1758 519 9413

  2. jetzt bist du auch mal in der karibik tauchen gewesen!
    und das auch noch ganz in der nähe eines riffs…

    ich laufe hier unter schwerstem wellenentzug wie falschgeld durch die gegend,
    keine tag, an dem ich nicht an den atlantik denke und den weiten horizont.

    handbreit,
    olaf

    PS: lieber ohne propeller in der karibik als mit den tagesthemen in europa!

    • Lieber Olaf,

      ich hoffe du leidest nicht zu sehr. Ansonsten einfach vorbeikommen und es wird dir besser gehen… Du weißt, dass du sehr gerne gesehen bist!

      Die Welle ist übrigens in den letzten Wochen wesentlich schwächer geworden. Ich meine zwischen den Inseln, hinter ihnen ist sowieso glatte See.

      Was macht das Atlantik-Dokumentations-Projekt. Ich nehme an, dass es noch warten muss, weil du nur wenig dazu kommst…

      Mit herzlichen Grüßen

      Thomas + Annette

      Thomas Herter

      http://www.ankesophie.wordpress.com

      Mobil Karibik: +1758 519 9413

  3. Liebe Annette, lieber Thomas, da wird einem ja beim Lesen noch mal ganz anders, verlorene Schraube, mannomann, passt ja weiter gut auf Euch auf. Die Fotos sind wie immer wunderschön. Vielen Dank für die guten Wünsche zum Geburtstag! Morgen fahren wir für zwei Wochen an die Ostsee, bleiben aber wohl an Land. Ich schreibe bald ausführlicher per mail. Bis dahin alles erdenklich Gute, Eure Annette*

  4. Liebe Annette, lieber Thomas, ich bin gerade in München und habe den ersten Tag meines HIv Kongresses hinter mir ,bin ziemlich platt und sitze in dem gepflegten Ambiente meines Hotel Zimmers und lese gerade euren Bericht ….er ist ja etwas zwiespältig für mich, auf der einen Seite die schönen Bilder und dann gleichzeitig der Bericht über die verlorene Propeller Schraube…. das ist ja sehr aufregend , und es ist ja alles sehr gut gegangen ,und wie du ja auch schreibst, nicht auszudenken , wenn ihr das irgendwo anders hättet in Ordnung bringen müssen …. eure Reise wird euch noch die eine oder andere Überraschung bieten,  es wird sicherlich weiter alles gut gehen und die schönen Eindrücke werden überwiegen…. jetzt ist gerade so der Moment ,wo ich es auch einmal schön und an der Zeit fände ,wenn wir gemeinsam sitzen ,plaudern und ein Gläschen Wein trinken könnten ….. ich bin die letzten Tage zusammen mit Jochen sehr dabei ,unsere Afrika -Botswana -Safari zu planen, das ist nicht so ganz einfach ,vielleicht sind wir ja auch durch Euer WeltumsegelungsAbenteuer ein bisschen mitinspiriert ,auch etwas Schönes- allerdings zu Land eben- zu unternehmen, jetzt steht eine Safari /LKW Reise von Johannesburg zu den Victoria Fällen auf dem Plan . ich bin mir unsicher ,ob das nicht ein bisschen Überforderung für uns beide ist ,mal sehen , wie wir uns denn dieses Wochenende entscheiden werden, die Flüge sind allerdings schon komplett gebucht …das Ganze wird Mitte September bis Anfang Oktober diesen Jahres stattfinden ….also ein Klacks gegen über eurer Tour… ja das wär’s für heute.. viele liebe Grüße, bleibt gesund und munter ,genießt eure karibischen Tage viele liebe Grüße mit einer Umarmung Martin

    Von Samsung Mobile gesendet

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