Las Palmas – Palmeira

Die letzten drei Tage in Las Palmas nutzen wir ausschließlich für die Vorbereitung auf die Überfahrt zu den Kapverden. Wir waschen unsere Wäsche, wir verspannen Netze unter Deck und unter der PV-Anlage für Obst und Gemüse, wir feilen an der Liste für‘s Bunkern. Wir kaufen Lebensmittel für knapp 1000 Euro, auch schon für die Atlantiküberquerung, da die Versorgung auf den Kanaren besser ist als auf den Kapverden. Ich gehe in den Mast, um das Rigg zu prüfen. Göran und Olaf kommen an Bord und helfen die unglaubliche Menge von fünf gefüllten Einkaufswaagen an Bord zu verstauen, darunter aus Gewichtsgründen lediglich 70 Flaschen Wein. Diesel und Wasser werden gebunkert. Zusätzlich zu den jeweils 150 Litern im Tank werden an der Reling 60 Liter Diesel und 130 Liter Wasser verzurrt. Zwischendurch bin ich immer wieder unterwegs zum Segelmacher und zu den Bootsausstattern gelaufen, um die Liste fehlender Ausrüstungsgegenstände abzuarbeiten.

Beim Bunkern regnet es, alle Tüten müssen unter die Plane

Beim Bunkern regnet es, alle Tüten müssen unter die Plane

Das Netz für das Obst unter der PV-Anlage

Das Netz für das Obst unter der PV-Anlage

Das Netz für das Gemüse  wird im Salon gespannt

Das Netz für das Gemüse wird im Salon gespannt

Die Extreme: Seht ihr die kleine Anke-Sophie vor der Megayacht? Unser Mast reicht bis knapp über die erste Saling des 62 m hohen Masts

Die Extreme: Seht ihr die kleine Anke-Sophie vor der Megayacht? Unser Mast reicht bis knapp über die erste Saling des 62 m hohen Masts

Das andere Extrem: Boote wie diese werden wohl nicht mehr auslaufen...

Das andere Extrem: Boote wie diese werden wohl nicht mehr auslaufen…

In den letzten drei Wochen lag über den Azoren, wo normalerweise ein kräftiges wetterbestimmendes Hoch liegt, ein großes Tiefdruckgebiet, das Unwetter auf den Kanaren bescherte und eben Starkwind aus Süden, wohin wir ja wollten. Wir bleiben  noch eine Nacht länger als geplant, da der Wind erst am Freitag auf Nordost gedreht ist und dann kann es endlich losgehen.

Die See bewegt uns, um nicht zu sagen schüttelt uns...

Die See bewegt uns, um nicht zu sagen schüttelt uns…

Tom hat alles im Griff

Tom hat alles im Griff

Pozo Negro12Pozo Negro16

Gemeinschaftliches Kochen im Seegang

Gemeinschaftliches Kochen im Seegang

Pozo Negro14Pozo Negro13Draußen erwarten uns gewaltige Wellenberge. Die Dünung aus einer Woche andauerndem Starkwind aus Süd hat sich mit einer Nordwestdünung vermischt und die neue Windwelle aus Nordost überlagert beide zu einer ungemütlich kabbeligen See, die uns die ersten beiden Tage begleitet. Der Wind weht konstant aus Nordost mit einer Stärke von 6, in Böen 8 Bft.

Wir haben uns einen Wachplan ausgedacht, in dem jeder von uns zunächst zwei Stunden aktive Wache geht, dann folgen zwei Stunden passive Wache, in der wir für Manöver zur Verfügung stehen sowie vier Stunden Freiwache.  Es ist ein Luxus auf einer Überfahrt, wenn vier Segler dabei sind, die Wache gehen. So bleibt theoretisch genügend Zeit sich zu erholen. Wenn da nicht das flaue Gefühl in den ersten Tagen wäre, bis man sich an die Bewegungen an Bord gewöhnt. Jeder Handlung will genau überlegt sein. Wie bekomme ich den Käse auf das Brot, wenn die eine Hand den heißen Kaffee hält und die andere die Butter? Lösung: Das geht nur, wenn gute Segelkameraden sich helfen! So ist es bei allem. Schön ist es dann, wenn der Ablauf an Bord zur Routine geworden ist, wenn die Mägen sich eingewöhnt haben und wir das Meer, die Wellen und das Licht beobachten können, die sich ständig ändern. Was am ersten Tag undenkbar erscheint, wird nach ein paar Tagen möglich. Wir legen uns in eine Ecke und lesen einige Kapitel im Buch.

Höhepunkt der Tage sind die Kochaktionen, die bei diesen Atlantikwellen keine leichte Übung sind. Göran brät Champignons mit Schweinegeschnetzeltem. Ich bereite Gemüse nach asiatischer Art mit viel Ingwer, soll ja auch gegen Seekrankheit helfen. Tom folgt mit Älpler Makroni, ein Nudel-Kartoffel-Zwiebel-Käse-Gericht aus der Schweiz, Olaf rettet das Gemüse zu einem Eintopf und zwischendurch gibt es auch Eier mit Speck. Die Versorgungslage ist als extrem gut zu bezeichnen.

Jeden Tag haben wir Besucher. Am ersten Tag finden wir zwei Tintenfische an Bord. Am zweiten landet eine Brieftaube, die erschöpft auf der Anke-Sophie zwischenlandet und uns einen Tag begleitet, leider aber ihre Spuren im Cockpit hinterlässt. Am dritten Tag begleiten uns Delphine, die uns mit ihren ausgelassenen Sprüngen aus den Wellen heraus erfreuen. Am vierten Tag haben wir doch tatsächlich einen ersten Fisch an unserer neuen Angelschnur; leider verlieren ihn wieder beim Einholen der Schnur. Am fünften Tag schießen fliegende Fische pfeilschnell an uns vorbei.

Ein Tintenfisch, den wir zu spät finden

Ein Tintenfisch, den wir zu spät finden

Delphine spielen mit uns und

Delphine spielen mit uns und

aus den Wellen heraus entgegen

springen uns aus den Wellen heraus entgegen

Das Seglerische der Überfahrt in Kürze: Der Wind weht fast gleichbleibend mit 6 – 8 Bft. aus Nordost. Unser Kurs ist 215°, also praktisch platt vor Laken. Wir bergen schon nach zwei Stunden das Großsegel und fahren fast die gesamte Strecke unter ausgebaumter Genua, die wir je nach Windstärke zeitweise stark einrollen. Die 810 sm von Las Palmas auf Gran Canaria bis nach Palmeira auf Sal, der nordöstlichen Insel der Kapverden, legen wir in nur 5 Tagen und 3 Stunden zurück. Dies entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 6,5 kn. Die Tagesetmale lagen zwischen 150 und 175 sm.

Göran mag Mören

Göran mag Mören

Tom war auch mal müde nach der Nachtwache

Tom war auch mal müde nach der Nachtwache

Olaf leistet meist einen humorvollen Beitrag, durchaus mit ernsthaft.

Olaf leistet meist einen humorvollen Beitrag, durchaus mit ernsthaft.

Das Wetter empfängt uns nicht gerade wohlwollend. Am vorletzten Tag haben wir eine Sichtweite von nur ca. 3 sm, da der kräftige Wind „Harmattan“ aus Ostnordost viel Staub aus der afrikanischen Wüste herüberweht. Kurz vor Sal setzt dann auch noch Regen ein. Wer hätte gedacht, dass Afrika uns mit Regenschauer begrüßt?Pozo Negro29 Pozo Negro31 Pozo Negro30

Es folgt ein Auszug aus dem Wetterbericht:

CAPE VERDE, CAP BLANC.
Northeasterly 5 or 6, at times 7 over CAPE VERDE.
Rough or very rough and cross
Thundery showers, over CAPE VERDE. Sand haze.

Der Wüstenstaub weht über 400 sm über See bis zu uns an Deck

Der Wüstenstaub weht über 400 sm über See bis zu uns an Deck

Der Harmattan färbt alles rot

Der Harmattan färbt alles rot

Die Insel Sal im Harmattan und bei RegenDie Insel Sal im Harmattan und bei Regen

Welch ein Gefühl, als der Anker hinter der Mole von Palmeira fällt und wir mit dem Beiboot übersetzten, um einzuklarieren und das einzige Restaurant im Ort besuchen. Vom Inselleben später mehr.

7 Antworten zu “Las Palmas – Palmeira

  1. Glückwunsch- Ihr habt’s geschafft. Und dem Kleenen müssen doch gestern die Ohren geklungen haben. Wir haben während unserer Schwimmerweihnachtsfeier an Euch gedacht. Liebe bekannte und unbekannte Weltumsegler: Frohe Weihnachten wünscht Monika aus Leipzig.

  2. Sailors! Das war wohl ein schönes Vorweihnachtsgeschenk vom Klabautermann!! Gratulation Euch allen! Aber ganz ehrlich: Merkt Ihr nicht den Neid der zwischen den Zeilen hervorquillt???? Ignoriert ihn!
    Schöne Weihnachtstage und viele Träume von dieser Fahrt wünschen Euch schlowly und Hildegard

  3. hallo lieber Thomas ,welch ein Unterschied in der Vorbereitung der Weihnachtsfeste und der Überfahrt von Kanaren zu Kapverden und Atlantik… jetzt habe ich gerade in einer kleinen Pause bezüglich der Weihnachtsbäckerei deinen Bericht gelesen ….es ist ja wirklich der totale Wahnsinn ….vor allen Dingen diese Bilder, die du  von den Wellen Bergen mit schickst …..und ich liege dabei auf meinem Sofa und bin ganz aufgeregt bei der Vorstellung ,jemals selbst in solchen Wellenbergen sein zu können … leider leider werde ich mir eigentlich immer sicherer ,dass ich das nicht schaffen würde …..aber umso toller deine Abenteuer zu verfolgen …gestern Abend waren wir zu dritt in einem wunderbaren Philharmonie- Konzert… auch das eben eine ganz andere Welt ….so und jetzt rufe ich gleich Annette an…lieb umarmt und gegrüßt zum vierten Advent….und in 2 Tagen kannst du deine Ehefrau in die Arme schließen ! herzlichst Martin

    Von Samsung Mobile gesendet

    • Lieber Martin,

      es war eine tolle Überfahrt. Die Wellen waren schon beachtlich, aber bedenke: Man schwimmt wie ein Korken immer oben auf! Da kann nichts passieren, außer dass einem das eine oder andere umfällt, wenn man nicht aufpasst…

      Jetzt ist erst mal Entspannung angesagt. Anbei ein gestriges Bild von einer Kinderweihnachtsfeier auf Sal. Mir macht es hier in Palmeira richtig Spaß und ich freue mich auf Annette!!!!

      Mit herzlichen Grüßen

      Thomas

      Thomas Herter http://www.ankesophie.wordpress.com Mobil Spanien: +34 628 272 606

  4. Hallo Thomas,
    einmal werden wir noch wach….. dann kommt Annette! Wie schön für euch beide! Sehr interessant für eine Landratte ist die Staumöglichkeit für Obst und Gemüse!
    Alles immer wieder sehr spannend, wenn ich auch selten kommentiere, hier ist derzeit einfach zu viel anderes zu bedenken und zu tun, Annette wird dir etwas berichten können.
    Euch beiden wünschen wir sehr schöne Weihnachtstage, sin gespannt auf Fotos von den Kapverden und grüßen sehr herzlich
    eure Lisa und Andreas

    • Liebe Lisa,  Danke für deine Zeilen. Ich hatte dir auf die letzte email geantwortet, aber sie ist glaube ich nicht raus. Sitze gerade in der Hauptstadt vonn Sal und nutue frei wifi. 

      Euch eine schöne und ruhigere Zeit zwischen den Jahren.  LG Thomas

      Freue mich so sehr auf Annette

      Von Samsung Mobile gesendet

  5. Liebster Skipper!

    Alles gelesen. Mit Tränen in den Augen (kein Sand)!
    In Gedanken & Erinnerungen ständig bei Dir und Deinem & Euren Weg. Schönes Neues! Wir sehen uns!

    Mo & Paul

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