Cabo Trafalgar – 36° 10,9’ N 006° 03‘ W

Ein neuer Bericht, längst von Freunden angemahnt, ist fällig und ich habe einen Auftrag von Christian erfüllt. Er – wahrscheinlich Royalist – bat mich, eine Gedenkminute für Admiral Nelson am Kap Trafalgar einzulegen. Ich – als Wehrdienstverweigerer – habe also zunächst Folgendes recherchiert:

Admiral Nelson

Admiral Nelson

Um Napoleons Plan für eine Eroberung Englands vorzubereiten und um die Engländer abzulenken, segelte Admiral Villeneuve die französische Flotte zunächst in die Karibik, um die englischen Kolonien anzugreifen. Admiral Nelson hatte den Befehl, dies zu verhindern, und folgte ihm über den Atlantik. In einem Katz- und Mausspiel vermied jedoch die überlegene französische Flotte den Kampf und segelte zurück nach Europa. In Cadiz sammelte sich die französisch-spanische Flotte. Admiral Nelson war über Späherschiffe über alle Bewegungen informiert und bereitete seine 27 Schiffe durch einen ausgeklügelten Plan vor und stimmte seine Flotte mit dem historische Flaggensignal „England expects that every man will do his duty“ ein. Mit dem Angriffssignal „Engage the enemy more closely“ griff er die 33 Schiffe der französisch-spanischen Allianz  am 21. Oktober 1805 um 12:15 Uhr  bei Kap Trafalgar an. In zwei Angriffsformationen spaltete er die Linien der Allianz und schlug sie vernichtend. Die gegnerische Flotte verlor 20 Schiffe, während die englische Flotte keines verlor. Admiral Nelson selbst wurde von einem Musketenschützen getroffen und starb kurz nach der Schlacht. In einem Brandy-Fass wurde er nach England überführt und erhielt dort ein Staatsbegräbnis. Heute erinnert der Trafalgar Square an die Schlacht der Schlachten, die über 100 Jahre den Lauf der europäischen Geschichte prägte. Die „Nelson Column“ ist 55 Meter hoch, genauso hoch wie Nelsons Flagschiff, die HMS Victory, vom Kiel bis zur Mastspitze war. Wir passieren das Cabo Trafalgar fast 208 Jahre später am 07.09.13 um 22:45 Uhr.

Wir nähern uns dem Kap Trafalgar (Bilder erst auf der Rückfahrt aufgenommen)

Wir nähern uns dem Kap Trafalgar (Bilder erst auf der Rückfahrt aufgenommen)

Gedenkminute für Admiral Nelson

Gedenkminute für Admiral Nelson

Der Leuchtturm Cabo Trafalgar steht weit vor dem Felsmassiv

Der Leuchtturm Cabo Trafalgar steht weit vor dem Felsmassiv

Küste bei Kap Trafalgar

Küste bei Kap Trafalgar

Zurück zur Anke-Sophie. Wir hatten nach schönen Tagen an der Algarve Sebastian K., einen jungen Kollegen von Harald A., in Mazagón aufgenommen und segeln nun zu fünft die andalusische Küste Richtung Süden weiter. Noch eine historische Stätte: Denn von Mazagón soll Christoph Kolumbus gestartet sein.

Eine Nacht ankern wir in der Lagune vor Faro

Eine Nacht ankern wir in der Lagune vor Faro

Nachtfahrt Richtung Süden bis Tarifa

Nachtfahrt Richtung Süden bis Tarifa

Da zwar über Nacht ein frischer Wind, aber für die nächsten Tage  kaum Wind angesagt ist, wollen wir die Gelegenheit nutzen und segeln durch die Nacht, soweit wie wir kommen. Wir sind nach der Gedenkminute beim Kap Trafalgar weiter gesegelt bis fast nach Afrika, nämlich bis zu der andalusischen Hafenstadt Tarifa. Der Hafen ist von den Fähren nach Tanger geprägt. Für uns ist kein Platz, sodass wir in einer Bucht vor der Hafeneinfahrt ankern und mit dem Schlauchboot übersetzen, um die alte Stadt und das Kastell zu besichtigen. Wir essen „roten Tunfisch“, die lokale Spezialität. Gerne wären wir bis Gibraltar gesegelt, aber die angesagte Flaute und die Strömungsverhältnisse haben uns bewogen, hier umzudrehen. Tarifa ist ja auch nicht der schlechteste Punkt, Er markiert die engste Stelle zwischen Europa und Afrika. Die Meerenge ist mit 8 Seemeilen deutlich enger als die Kanalstrecke zwischen England und Frankreich mit 18 sm. Noch zwei Superlativen, denn wir waren ja schon am „Lend’s End“ in England und am Cabo Finisterre: nun Tarifa, es liegt am südlichsten Punkt vom Festland-Europa, nur Inseln wie z. B. Kreta liegen südlicher. Weiterhin bildet es genau an der Nahtstelle zwischen Atlantik und Mittelmeer. Wir waren also auch im Mittelmeer und nach 12 h Aufenthalt wollen wir schon wieder einen leichten Südwind nutzen, um in Teilstücken die Küste bis Cadiz zurück nach Norden zu segeln.

Blick vom Kastell von Tarifa nach Afrika hinüber, leider im Dunst

Blick vom Kastell von Tarifa nach Afrika hinüber, leider im Dunst

Tarifa, viele maurischen Einflüsse

Tarifa, viele maurischen Einflüsse

Tarifa, die Altstadt

Tarifa, die Altstadt

Leichter gesagt, als getan. Ich hatte mich vorbereitet und wusste, was auf uns zukommt. Durch die Straße von Gibraltar fließt kontinuierlich ein Strom von etwa 2 kn, da das im Mittelmeer verdunstete Wasser über diesen Weg vom Atlantik ausgeglichen wird. Zusätzlich wird diese Strömung von Ebbe und Flut überlagert, deren Strom etwa auch 1 – 2 kn ausmacht. Wir sind froh, dass wir bei leichten Winden unter ausgebaumten Groß und Genua 4,5 kn durchs Wasser machen. Aber unsere Ausdauer wird gefordert, denn in den ersten drei Stunden haben wie einen Strom von 3 kn gegen uns. Das heißt, mit tatsächlichen 1,5 kn kommen wir kaum vorwärts. Erst in der Nacht kippt der Gezeitenstrom, sodass danach die beiden Strömungen wenigstens auszugleichen sind. Dafür wird der Wind schwächer und die letzten Meilen motoren wir bis zum Hafen Barbarte, kurz östlich des Kap Trafalgar, wo wir uns ohne Schaukelei ausruhen.  Wir nähern uns Cadiz, was wir auf dem Weg nach Süden ausgelassen hatten. Die letzte Nacht davor verbringen wir noch einmal vor Anker bei dem kleinen Hafen Puerto de Conil.

zurück vom Strand

zurück vom Strand

Puerto de Conil

Puerto de Conil

Trafalgar 130

6 Antworten zu “Cabo Trafalgar – 36° 10,9’ N 006° 03‘ W

  1. Lieber Thomas, schön, wieder von Dir zu lesen. Gestern erst haben wir einer Freundin von Deinen tollen Berichten und Fotos erzählt. Wir treffen uns am Freitag mit Annette, was Du wahrscheinlich schon weißt. Wir freuen uns drauf. Und Dir weiterhin gute Segelerlebnisse und bis bald, Annette* und Hans-Heinrich

  2. Lieber Thomas,

    liebe Grüße aus Berlin. Ich beneide Euch um den Sonnenschein und das gute Wetter, hier wird es leider langsam herbstlich …

    • Lieber Flo,

      das mit dem Herbst haben schon einige geschrieben. Also ich breche auf in südlichere Gefilde: morgen Nachmittag starten wir die Überfahrt nach Madeira. Bei dir alles ok? Bekommst du Lust auf’s Segeln? Kanaren? Ich bin da von Mitte Oktober und Mitte Dezember…

      Mit herzlichen Grüßen

      Thomas

      Thomas Herter Mobil Spanien: +34 628 272 606

  3. Hi Thomas, leider sehe ich Deine Antwort erst jetzt …

    Weißt Du denn schon ungefähr, wann Du auf welcher kanarischen Insel sein wirst?

    Liebe Grüße aus B!

  4. Dear Thomas,
    You performed ADMIRABLY in reaching Cape Trafalgar to commemorate Lord Nelson’s legendary victory over the combined French and Spanish fleet on 21, October 1805.
    I have been fascinated by Horatio Nelson’s (1758-1805) exceptional life for some time: a brilliant mind and tactician, full of physical courage, great seamanship and a talented leader. Anybody interested in finding out more about the man and his age should turn to Roger Knight’s biography: „The Pursuit of Victory, the life and achievements of Horation Nelson, Penguin 2005. Two hunderd years after Nelson’s Battle of Trafalgar Knight concludes his portrait with this sentence: „…evidence reveals a driven, flawed, tough-spirited man of exceptional intelligence and talent, whose success can be attributed to reasons far more complex than those represented by an heroic, all-encompassing figure; and he becomes infinitely more understandable and interersting.“ (p.558)
    Thank you Thomas for having sailed on my behalf to Cape Trafalgar.

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