Urlaub ohne Urlaub – Cowes auf Isle of Wight, Swanage und Portland

Annette, Kathrin und Marlies haben Urlaub. Was habe ich? Es könnte glatt Urlaub sein, aber ohne Arbeit kann ich keinen Urlaub haben. Drei Wochen an Bord und langsam fange ich an zu verstehen, dass da eine Phase in meinem Leben begonnen hat, die neu ist. Ein Stück Leben nur für mich, meine Frau und Freunde. Nach 25 Jahren intensiven Arbeitens in drei Ingenieurbüros hatte ich eine genauso intensive Phase der Vorbereitung und jetzt: Segeln pur. Cowes60 Cowes41 Cowes43

Drei Engel für Charly

Drei Engel für Charly

Während die ersten beiden Wochen zusammen mit Annette doch eher unter dem Motto standen, wie kommen wir gegen Wind, Welle und Strömung nach Südwesten in Richtung England, um unsere Mitsegler abzuholen, haben wir nun eine Phase des Genusses, in der wir den Wind so nehmen, wie er kommt. Weht er zu schwach, dann legen wir uns eben in eine Bucht, wie zum Beispiel vor dem Ort Swanage. Ich brate Maultaschen an mit Speck und viel Zwiebeln und verwöhne die Crew mit süddeutschem Essen.

Schornsteine mal anders gesehen

Schornsteine mal anders gesehen

Cowes

Cowes

Cowes Altstadt

Cowes Altstadt

Zuvor steuerten wir Cowes auf der Isle of Wight an. Das englische Seglereldorado überhaupt. Viele Boote kreuzen durch den Solent, vom Admiral-Cupper, deren Crew mit gestyltem Outfit an Bord  hantiert, bis zu alten kleinen Nuckelbooten, gesteuert von kurzbehosten knochigen britischen Rentnern. Ausgedehnte Spaziergänge durch den netten Ort zeigen uns viel von der britischen Lebensweise, zu sehen beispielsweise an den Vorgärten.  Der Solent ist ja berüchtigt zum einen als fantastisches Segelrevier und zum anderen für seine navigatorischen Widrigkeiten. Extreme Strömungen, die im Solent durch die Meerenge zwischen Festland und Isle of Wight verstärkt werden, sowie jede Menge von Untiefen. Schon lange sind mir „The Needles“ ein Begriff, sie markieren den westlichen Ausgang des Solent und ich bin sehr gespannt auf die berühmten Felsen mit dem bekannten Leuchturm vor der Isle of Wight. Die Tideberechnungen und die Strömungskarten sagen uns, ein Auslaufen empfiehlt sich für uns um 02:00 oder um 14:00 Uhr. Da der Wind am Mittwoch leider gegen Nachmittag abflauen soll, haben wir uns für den Start in den frühen Morgenstunden entschieden, und zwar eine Stunde später, damit wir die Needles bei Helligkeit passieren. Als ich kurz vor 2 Uhr aufwache, pfeift der Wind so, dass Annette und ich schnell entscheiden: Nein, lieber umdrehen und weiterschlafen. Stattdessen später ein gemütliches Frühstücken und wir unternehmen noch einen Ausflug mit der Kettenfähre über die Medina nach East Cowes, was auf der anderen Seite unseres Hafens liegt. Dann droht fast eine Flaute, aber kurz nach dem Ablegen um 12 Uhr dreht der Wind auf Südwest und frischt auf. Wir kreuzen durch den Solent bei 3 – 4 Bft. und die Strömung schiebt uns mit zusätzlichen 4 Knoten. Herrliches Segeln, schöner als im Bilderbuch, vorbei an „The Needles“ und dem Seezeichen „The Bridge“ an den flachen Sandbänken vorbei, wo sich wieder „Races“ durch wilde Strudel zeigen hinaus aufs offene Meer.

berümt und berüchtigt: The Needles

berümt und berüchtigt: The Needles

Cowes36Cowes38 Am Vorabend hatten uns Nachbarn von der Segelyacht Grace – auch Segler auf Langfahrt – erzählt, die Ihr Schiff durch Unachtsamkeit nahe Portsmouth in voller Fahrt auf eine unter Wasser liegende alte Mauer gesegelt haben, welche die Briten im zweiten Weltkrieg gegen deutsche U-Boote gebaut hatten und ihr Schiff stark beschädigten.  Sie hatten zwar das Hindernis auf der Karte gesehen, dachten aber, es sei ein ungefährliches Unterwasserkabel.  So nahe können auf See Glück und Pech zusammenliegen.

Vorbei an Portsmouth

Vorbei an Portsmouth

Nach einer Nacht vor Anker wollen wir wieder einen Hafen ansteuern und so wählen wir Portland. Ein alter Militärhafen, in dessen Vorhafen eine moderne Marina eingerichtet wurde. Mir sind diese hypermodernen geleckten Anlagen mit allem Luxus eigentlich nicht recht, denn sie sind steril und anonym. Wir nutzen die Gelegenheiten und bunkern frische Lebensmittel für mehrere Tage, Wasser und Diesel und entdecken abends einen Pub direkt auf der großen Düne, wo wir gezapftes Bier trinken und Fischermans Pie essen, einen überbackenen Fischauflauf mit frischem Gemüse. Wieder erinnere ich mich an frühere Momente in England, wenn am Freitagabend nach der Arbeit der Pub gestürmt wird und alle ausgelassen ihr Bier trinken. Ich beobachte beim Sonnenuntergang die Briten im kurzen Hemd, während wir schon den Fleece anziehen, es macht einfach Spaß, im Freien zu sitzen und Leute zu beobachten. Eben doch Urlaub.

Lighthouse Isle of Portland

Lighthouse Isle of Portland

noch einmal entdeckt: hier waren Annette und ich schon einmal 2008

Noch einmal entdeckt: hier waren Annette und ich schon einmal 2008

Abends kurz vor Brixham

Abends kurz vor Brixham

An dieser Stelle will ich mich für die vielen Kommentare bedanken, es ist eine schöne Art, den Kontakt nach Hause zu halten. Ich versuche allen zu antworten, aber teilweise funktioniert es nicht, deshalb von hier aus 1000 Dank und lasst uns auf diese Weise oder eben über Emails in Verbindung bleiben, bis bald …

6 Antworten zu “Urlaub ohne Urlaub – Cowes auf Isle of Wight, Swanage und Portland

  1. Liebe Annette, lieber Thomas, wieder ein sehr schöner, anschaulichr Bericht, klasse, so auf dem Laufenden gehalten zu werden. Und dann die tollen Bilder, Bin schon gespannt auf die nächsten. Alles Gute für Euch und Eure Mitseglerinnen, viele Grüße aus Berlin von Annette* und Hans-Heinrich

    • Liebe Annette* und H-H, ja, es macht Spaß, aber es ist auch ein Kampf mit den Widrigkeiten der Technik. Z.b. habe ich 5 Pfund für WLAN bezahlt und dann war es so grottenlangsam, dass ich keine Bilder hochladen konnte. Wir sind dann in die Stadt und haben in einem Cafe eine Kleinigkeit gegessen und getrunken, um ein kostenloses WIFI zu nutzen, was auch super funktionierte. Nun muß ich sehen, wie ich mein Geld zurückbekomme… Naja, so ist keine Gefahr, dass ich mich zum Nerd entwickle…

      Mit herzlichen Grüßen

      Thomas

  2.  hallo lieber Charlie, toll mit deinen drei Blondinen an Bord und dann noch alle drei bekochen mit Maultaschen! Die haben es sehr gut ! Aber lass dich doch mal selbst von ihnen verwöhnen , du brauchst ja noch viel Kraft einmal um den Globus.  Einen besonderen Gruß von mir an die dunkelblonde, lasst es Euch weiter so gut gehen ! Die Bilder sind super schön ,während ich bei den ersten Reiseberichten eher das Gefühl hatte, da möchte ich nicht unbedingt dabei sein, bin ich jetzt ganz neidisch auf eure tollen Segel Abenteuer und vor allen Dingen die Perspektive rotes  Segel und needles!  Also macht es weiter gut ,es lässt sich doch jetzt alles bestens an ,viele liebe Grüße an dich und Annette von Martin

    Von Samsung Mobile gesendet

    • Lieber Martin, ich wußte, dass du auf den Untertittel reagierst… Keine Angst, ich werde hier bestens verwöhnt. Du hast Recht, das Bild rotes Segel vor the needles ist mein Lieblingsbild., vor allem sich erinnerned, dass wir dabei selbst mit 4 kn Strömung durch den Solent geschoben wurden, also ca. 10 kn schnell waren.

      Mit herzlichen Grüßen aus Falmouth, eine herrliche kleine Stadt, die ich sehr empfehle. Sowieso ist Cornwall eine Reise wert, das müsst ihr in euer Programm aufnehmen einschl. eine Wanderung im Dartmoor. Wir geben euch dann eine Adresse von einem tollen B&B.

      Thomas

      Thomas Herter

      Zinzendorfstraße 5, 10555 Berlin, T +49 30 344 5809, M +49 172 325 8239, thomas.herter@gmx.de

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