Borkum Sturmeck

Das Wetter hat uns insgesamt vier Tage auf Helgoland festgehalten. Es hatte zwei Tage durchgeregnet und ständig stürmte es, dass an Auslaufen nicht zu denken war, vor allem da der Wind direkt gegenan kam. Beim DWD waren wir Stammgast. Endlich war für Samstag eine Winddrehung auf den ersehnten Nordwest angesagt. Auch der Windfinder zeigte uns, dass der Wind abflauen sollte und auf NW dreht. Unsere Nachbarn Norbert und Christiane und wir bereiten uns vor und studieren den Tidenkalender und die nautischen Informationen für die Küste. Ziel sollte Borkum sein, denn mit unserem Tiefgang von 2,30 m sind die anderen Häfen der ostfriesischen Inseln für uns nicht erreichbar. Wir legen um 4 h ab, um den Tag voll zu nutzen, die Nachbarn wollen etwas später ablegen. Wir legen bei Nieselregen ab, dabei fragt man sich schon, warum eigentlich? Aber vor uns liegen 85 sm. Zunächst weht ein schwacher Wind aus Südwest, sodass wir sogar das eine Reff ausbinden, da die Welle vor Helgoland extrem unangenehm war. Annette steuert, wie so oft bei Regen, und ich liege in der Koje. Nach drei Stunden dreht der Wind wie bestellt auf Nordwest und wir binden das erste Reff wieder ein. Leider wurden aber aus den angesagten NW 4-5 leider mehr und wir bekamen Starkwind von 6 – 7 Bft. Mit den entsprechenden Wellen. Die Höhe ist immer schwer zu schätzen, aber 3 – 4 m waren es schon und teilweise brachen sie sich schon und überschlugen das Deck. Uns wurde flau, aber die Windrichtung blieb NW und so konnten wir mit halbem Wind Richtung Borkum mit 9 kn Geschwindigkeit segeln.

Borkum01

Dann habe ich mir einen Kopf gemacht, wie ich da nach Borkum reinkomme. Wir hatten im Vorfeld die Hochwasserzeiten für die Ems und für die nächsten Ziele herausgesucht. Als Neulinge, die wir hier in der Nordsee sind, fehlt die Übung und ich war froh, dies nicht bei der Welle machen zu müssen. Aus den Büchern wussten wir, dass bei starkem Wind aus nördlichen Winden das Einlaufen gegen die Strömung fast unmöglich wird, weil sich dabei unglaubliche Seen aufbauen können. Wir hatten uns überlegt, dass wenn wir zu spät oder zu früh kommen, wir nicht einlaufen, sondern das nächste Ziel Terschelling anlaufen würden. Dies sind aber weitere 50 sm, auf die bei diesen Bedingungen keiner mehr Lust hatte. Als ich sah, dass es knapp wird, habe ich mich entschieden, das Verkehrstrennungs­gebiet entgegen der Regeln schräg zu schneiden, um Zeit zu sparen und wir haben das einlaufende Wasser gerade noch erwischt. Trotzdem standen in der Westerems ganz gute Wellen.

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Fischerbalje

Wir haben die Fischerbalje vor dem Hafen Borkum genau erreicht, als die Strömung kippte. Da war auch etwas Glück im Spiel. Unsere Nachbarn Christiane und Norbert berichten später über Kurzwelle, dass sie erst um 8 h ausliefen und dann nach 30 sm immer noch keinen Nordwest bekamen und entschieden sich, wie ein Schweizer Boot auch, nach Helgoland zurückzukehren. Ich antwortete ihnen „Umdrehen tut man nicht gerne, ist aber – wie in den Bergen – oft die richtige Entscheidung und es gehört Stärke dazu!“

Aber nun hängen wir hier in Borkum schon wieder den zweiten Tag fest. Ich wollte am Sonntag­morgen um 4 h los, aber da pfiff der Wind genau aus West. Die nächste Möglichkeit wäre der Nachmittag gewesen, da pfiff er immer noch. Ein wenig später ärgere ich mich, da der Wind wie vorhergesagt abgenommen hat über Nacht. Ich quäle mich, das war eine vertane Chance, wir hätten los sollen. In der Nacht werde ich wach und es heult der Wind in den Wanten, also war es doch richtig gewesen, zu bleiben. Umdrehen und einkuscheln, weiterschlafen. Vielleicht morgen Abend, da soll er wieder schwächer sein und auch Richtung Süd drehen. Wer hat schon Lust bei 5 Bft. gegenan zu kreuzen, geschweige denn bei mehr… Bei uns wird es mit der Zeit sehr eng, die Mitsegler in England am Freitag zu treffen.

Nachdem wir für einen Tag das Boot zur Schreinerei machten und Schränke für zusätzlichen Stauraum anfertigten, steht am Montag ein Ausflug mit dem Rad nach Borkum an. Bei den Namen schwingen alte Geschichten mit vom Borkum Riff und dem Feuerschiff, das neben uns im Hafen liegt. Was waren das für Zeiten, als die Leuchtturmwärter wochenlang ihren Dienst auf einem ankernden Schiff in tosender See ausrichteten?

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Als Nachtrag noch zwei Bilder von Abschiedsgeschenken, die uns Bernhard und Michael gemacht hatten. Wir rationieren und gönnen uns immer nach getaner Arbeit ein kleines Stück Linzertorte. Aber nicht an Hafentagen!

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9 Antworten zu “Borkum Sturmeck

  1. Liebe Annette, lieber Thomas! Habe euren Bericht heute in der S-Bahn gelesen, das ist ja spannender als jeder Reiseroman!
    Gleichzeitig natürlich immer ein bisschen mitzittern (4 m hohe Wellen!!), aber ihr seid bitte immer schön vorsichtig und behaltet einen klaren Kopf! Oh je, schon wieder eine Ermahnung von mir!
    Die Geschenke von M+B sind super, sehr vernüftig ,die gut haltbare Linzer Torte zu rationieren und nur nach erfolgreichen Segeltagen kleinportioniert zu genießen! Und Westberlin habt ihr jetzt – mit Kurs auf den Ärmelkanal? -ja definitiv verlassen.Also, macht es weiterhin ganz gut, ich/wir denken oft an euch und eure Tour Martin+Jochen
    P.S. Thomas sieht auf dem Foto schon 10 Jahre jünger aus, wenn das so weitergeht, wird spätestens auf den Kanalinseln das Jugendamt eingeschaltet!

  2. Liebe Annette, lieber Thomas,

    das ging ja schon ganz schön abenteuerlich los..
    Es ist spannend (und ein wenig undankbar – wegen der eigenen aufkommenden Sehnsüchte…) Eure Reise zu verfolgen. Hoffentlich gehts euch weiterhin gut und ihr trefft die richtigen Entscheidungen!
    Wir denken oft an Euch und ihr seid beliebter Gesprächsstoff!!

    Herzliche Grüße von Michael und Bernhard

  3. Ihr Lieben,
    das ist ja spannend, Euch auf diesem Weg wenigstens ein bisschen zu begleiten. Wir wissen jetzt – Ihr habt die neuen Herausforderungen gut gemeistert, die Tage sind voll, die Nächte – mitunter kurz.
    Wir freuen uns schon auf das nächste Kapitel. Alles Gute wünschen Thomas und Monika

  4. Liebe Annette, lieber Thomas,

    toll eure spannenden Reiseberichte verfolgen zu können.
    Das Sturmeck auf Borkum ist ja seit Jahren unser Familienurlaubsparadies und mein Surfspot. Ja eure stürmischen Winde, die Strömungen, ordentliche Wellen das kommt mir sehr bekannt vor. Leider mussten wir uns um 2 Wochen verpassen.
    Was machen die tückischen Sandbänke, die Robben und das neue Offshore-Windfeld, seid ihr da vorbeigesegelt?
    Ich wünsche euch eine gute Überfahrt – im Zeitplan – nach England.
    Viele Grüße, Jan

  5. Hallo Ihr zwei,
    wir hoffen es geht euch gut. Das Wetter hat sich ja hoffentlich gebessert, so wie bei uns. Wir warten alle gespannt auf neuen Bericht und Bilder.
    Eure Eppelheimer

    • Liebe Martina,

      das Wetter ist tatsächlich super. Sonne, kräftiger Wind von der richtigen Seite. Freut uns, dass ihr ein wenig mit uns seid… Liebe Grüße auch von Annette, die neben mir in einem fish+ship-Restaurant am Hafen sitzt, wo wir WLAN nutzen

      Mit herzlichen Grüßen

      Thomas

      Thomas Herter

      Zinzendorfstraße 5, 10555 Berlin, T +49 30 344 5809, M +49 172 325 8239, thomas.herter@gmx.de

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